Gesund wirkender Baum fiel auf Panoramawiese

Eiche stürzt neben Kinder in Kassel

Gewaltig: Von der nach außen gesund wirkenden Eiche ist nur noch der Baumstumpf mit einem Durchmesser von etwa 1,20 Meter zu sehen. Försterin Dagmar Löffler hatte sich die Eiche in Wilhelmshöhe nur einen Tag vor ihrem Umsturz angesehen.
+
Gewaltig: Von der nach außen gesund wirkenden Eiche ist nur noch der Baumstumpf mit einem Durchmesser von etwa 1,20 Meter zu sehen. Försterin Dagmar Löffler hatte sich die Eiche in Wilhelmshöhe nur einen Tag vor ihrem Umsturz angesehen.

Eine 150 bis 200 Jahre alte Eiche ist kürzlich völlig überraschend auf die Panoramawiese in Bad Wilhelmshöhe gefallen. In der Nähe hielten sich Kinder und Spaziergänger auf, die glücklicherweise nicht verletzt wurden.

Kassel - „Gott sei Dank ist nichts passiert“, sagt Dagmar Löffler. „Da waren wohl Schutzengel vor Ort.“ Die Försterin vom Revier Kirchditmold spricht von einem Zwischenfall, der sich am späten Vormittag des 23. Februar auf der Panoramawiese entlang der Hugo-Preuss-Straße in Wilhelmshöhe ereignete. Eine 150 bis 200 Jahre alte Eiche, die am Waldrand stand, fiel bei Sonnenschein und Windstille einfach um.

Ein Baum mit einem Durchmesser von rund 1,20 Meter. Die Spuren von dem gewaltigen Sturz sind auf der Wiese noch deutlich sichtbar.

In unmittelbarer Nähe hielten sich an dem Dienstagvormittag laut Löffler auch Kinder der Waldorf-Vorschulklassen auf. Zudem waren dort bei dem schönen Frühlingswetter auch andere Passanten unterwegs, unter anderem Bewohner des benachbarten Augustinums, die hier gern auf dem Panoramaweg am Rande des Habichtswaldes spazieren.

Die Revierförsterin kann auch eine Woche nach dem Vorfall, bei dem zum Glück niemand verletzt worden ist, die Ursache nicht wirklich ausmachen. „In den letzten drei Jahren passieren im Wald Dinge, die nicht erklärbar sind“, sagt Löffler. Einen Tag bevor die Eiche auf einer Länge von etwa 25 Meter auf die Panoramawiese gestürzt ist, war die Försterin noch mit ihrem Kollegen Karsten Holzkamp vor Ort, um die Bäume zu kontrollieren.

Äußerlich habe es keine Anzeichen dafür gegeben, dass diese Eiche krank sei und deshalb eine Gefahr für Menschen darstellen könne. „Erkennbar gab es keine Hinweise auf bedenkliche Verlustmerkmale von Vitalität“, so Löffler. Der Baum habe nur einen Hang nach außen gehabt. Das komme an Waldrändern aber typischerweise vor. Viele Bäume stünden wie diese Eiche über 150 Jahre hinweg in der Position, in der sie sich mit ihrer unter- und überirdischen Statik eingerichtet hätten.

Erst Ende vergangenen Jahres seien im Bereich des Panoramawegs Bäume gefällt worden, um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten, so die Försterin. Bereits zwei Monate später seien weitere Schäden an verschiedenen Bäumen sichtbar geworden. Die jetzt gefallene Eiche habe allerdings nicht zu den Kandidaten gehört, die man habe fällen wollen. „Das soll uns allen ein Lehrstück sein“, sagt Löffler.

Man müsse davon ausgehen, dass das überraschende Ende dieses nach außen gesund wirkenden Baumes doch mit den Dürrejahren und damit einhergehenden Wurzelschädigungen in Zusammenhang zu bringen ist.

Nach dem Vorfall seien Forderungen laut geworden, weitere Bäume am Panoramaweg sicherheitshalber zu fällen, sagt Löffler und zeichnet damit auch ein Dilemma auf, in dem sich die Mitarbeiter von Hessen-Forst befinden. „Hätten wir diese dicke Eiche, die nach außen vital wirkte, nur wegen ihres schrägen Hangs gefällt, dann hätte das sicher allgemeinen Unmut ausgelöst.“

Durch die zunehmenden Schäden im Wald und der neuen Symptomatik würden die Förster immer wieder überrascht. Aufgrund von Pilzbefall könnten spontan belaubte Äste abfallen, trockene Äste aus den Kronen brechen oder ganze Bäume umfallen. Nichtsdestotrotz versuche man, die Lage fachlich und regelmäßig zu beurteilen. „Es ist irre, was mittlerweile wegen der Verkehrssicherheit bei uns anfällt. Das kostet Zeit, Geld und Nerven“, so Löffler. Sie weiß aber auch: „Absolute Sicherheit gibt es im Wald heute weniger denn je. Darüber muss sich jeder im Klaren sein.“ Die gefallene Eiche wurde mittlerweile von der Panoramawiese weggeschafft, weitere Bäume am Waldrand und im Wald wurden gefällt. Der Panoramaweg wurde wieder geöffnet.

Sie hoffe, dass durch regelmäßige Baumkontrollen in diesem hoch frequentierten Bereich ausreichende Sicherheit für alle Waldbesucher und Kinder hergestellt werden könne, sagt Löffler. Die Försterin ist aber auch davon überzeugt: „Die höhere Gewalt wird in Zukunft gewaltiger.“ (Ulrike Pflüger-Scherb)

Zum Glück wurde niemand verletzt: Mischlingshündin Motte sitzt auf dem Stamm der Eiche, die auf die Panoramawiese gestürzt ist, als dort Kinder spielten.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.