Ärger ums Essen an Bord

Schiffseigner der "Stadt Kassel" brauchen Baugenehmigung für Frühstück

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Hatten sich das einfacher vorgestellt: Thomas Mohr und Beate Schröder sind die neuen Eigner der "Stadt Kassel". Um ein Frühstück an Bord anbieten zu können, brauchen sie erstmal einen Bauantrag.

Kassel. Nach dem Ärger um einen privaten Bootsliegeplatz schaut die Stadtverwaltung nun genau hin, was an der Fulda passiert: Auf dem Fahrgastschiff „Stadt Kassel“, das seit Jahren an der Schlagd stillgelegt ist, darf nicht ohne weiteres ein Sonntagsfrühstück angeboten werden, sagt die Stadt.

Die Betreiber sollen erst eine Baugenehmigung einholen, bevor Kaffee und Brötchen auf den Tisch kommen dürfen.

So kompliziert hatten sich Thomas Mohr und Beate Schröder die Sache nicht vorgestellt. Die Inhaber des Bistros „Zum Käpt’n“ in der nahen Markthalle sind seit Ende 2013 Eigner des Schiffs, das Unternehmerin Karola Söllner schon seit längerem veräußern wollte und während der Jahre 2012 und 2013 an die Uni Kassel vermietet hatte. Regelmäßig gab es in dieser Zeit Club- und Partyveranstaltungen auf der „Stadt Kassel“. „Warum durfte die Uni, was nun uns nicht gestattet werden soll?“, fragt Thomas Mohr.

Aktualisiert um 13.40 Uhr

Gegenüber den neuen Betreibern argumentiert die Stadt mit der Hessischen Bauordnung: „Wenn das Schiff nicht mehr regelmäßig im Personenverkehr gefahren wird, ist vor einer gastronomischen Nutzung eine Baugenehmigung erforderlich“, sagt Rathaussprecher Ingo Happel-Emrich. Solch ein Schiff gelte als bauliche Anlage, „wenn es dazu bestimmt ist, überwiegend ortsfest benutzt zu werden“. Das Anliegen von Gastronomin Schröder sei vom Ordnungs- an das Bauamt überwiesen worden und dort „momentan in der Prüfung“.

Beate Schröder ist von dieser Wendung überrascht. Sie habe zunächst signalisiert bekommen, dass die Sache in Ordnung gehe. Auch die städtische Lebensmittelüberwachung sei bereits an Bord gewesen und habe ihr Okay für Küche und Schankanlage gegeben. Auf dieser Basis habe sie Anfang Juni mit dem Frühstücksangebot begonnen, das regen Anklang finde.

Jetzt aber hingen die Betreiber in der Luft, da ein Bauantragsverfahren langwierig und dessen Ausgang ungewiss sei: Das Schiff verursache ständige Fest- und Liegeplatzkosten, für zahlreiche Reservierungsanfragen herrsche Unsicherheit. Hinzu komme der Schiffskaufpreis selbst, über den die Beteiligten keine Angaben machen.

Dabei sah es so aus, als ob alles passen könnte: In der Markthalle hatte Beate Schröder schon mehrere Jahre versucht, ein Frühstücksangebot an Sonntagen zu etablieren. „Aber dort findet man uns nicht so recht, wenn alle anderen zu haben.“ Zugleich suchte Karola Söllner einen Käufer für die „Stadt Kassel“, die 1970 als Nachfolger des legendären Dampfers Elsa an die Schlagd kam und heute für viele Kasseler fest zum Stadtbild zählt. „Wir wollen, dass alle an diesem schönen Ort teilhaben können“, sagt Thomas Mohr.

Wenn es keine andere Lösung gebe, müsse die „Stadt Kassel“ eben parallel zum Frühstücksbetrieb wieder sporadisch nach Fahrplan im Ausflugsverkehr fahren, was sich eigentlich überhaupt nicht lohne und mit weiteren hohen Kosten verbunden sei. Als Steuermann immerhin hat Mohr schon eine Genehmigung. Das Schiffsführerpatent müsste er dann noch erwerben.

Von Axel Schwarz

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