Ausbilder kritisieren Einschnitte bei der Betreuung der Referendare

Im Eiltempo ins Klassenzimmer

Gerd Rodenhäuser

Kassel. Protest gegen die „wenig durchdachte Sparpolitik“ von Kultusministerin Dorothea Henzler und ihre „fatalen Folgen“ für die Lehrerausbildung kommt aus dem Studienseminar für Gymnasien in Kassel.

Nach dem neuen Hessischen Lehrerbildungsgesetz war erst jüngst das Referendariat von 24 auf 21 Monate verkürzt worden. Diese Kürzung um drei Monate „tragen wir in Zeiten knapper Kassen noch mit“ heißt es in einem offenen Brief des Studienseminars an die Ministerin. Die damit einhergehenden weiteren „massiven Sparmaßnahmen“ im Haushalt 2012 und darüber hinaus bereiteten den Ausbildern der angehenden Pädagogen jedoch große Probleme, sagt Gerd Rodenhäuser, Ausbilder am Studienseminar für Gymnasien und Vorsitzender des Personalrats.

Für die Zukunft wurden die Stunden, die für die Betreuung eines Lehrers im Vorbereitungsdienst, wie Referendare jetzt offiziell heißen, von 5,9 auf 4,7 Stunden pro Woche reduziert. Diese „drastische Absenkung von Ressourcen“, die den Seminaren zur Verfügung gestellt werden, bedeute eine „unvertretbare Erhöhung“ der Arbeitszeit für die Ausbilder.

Auch der Bundesarbeitskreis der Seminar- und Fachleiter Hessen (BAK) kritisiert diese Veränderung: Eine Verkürzung des Vorbereitungsdienstes um ein Achtel werde jetzt noch von einer Verringerung des Zeitrahmens für Ausbildung um fast ein Drittel begleitet.

Die Leidtragenden dieser Entwicklung seien die Schüler, die von Lehrern unterrichtet werden, die ohne die erforderliche Ausbildungszeit auf den Schuldienst vorbereitet wurden. Der BAK prangert an, dass im Arbeitszeitmodell des HKM die Beratungen der Referendare hinsichtlich ihres eigenverantwortlichen Unterrichts „quasi auf null“ gesetzt wurden. Er fordert mehr Zeit für die Ausbildungsbetreuung.

Räumlich entfernt

Hinzu kommt laut Rodenhäuser das Problem der räumlichen Entfernung: Angesichts des großen Bereichs von Arolsen bis Sontra, in dem sich die Schulen befinden, die von den Ausbildern im Schulamtsbezirk besucht werden, müssten bei geringerer Zeit weiter enorme Strecken zurückgelegt werden.

Ludwig Gleichmann, Fachleiter für Sport sowie Methoden und Medien am Kasseler Studienseminar, hat festgestellt, dass er für Unterrichtsbesuche und andere Veranstaltungen innerhalb von elf Tagen 846 Dienstkilometer zurückgelegt hat. Zu den Fahrten kommt seine eigentliche Arbeit hinzu: Unterrichtsbesuche, Begutachtung und Betreuung von Examensarbeiten, Vor- und Nachbereitung von Seminarveranstaltungen, Unterrichtsnach- und -vorbereitungen sowie Kommunikation mit den Referendaren und Kollegen per Mail und Telefon. Ein Problem bei der knappen Zeit ist für die Ausbilder, die ja selbst als Lehrer tätig sind, sämtliche Termine zu koordinieren. Foto: Hein

Von Christina Hein

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.