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Streit vor Gericht: Vertragskündigung per WhatsApp nicht möglich

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Von: Christina Hein

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Auf einem Smartphone wird ein Messenger-Dienst geöffnet.
Messenger-Dienste dominieren heute die digitale Kommunikation. © dpa/ Fabian Sommer

Eine Kampfsportlerin und ihr Trainer streiten sich über eine Kündigung per WhatsApp, Unisport-Kurse und einen Pokal. Das Amtsgericht Kassel entscheidet: Veträge können nicht über Messenger gekündigt werden.

Kassel – Es ist unzulässig, die Mitgliedschaft in einem Verein oder in einem Institut per Whatsapp zu kündigen. Zu diesem Urteil kam jetzt Richter Schmid in einem Prozess vor dem Amtsgericht Kassel. Zur Begründung gab der Richter an, dass die Whatsapp-Kündigung nicht der im Vertrag genannten Schriftform entspreche. So können sie nicht ordentlich ausgedruckt, abgeheftet oder einem Absender zugeordnet werden (Aktenzeichen 410 C 1583/21).

Eine erfolgreiche Kasseler Kampfsportlerin in „Brasilien Jiu Jitsu“ und „Grappling“ hatte gegen ihren Trainer und Inhaber einer Akademie für Selbstverteidigung geklagt, weil der ihr am 20. Juni 2019 fristlos gekündigt und gleichzeitig ein Hausverbot ausgesprochen hatte.

Uni Kassel hat Sportlerin als Trainerin für Frauen und queere Menschen angefragt

Dem vorausgegangen war eine vermeintliche Konkurrenzsituation: Die Universität Kassel hatte bei der Sportlerin angefragt, ob sie ein Selbstverteidigungsangebot für Frauen und queere Menschen leiten könne. Das sei neben sportlichen Aspekten auch deswegen eine nahe liegende Anfrage gewesen, „da ich mich selbst als Teil der queeren Community verstehe“, erklärte die Kampfsportlerin. Als Honorar seien ihr 320 Euro geboten worden. „Ums Geld ging es mir zu keiner Zeit“, sagte sie.

Streit um Konkurrenz

Dass ihr eigener Trainer in der Vergangenheit an der Universität Kassel Selbstverteidigungskurse für Frauen durchgeführt hatte, sei ihr zum Zeitpunkt der Anfrage nicht bewusst gewesen, gab sie vor Gericht an. Sofort habe sie ihre Bereitschaft und die Zusage, den Workshop zu leiten, zurückgezogen, als sie bemerkte, dass ihr Trainer darüber verärgert war und ihr eine Kündigung des bestehenden Vertrags per Whatsapp geschickt hat.

Auch die Universität versuchte noch, die Scherben zu kitten. Ein Mitarbeiter des Campus-Centers schrieb an den Trainer: „Ich habe eben erfahren, dass Sie ziemlich aufgebracht sind (...). Das tut mir leid. Ich möchte Ihnen noch mal sagen, dass das, was Sie hier bisher gemacht haben, eine sehr gute Arbeit war. Die Workshops haben allerdings einen Projektcharakter, und das heißt, dass sich Dinge verändern können.“ Der Uni-Mitarbeiter bestätigt, dass die Initiative nicht von der Sportlerin ausgegangen war, sondern er sie bewusst angefragt habe. Doch da war das Band zwischen Trainer und Sportlerin bereits zerschnitten.

Streit um BJJ-Pokal

Die Anfrage der Universität habe die Klägerin insofern nicht stutzig gemacht, da es für sie nachvollziehbar war, weil die Empfehlung „aus den eigenen Reihen“ kam. Sie führt seit 2017 bei Dynamo Windrad ein entsprechendes Kampfsportangebot durch.

Einen von der Klägerin errungenen BJJ-Pokal, der seinen Platz in den Räumen der Akademie gefunden hatte, wo er als Motivation für andere ausgestellt wurde, wollte ihr der Trainer nicht mehr aushändigen. Auch hier stellte Richter Schmid zugunsten der Klägerin klar: Der Beklagte wird verurteilt, den Pokal an die Klägerin herauszugeben sowie Fotos aus dem Internet zu entfernen. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die Urheberrechte der Klägerin zustehen.

Sie berichtete, wie es weiterging: Als sie den Pokal abholen wollte, wurde ihr dies von dem Inhaber der Akademie für Selbstverteidigung versagt. Nun muss wohl ein Gerichtsvollzieher eingesetzt werden, um die Auszeichnung zurückzuholen.  

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