Erste Lockdown-Lockerungen

Öffnung von Möbelhäusern, Fitnessstudios und Baumärkten: Ein bisschen Alltag im Zeitfenster

Mit Einkaufswagen: Milena Stark (links) und Pia Westermann haben bei Ikea zugeschlagen.
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Mit Einkaufswagen: Milena Stark (links) und Pia Westermann haben bei Ikea zugeschlagen.

Wer vorab keinen Termin bucht, der hat Pech. Nur mit gültigem Code dürfen Kunden in Möbelhäusern einkaufen. Auch für den Besuch eines Fitnessstudios muss eine feste Uhrzeit festgelegt werden.

Kassel – Diese Auflagen samt Hygieneregeln nehmen die Menschen gern in Kauf. Denn an diesem Montag ist es so, als ob ein bisschen Alltag zurückkehrt, wenn auch nur im Zeitfenster. Ein Überblick:

Die Möbelhauser: Nein, Charlotte Nering und Benjamin Sahlke dürfen nicht rein. Sie haben zwar einen QR-Code bekommen, aber sie sind zu früh dran. Sie müssten draußen warten, erklärt eine Mitarbeiterin am Eingang von Ikea. Kein Problem für die beiden. Sie finden es gut, dass die Läden überhaupt wieder geöffnet haben: „Manche Dinge musst du gesehen und ausprobiert haben, bevor du sie kaufst“, sagt Sahlke. Nur noch weniger Minuten, dann können sie ihre Runde durch das Möbelhaus drehen.

Die haben Milena Stark und Pia Westermann bereits hinter sich. Den Termin hätten sie entspannt kurz vorher gebucht. 90 Minuten durften sie dann stöbern. Vor allem Deko sei dabei herausgesprungen. Die Hälfte davon bräuchte sie nicht wirklich, sagt Stark: „Aber Hauptsache, man kommt mal raus.“ Ihre Freundin Pia sieht das ähnlich. Es sei sehr angenehm gewesen, durch den Laden zu schlendern, sagt Westermann: „Ehrlich gesagt, hätte ich mit mehr Kunden gerechnet.“ Freundin Milena vermutet, dass es sich in dem Geschäft gut verlaufen habe.

Nur ein paar Minuten mit dem Auto entfernt befindet sich das Möbelhaus Höffner. Dort erweckt der Parkplatz ebenfalls nicht den Eindruck, als ob Kunden massenweise den Laden stürmten. Es liefe entspannt, sagt Sven Grebe von der Verkaufsleitung. Wer einen Termin bucht, bekommt 60 Minuten Zeit zum Einkaufen. 650 Kunden könnten laut Verordnung pro Stunde im Geschäft sein, erklärt Grebe. Am Ein- und Ausgang gebe es Zählanlagen. Bis zum Mittag hätten etwa 200 Kunden eingekauft. Auch Grebe spricht von ein Stück weit Normalität. Am Handgelenk trägt er ein Bändchen als Zeichen, dass er negativ auf Corona getestet wurde: „Einmal pro Woche testen wir alle Mitarbeiter durch.“ Er sei zudem froh, dass nun alle Mitarbeiter aus der Kurzarbeit zurückgekehrt sind.

Beim Training: Bernhard Dingwerth tut im Fitnessstudio etwas für seine Gesundheit.

Das Fitnessstudio: Bernhard Dingwerth ist der Erste. „Endlich geht’s wieder los“, sagt der 66-Jährige. Er wartet, bis die Türen zum Fitnessstudio Fitness First geöffnet werden. Nach und nach trudeln weitere Hobbysportler ein. Es ist wie ein großes Wiedersehen. Man kennt sich. „Das Studio und das Training hier haben mir am meisten gefehlt“, sagt Dingwerth. Online-Kurse seien nicht vergleichbar.

Seit Anfang November blieb das Studio an der Wilhelmshöher Allee geschlossen. „Wir freuen uns, dass die Kunden hier wieder etwas für ihre Gesundheit tun können“, sagt Klubmanager Nico Reski. Wegen der Auflagen dürften zwar aktuell nur 22 Mitglieder pro Zeitfenster im Studio sein – aber das sei besser als nichts.

Natürlich herrscht Maskenpflicht, Kurse werden nicht angeboten, Duschen und Umkleiden können nicht genutzt werden, die Sauna ebenfalls nicht. Doch das stört Sportfans nicht. Zu ihnen gehört Julia Schmidt. Sie könne gar nicht beschreiben, wie froh sie über die Öffnung ist: „Sport macht glücklich“, sagt die 24 Jahre alte Studentin. Den nächsten Termin für Mittwoch hat sie bereits gebucht.

An der Information: Toom-Mitarbeiter Fabian Scherer freut sich über Kunden-Kontakt.

Der Baumarkt: Das Telefon klingelt in einer Tour. So gehe das schon seit dem frühen Morgen, sagt Toom-Mitarbeiter Fabian Scherer. Mindestens jeder zweite Anrufer wolle wissen, ob der Baumarkt tatsächlich geöffnet hat. Scherer nennt es ein schönes Gefühl, „endlich wieder mit den Kunden direkt interagieren zu können“. Wer in den Markt will, muss einen Einkaufswagen nehmen – auf 50 hat Toom die Anzahl reduziert. Immerhin: Termine müssen die Kunden nicht extra buchen.

Die automatischen Schiebetüren am Ein- und Ausgang stehen nicht lange still. Detlef Becker verlässt den Baumarkt. Batterien befinden sich in seinem Einkaufswagen, Lampen auch und Kabelkanäle. Becker berichtet, dass der Einkauf durchaus angenehm gewesen sei, weil die Gänge „überschaubar voll“ gewesen seien. In den vergangenen Wochen habe er zwar das Online-Portal genutzt. Aber vor Ort einzukaufen, „das ist wie nach Hause kommen.“

Von Robin Lipke

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