In der Stadt gibt es einen Rückgang von 26 Prozent, im Landkreis um die Hälfte

Ein-Euro-Jobs: Zahl sinkt

Detlev Ruchhöft

Kassel. Die Zahl der Ein-Euro-Jobs in Stadt und Landkreis Kassel wird in diesem Jahr deutlich reduziert. In Kassel werden voraussichtlich nur noch 1270 Frauen und Männer eine Arbeitsgelegenheit (AGH) wahrnehmen. Im Vorjahr waren es noch 1717 Teilnehmer. Das ist ein Rückgang von über 26 Prozent. Seit der Einführung von Hartz IV im Jahr 2005 bis Ende 2010 haben rund 7600 Menschen in Kassel sogenannte Ein-Euro-Jobs wahrgenommen. Die Quote der Menschen, die nach einer AGH in den ersten Arbeitsmarkt vermittelt werden, liege knapp über 15 Prozent.

Im Landkreis Kassel stehen nach Auskunft von Sprecher Harald Kühlborn 2011 noch Arbeitsgelegenheiten für rund 140 Teilnehmer zur Verfügung. Vergangenes Jahr gingen dort noch über 300 Personen einem Ein-Euro-Job nach.

Nach Angaben von Detlev Ruchhöft, Geschäftsführer des Jobcenters der Stadt Kassel, gibt es verschiedene Ursachen für den Rückgang. „Zum einem haben wir mittlerweile weniger Kunden.“ Die Zahl der langzeitarbeitslosen Menschen sei durch die Vermittlungsarbeit des Jobcenters deutlich gesunken. Gleichzeitig habe sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt entspannt. Es gebe mittlerweile auch Stellen für Menschen, die bislang nur geringe Chancen hatten.

Weniger Geld

Darüber hinaus stünden dem Jobcenter der Stadt Kassel nach derzeitigem Stand in diesem Jahr 25 bis 30 Prozent weniger Mittel im sogenannten Eingliederungsbudget zur Verfügung. Aus diesem Budget werden alle Förderangebote finanziert, sagt Ruchhöft, zum Beispiel zur Aufnahme einer Beschäftigung, Qualifizierung, AGH oder Existenzgründung. Ein-Euro-Jobber dürfen im Monat etwa 100 bis 120 Euro zu ihren Hartz-IV-Leistungen hinzuverdienen.

Im Landkreis Kassel wurden die Budgetmittel allein in diesem Jahr sogar um über 50 Prozent gekürzt.

7000 schwer vermittelbar

Die Arbeitsgelegenheiten seien aber nach wie vor sehr wichtig und müssten dauerhaft erhalten bleiben, sagt Ruchhöft. Mit der öffentlich geförderten Beschäftigung bekämen Menschen eine Chance, die nicht unmittelbar in den ersten Arbeitsmarkt vermittelt werden könnten.

In der Stadt Kassel seien das rund 7000 Personen. Es gehe darum, dass sie wieder Schlüsselqualifikationen erlernten und sich an die Arbeitswelt und den Arbeitsalltag gewöhnten. „Diese Männer und Frauen werden durch Arbeitsgelegenheiten, also gemeinnützige Arbeit, in eine feste Tagesstruktur und das Feststellen ihrer Arbeitsfähigkeit an die Anforderungen des ersten Arbeitsmarktes herangeführt. Manche haben Schulden- oder Drogenprobleme. Für sie brauchen wir dringend diese Fördermöglichkeit“, sagt Ruchhöft.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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