Genschere Crispr-Cas

Ein Experiment als Exportschlager: Kasseler Verein bringt Schul-Kit in USA auf den Markt

Heike Ziegler und Wolfgang Nellen demonstrieren im Labor der Uni Kassel das Experiment zur Genschere, bei dem weiße Bakterien blau werden.
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Wissenschaft begreiflich machen: Heike Ziegler und Wolfgang Nellen demonstrieren das Experiment zur Genschere, bei dem weiße Bakterien blau werden.

In den USA können Schüler jetzt nach Kasseler Vorbild experimentieren, oder genauer gesagt: crispern. Das hat nichts mit knuspern zu tun, sondern mit der Genschere „Crispr-Cas“. Und mit dem Verein Science Bridge an der Uni Kassel.

Kassel - Doch der Reihe nach. Vor drei Jahren hat der Verein Science Bridge an der Uni Kassel ein Experiment zur Crispr-Cas-Technik entwickelt. Mit der sogenannten Genschere kann man DNA zielgenau zerschneiden und neu zusammenbauen. Ein Werkzeug, das nicht nur in der Medizin große Chancen bietet, dessen Anwendungsbereiche aber auch in der Diskussion stehen. Die internationalen Forscherinnen, die das Verfahren erfunden haben, erhielten 2020 den Chemie-Nobelpreis.

Um das Thema auch für Laien anschaulich zu machen, haben der emeritierte Genetik-Professor Dr. Wolfgang Nellen und Dr. Heike Ziegler einen Laborkurs ausgearbeitet, bei dem die Teilnehmer aus blauen Bakterien weiße machen können. Dabei wird das für die Blaufärbung verantwortliche Gen mit der Genschere ausgeschaltet. Den Kurs bot Science Bridge vor Corona einige Male für Schulklassen aus der Region an. Auch Bundestagsabgeordnete lernten in einem Partnerlabor in Berlin die Crispr-Cas-Methode unter Kasseler Anleitung kennen. „Selbst die Pipette in der Hand zu halten und das Experiment mitzuerleben, hat einen Lerneffekt, den man mit sechs Wochen Unterricht nicht erzielen kann“, sagt Nellen. Auch Öffentlichkeits- und Ausbildungslabore aus ganz Deutschland haben nach der Veröffentlichung des wissenschaftlichen Aufsatzes zum Thema die Kasseler schon um die Materialien für das Experiment gebeten: kleine Röhrchen, in denen sich die erforderliche DNA für das Experiment befindet.

Vorigen Sommer klopfte dann die US-amerikanische Firma MiniPCR an, die neben molekularbiologischen Geräten für Schulen auch naturwissenschaftliche Experimentier-Kits herstellt. In Zusammenarbeit mit Science Bridge entstand eine Art Experimentierbaukasten mit einer vereinfachten Version des Crispr-Cas-Versuchs. Anders als in Deutschland, wo derartige genetische Experimente nur in Sicherheitslaboren erlaubt sind, ist das Crispr-Kit mit dem Titel „Knockout“ in den USA frei verkäuflich. Sicherheitsbedenken brauche man bei den enthaltenen Materialien nicht zu haben, betont Molekularbiologe Nellen. Auch ein Missbrauch der Gentechnologie sei ausgeschlossen. „Das ist kein Experiment, mit dem ich anschließend auch meinen Hamster crisprn kann.“ Zwar könne man am Beispiel der entfärbten Bakterien die Funktionsweise der Genschere verstehen. Praktisch lasse sich das aber nicht auf Pflanzen, Tiere oder gar Menschen übertragen.

Von den umgerechnet 180 Euro, die das Kit in den USA kostet, geht eine geringe Schutzgebühr nach Kassel. Der Erlös fließt in die Arbeit von Science Bridge. Reich werde man damit nicht, sagt Heike Ziegler. Darum gehe es auch nicht. „Wir sehen unsere Aufgabe in der Wissenschaftskommunikation, und dazu gehört, wissenschaftliche Experimente im wahrsten Sinne des Wortes begreifbar zu machen.“ Ziel sei, dass möglichst viele Menschen bei einem so wichtigen Thema informiert mitreden können. (Katja Rudolph)

sciencebridge.net

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