Haus der Geschichte stellt Teile aus Nachlass aus

Schreibtisch aus Walter Lübckes Büro in Kassel kommt ins Museum

Hier saß er oft: Walter Lübcke in seinem Büro am Steinweg. Der Schreibtisch und der Aufsteller mit den Fahnen von Hessen, Deutschland und Europa gingen nun an das Haus der Geschichte in Bonn. Das
+
Hier saß er oft: Walter Lübcke in seinem Büro am Steinweg. Der Schreibtisch und der Aufsteller mit den Fahnen von Hessen, Deutschland und Europa gingen nun an das Haus der Geschichte in Bonn. Das

Der erste rechtsextremistisch-motivierte Mord an einem deutschen Politiker nach dem Zweiten Weltkrieg ist ein Fall für das Haus der Geschichte in Bonn. Dort sollen eines Tages Objekte aus dem Nachlass Walter Lübckes ausgestellt werden.

Kassel/Bonn – Der Mord an Walter Lübcke hat weit über Deutschland hinaus für Schlagzeilen gesorgt. In der Nacht zum 2. Juni 2019 wurde der Kasseler Regierungspräsident auf seiner Terrasse in Wolfhagen-Istha vom Rechtsextremisten Stephan Ernst erschossen. Anfang des Jahres kam es zur Verurteilung des Täters vor dem Oberlandesgericht in Frankfurt. Er bekam eine lebenslange Freiheitsstrafe. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Nun ist das politische Wirken Lübckes und der erste rechtsextremistisch-motivierte Mord an einem deutschen Politiker nach dem Zweiten Weltkrieg ein Fall für das Haus der Geschichte in Bonn. Dort sollen eines Tages Objekte aus dem Nachlass Lübckes ausgestellt werden. Zu ihnen gehört auch dessen Schreibtisch, an dem er in seinem Büro am Steinweg stets gesessen hat.

Das Möbelstück hat das Regierungspräsidium dem Museum für Zeitgeschichte mittlerweile zur Verfügung gestellt. Der Schreibtisch befindet sich in einem Depot und zählt nun zur Sammlung, die sich mit dem Rechtsextremismus in Deutschland ausein-andersetzt. Wann er in der Dauerausstellung zu sehen sein wird, konnte Pressesprecher Peter Hoffmann noch nicht sagen.

Wegen Corona ist das Haus der Geschichte derzeit ohnehin geschlossen. Die Pandemie hat auch verhindert, dass es eine offizielle Übergabe des Schreibtisches und des Aufstellers mit den Fahnen von Hessen, Deutschland und Europa gab. Hoffmann betonte aber, wie wichtig es sei, sich solch ein Objekt zu sichern. Es passe zur Sammlungsstrategie des Hauses, das sich darum bemüht, Zeitgeschichte darzustellen.

Dazu passt der Schreibtisch, weil er mehr ist als ein Möbelstück. An ihm entstand nach Angaben des Regierungspräsidiums Kassel die Power-Point-Präsentation zu Lübckes Vortrag, den er während der Bürgerversammlung 2015 in Lohfelden hielt. Dort hatte Lübcke Pläne zur Einrichtung einer Flüchtlingsunterkunft vorgestellt. Als Unmutsäußerungen und Schmähungen von rechtsradikalen Störern aufkamen, sprach Lübcke dann auch jene Sätze, die später eine tragische Berühmtheit erlangten: „Es lohnt sich, in unserem Land zu leben. Da muss man für Werte eintreten, und wer diese Werte nicht vertritt, der kann jederzeit dieses Land verlassen, wenn er nicht einverstanden ist. Das ist die Freiheit eines jeden Deutschen.“ Fortan erwuchs Lübcke zur Hassfigur im rechtsradikalen Milieu.

Dass Lübckes Arbeitsumfeld nun dauerhaft bewahrt wird, findet dessen Nachfolger gut. Hermann-Josef Klüber: „Unzählige Male habe ich selbst mit ihm an seinem Schreibtisch gesessen und gearbeitet. Walter Lübckes aufrechte Haltung, sein Einsatz für unsere Demokratie und seine Wertschätzung gegenüber dem Grundgesetz haben mich sowie die Kolleginnen und Kollegen im Regierungspräsidium stets beeindruckt.“ Klüber unterstreicht vor allem Lübckes „unerschütterlichen Glauben an das Gute in allen Menschen“.

Klüber selbst sitzt mittlerweile in jenem Büro, in dem früher Walter Lübcke gesessen hat. Der heute 65-Jährige war lange Zeit als Regierungsvizepräsident Lübckes Stellvertreter, seit September 2019 ist er offiziell Regierungspräsident. Er blieb daraufhin noch einige Zeit in seinem alten Büro und arbeitet nun aber in jenem umgestalteten Raum, in dem früher Walter Lübcke tätig gewesen ist. (Florian Hagemann)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.