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Kasseler Schüler plant Lichtschau statt Geböller

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Von: Christina Hein

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Statt eines dezentralen herkömmlichen Silvesterfeuerwerks (im Hintergrund eine Aufnahme aus dem Jahr 2017) stellt sich Moritz Feik eine Lichtshow mit Drohnen und Laser vor.
Spektakel: Statt eines dezentralen herkömmlichen Silvesterfeuerwerks (im Hintergrund eine Aufnahme aus dem Jahr 2017) stellt sich Moritz Feik eine Lichtshow mit Drohnen und Laser vor. © Christian Hedler, Christina Hein

Ein 15-jähriger Schüler plant für Kassel eine umweltfreundliche Silvesterlichtschau und will damit Feinstaub, Müll und Kohlenstoffdioxid vermeiden.

Kassel – Ein glanzvolles Silvesterfeuerwerk – ohne Geböller, Feinstaub und Tonnen von Kohlenstoffdioxid, die ausgestoßen werden, sowie Berge von Müll, die am Boden zurückbleiben – eine Utopie? „Das ist realisierbar“, sagt Moritz Feik (15) aus dem Schülerforschungszentrum Nordhessen: „Wir haben alle technologischen Möglichkeiten, um das Silvesterspektakel klimafreundlich und besser hinzubekommen.“

Seine Idee von einer umweltfreundlichen Lichtschau ist jetzt auch in der Politik angekommen. Kürzlich beschäftigte sich die Stadtverordnetenfraktion der Grünen mit Feiks Projekt. Dabei handelt es sich nicht um ein Feuerwerk im klassischen Sinne, sondern um lichterzeugende Elemente, die zu einer choreografierten Schau zusammengesetzt werden: Drohnenschwärme sollen Leuchtbilder in den Himmel malen, daneben gibt es Strahler, dreidimensionale Veranstaltungstechnik und eine Laser-Show. „Der Eindruck eines Feuerwerks, selbst der Glitzereffekt von verbrennendem Magnesium, ist simulierbar“, sagt Feik. Dazu könnte man über das Smartphone einer Musik lauschen.

Die Grünen-Stadtverordnete Luzie Pfeil ist angetan von Feiks Plan. Sie hatte einen entsprechenden Antrag formuliert, den die Stavo im Oktober verabschiedete. Danach soll der Magistrat „alle sinnvoll umsetzbaren rechtlichen Möglichkeiten schnellstmöglich“ ausschöpfen, um privates Silvesterfeuerwerk zu reduzieren und alternative Angebote zu ermöglichen.
Aktuell kommt aus dem Rathaus lediglich die Auskunft: „Ein großes zentrales Feuerwerk wird seitens der Stadt Kassel, wie schon in den Vorjahren, nicht geplant.“

In anderen Städten wie in Mainz gibt es bereits konkrete Überlegungen für eine zentrale Lichtschau statt Böllerei. In Berlin sind Pyrotechnik-Verbotszonen vorgesehen.

Der Geschäftsführer des Deutschen Städtetages, Helmut Dedy, sagt: „Wir freuen uns, wenn mehr Menschen auf Feuerwerk verzichten. Dafür gibt es gute Gründe: weniger Lärm und Feinstaub, mehr Ruhe für Tiere und Anwohner, weniger Unfälle und weniger Müll. Vorschreiben können und wollen wir das aber nicht.“

Silvester vor zwei Jahren gab es für den Schüler der Heinrich-Schütz-Schule, Moritz Feik, den Auslöser für sein Lichtschau-Projekt. Da hatten er und sein Vater, der in der Werbebranche tätig ist, für sich entschieden, nicht mehr zu böllern. Man könne angesichts der massiven Umweltprobleme nicht mehr so weitermachen, sagt Moritz Feik: „Es muss doch möglich sein, eine Tradition wie das Silvesterfeuerwerk so anzupassen, dass das Klima nicht geschädigt wird.“ Vater und Sohn hatten sich seinerzeit vom Herkules aus das Feuerwerk angeschaut, ohne selbst zu zünden. Auf ein Lichtspektakel zur Begrüßung des neuen Jahres wollen auch die Feiks nicht verzichten, aber: Bitte nicht umweltschädlich.

Und so entwickelte Moritz Feik die Idee für eine Lichtshow, die anstelle von zig Tausenden Feuerwerkszündern in der Stadt von einem zentralen Ort aus gesteuert wird und von allen gesehen werden kann.

Die Vorteile seien zahlreich. Dazu gehöre, dass sich die Brandgefahr in der Silvesternacht in Luft auflöst, und die Notaufnahmen weniger Verletzte durch Feuerwerkskörper zu versorgen hätten. Geräuschempfindliche Menschen sowie Haus- und Wildtiere würden geschont. Vorausgesetzt das individuelle Böllern wäre untersagt. Moritz Feik hat sein Silvesterspektakel bis ins Detail durchgespielt und auch die Schwachstellen entdeckt, etwa eine Zeitverzögerung zwischen dem, was zu sehen und was übers Smartphone zu hören ist. „Da müsste man einen entsprechenden Algorithmus schreiben. „Es gibt Software, die das kann.“

Was die Show durchkreuzen könnte, sei die Witterung, etwa Nebel in der Silvesternacht. Aber der würde ja generell die Sicht auf ein Feuerwerk verhindern. „Ein klarer Himmel wäre gut“, sagt Feik. „Aber noch besser für eine brillante Sicht wäre ein die Atmosphäre reinigender leichter Regen.“

Der Strom für die Show könnte über Steckdosen und Verbindungskabel herbeigeschafft werden. Oder man müsste dezentral mit Dieselgeneratoren arbeiten. Für Skeptiker hat er bereits ausgerechnet, dass sowohl der potenzielle Energieverbrauch als auch die entstehenden Emissionen nur einen winzigen Bruchteil im Vergleich zum Silvesterfeuerwerk ausmachen.

Langfristig könnte man sich auch überlegen, ein Feld mit Solarpaneelen anzulegen. „Es gibt genug Technologien, wo eine Speicherung für einen nächtlichen Verbrauch möglich ist.“

Moritz Feik kann sich gut vorstellen, dass Orte im Stadtgebiet eingerichtet werden, mit Sitzgelegenheiten, wo sich Menschen treffen können, um sich das Silvesterspektakel anzusehen.

Was er für sein Vorhaben benötigt, so Feik, seien Investoren, die Städtischen Werke müssten als Partner gewonnen werden und außerdem sei er auf der Suche nach einer Veranstaltungsfirma, die das Projekt praktisch umsetzen kann. Aber auch da ist der Schüler schon aktiv geworden und hat sein Projekt Unternehmen in der Region vorgestellt.

Daneben ist der Kasseler Moritz Feik ein umtriebiger Jungforscher. Mit seinem Schulkameraden Jonah Sonnenburg (15) arbeitet er zurzeit an einem Jugend-forscht-Projekt zu Künstlicher Intelligenz.

Außerdem hat der Schüler einen Werkvertrag mit dem Schülerforschungsnetzwerk Deutschland, für das er digitale Lernprogramme erarbeitet.

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