Unterwegs mit einem Praxisteam

Praxistage im Kasseler Impfzentrum: Ein kurzer Piks am Wochenende

Premiere: Büsra Aydin ist zum ersten Mal als Impf-Helferin dabei.
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Premiere: Büsra Aydin ist zum ersten Mal als Impf-Helferin dabei.

In Kassel und Calden gab es am Wochenende die sogenannten Praxistage. Niedergelassene Ärzte und medizinisches Fachpersonal wurden gegen Corona geimpft. Wir haben ein Praxisteam begleitet.

Kassel – Es hat etwas von Betriebsausflug. Allerdings tummeln sich Melanie Merkus, Bettina Schütz, Petra Bode-Strehl, Ina Hait, Ecem Aligöz und Michael Rudolph nicht zum Vergnügen vor der Kasseler Aueparkhalle. Die medizinischen Fachangestellten gehören zum Team einer neurologischen Gemeinschaftspraxis. Dass sie sich nach Feierabend treffen, hat einen triftigen Grund: Die Sechs erhalten die erste Impfung gegen das Coronavirus.

Weil der Wirkstoff Astrazeneca erstens ausreichend vorhanden ist und zweitens nur an Menschen unter 65 Jahren verabreicht werden darf, hat das Land die Praxistage ausgerufen – heißt: Haus- und Zahnärzte plus Personal rutschen in die zweite Impfgruppe. Ein bisschen aufgeregt seien sie, auch erleichtert, sagt Melanie Merkus, als sich die Gruppe Richtung Eingang bewegt. Es geht los.

. Die Zettel: In der Halle helfen Schilder und Pfeile, den richtigen Weg zu finden. Dennoch wirkt das Zentrum auf den ersten Blick wie ein großes weißes Labyrinth. Aber es wird sich gekümmert. Bei der Anmeldung geht Karin Berninger mit Merkus mehrere Zettel durch. Aufklärungsblatt, Einverständniserklärung, Anamnese-Bogen, Arbeitgeber-Bescheinigung, Termin-Bestätigung. Es muss alles seine Ordnung haben. Eine Station weiter im Wartebereich fragt Petra Bode-Strehl: „Muss ich das noch ausfüllen?“ Ruckzuck eilt ein Helfer herbei.

. Das Lob: Es geht zügig voran. „Die Leute sind hier super nett“, sagt Bode-Strehl. Das Lob hört Gabriele Witzel freilich gern. Die 55-Jährige übernimmt am liebsten den Job bei der Anmeldung, wie sie sagt. Das Team unterstütze sich, arbeite gut zusammen, alle verfolgten das Ziel, mit dem Impfen schnell voranzukommen. Wegen der Praxistage seien mehr Helfer im Einsatz: „Wir versuchen, den Leuten ein sicheres Gefühl zu vermitteln, freundlich zu sein“, erklärt Witzel. Stress bringe da nichts.

Entspannt blickt Bode-Strehl auf den Monitor, um zu sehen, wann sie an der Reihe ist. Sie hat die Nummer sechs. Ihre Kollegin Ecem Aligöz wippt hingegen mit dem Fuß, reibt mit den Händen über die Oberschenkel. Melanie Merkus redet beruhigend auf sie ein: „Ich bin da. Wir gehen zusammen rein“, sagt die 34-Jährige. Sie beschreibt das Impfen als Chance, etwas zu tun – für sich und vor allem für die anderen. Dass es Astrazeneca ist, stört sie keineswegs. Ihre Chefs in der Praxis hätten sie über den Wirkstoff aufgeklärt. Jetzt sei es ihr „total egal“. Während sie das sagt, verwandelt sich die Fünf auf dem Flatscreen in eine Sechs. „Ich gehe“, ruft Bodo-Strehl und verschwindet in Richtung Impfstraßen.

. Die Straßen: In Kabine zwei der Impfstraße A sitzt Michael Rudolph und beobachtet, wie Alexandra Popovski-Stephenson die Spritze vorbereitet. Schon komisch, sagt sie, es sei ihre erste. In dem Moment reißt Rudolph die Augen auf – wie, bitte?! „Nein, keine Sorge“, sagt die medizinische Fachangestellte und schmunzelt: „Es ist das erste Mal, dass ich Astrazeneca verabreiche.“ Ach so. Ein kurzer Piks – „nichts gemerkt“, sagt Rudolph, schnappt sich Jacke und Pulli und marschiert zum Ruhebereich.

Ein Gang weiter entsorgt Büsra Aydin eine verwendete Spritze. Sie ist zum ersten Mal als Impf-Helferin dabei. Es sei eine „schöne Aufgabe“, sagt die 22-Jährige, die sonst in der Neurologie der DRK-Kliniken tätig ist. Ihre Augen verkünden ein Lächeln, als sich Kabine eins öffnet und Melanie Merkus mit Ecem Aligöz hervortritt. Geschafft.

. Der Ruhebereich: Nach und nach trudeln die Teammitglieder der neurologischen Gemeinschaftspraxis im Ruhebereich ein. „Mir geht’s gut“, sagt Bode-Strehl. Sie käme sich hier ein bisschen vor wie in einer Abflughalle im Flughafen. Die einzelnen Schalter mit den Astrazeneca-Schildern erinnern tatsächlich daran. Nur dass hier niemand mit einer Bordkarte wedelt, und außerdem müssen sich die Besucher an den Schaltern abmelden.

Bode-Strehl ist froh über das Impfangebot. Sie möchte kein Corona haben. Und es geht ihr um die Versorgung der Patienten: „Wir haben alle direkten Kontakt. Gut, dass wir bald komplett geschützt sind und damit andere schützen.“ Die sechs Kollegen haben es überstanden. Jetzt ist wirklich Feierabend.

. Der Sonntag: „Für die Praxistage haben wir die Zahl der Helfer und Impfstraßen erhöht“, erklärt Torsten Müller, Ärztlicher Leiter des Impfzentrums. Am Sonntag bildet sich zwischenzeitlich dennoch eine Schlange. Kurzerhand dient ein Van als zweiter Einlass. Dort melden sich Ärzte und Praxispersonal an, den üblichen Eingang benutzt die Impfgruppe eins. Mitarbeiter der Sicherheitsfirma Protex achten auf Abstände. Friedlich warten die Impflinge in der Sonne.

Eine Protex-Mitarbeiterin erklärt, dass die Termine für die Impfaktion an die Praxen als Ganzes vergeben wurden. Wie viele Mitarbeiter genau kommen würden, sei in der Kürze nicht zu ermitteln gewesen. Deshalb komme es in der Halle hier und da zu Verzögerungen – und draußen zu einer Schlange.

Von Robin Lipke

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