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Zeitumstellung ist wie ein Mini-Jetlag für den Körper

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Von: Alina Andraczek

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Ein Mann schläft.
Eine Stunde zu wenig Schlaf: Die Zeitumstellung kann auch körperliche Beschwerden verursachen. ©  Christin Klose/dpa

Müdigkeit, Bauchschmerzen, Abgeschlagenheit: Die Zeitumstellung kann zu körperlichen Beschwerden führen, sagen Kasseler Mediziner. Was dagegen hilft.

„Aus Sicht des Schlafmediziners ist die Zeitumstellung der größte Blödsinn“, sagt Prof. Dr. Martin Konermann, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin am Marienkrankenhaus Kassel. An vielen ginge die Umstellung spurlos vorbei. „Aber etwa 25 bis 30 Prozent haben Probleme damit.“

Prof. Dr. Martin Konermann
Prof. Dr. Martin Konermann, Marienkrankenhaus Kassel © Axel Sauerwein

Die verlorene Stunde könne zu Schlafproblemen, Müdigkeit am Tag und Konzentrationsproblemen führen, weiß auch Prof. Dr. Klaus Westphal, Ärztlicher Direktor in den Helios Kliniken Kassel: „Unser Schlafrhythmus wird durch unsere innere Uhr gesteuert, die jetzt gehörig durcheinandergebracht wird. Das kann sich wie ein Mini-Jetlag anfühlen.“

Innerer Rhythmus gerät aus dem Takt

Hauptverantwortlich seien die Hormone, denn die steuern Wachheit, Wohlbefinden und Schlafbereitschaft, erklärt der Anästhesist. Zahlreiche Körperfunktionen, wie etwa der Blutdruck, die Pulsfrequenz oder auch die Körpertemperatur folgten außerdem dem eigenen inneren Rhythmus, der dann durcheinandergerate.

Jetlag wirkt ähnlich

Wie Konermann erklärt, sorgt aus ebendiesen Gründen auch der bekannte Jetlag für körperliche Probleme. „Man kann pro Tag ungefähr drei bis vier Stunden kompensieren“, sagt er. „Wenn man aber von Los Angeles nach Frankfurt fliegt, braucht man vier bis fünf Tage, bis man wieder fit ist.“ Bei einer Stunde seien die Auswirkungen nicht so intensiv, bei empfindlichen Menschen aber dennoch für bis zu zwei Wochen bemerkbar.

Prof. Dr. Klaus Westphal, Helios Kliniken Kassel
Prof. Dr. Klaus Westphal, Helios Kliniken Kassel © Helios

Störungen der „inneren Uhr“ können zu Schlafstörungen, depressiven Verstimmungen, Schwankungen der Herzfrequenz, Konzentrationsschwäche, Gereiztheit, Appetitlosigkeit oder Verdauungsproblemen führen.

Um dem vorzubeugen, empfehlen die Mediziner, am Vortag frühzeitig zu Bett zu gehen. Dabei können Entspannungstechniken, heiße Milch mit Honig oder ein entspannendes Buch helfen.

Entspannungsübungen, gesundes Essen und Tageslicht können helfen

Wenn doch Schlafprobleme auftreten, sollte man mit Entspannungsübungen, gesundem Essen und dem Verzicht auf Alkohol entgegenwirken. „Wenn man abends viel Alkohol trinkt, stört das die Schlafqualität empfindlich“, erklärt Konermann. Wichtig sei, den Schlaf richtig nachzuholen.

Genauso kann ein Mittagsschlaf helfen. Und Tageslicht hilft dem Körper bei der Zeitumstellung. So hat die Sommerzeit laut Westphal auch etwas Gutes: „Licht ist wie ein Medikament zu deuten - es hat eine antidepressive und aktivierende Wirkung.“  

Von Alina Andraczek

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