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Skilift schleppt bald Mountainbikes den Berg hoch: Trail-Park entsteht am Hohen Gras

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Von: Bastian Ludwig

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Vor zehn Jahren gab es die ersten Überlegungen, nun ist das Ziel fast erreicht: Am Hohen Gras bei Kassel haben die Bauarbeiten für ein Mountainbike-Streckennetz begonnen.

Kassel - Fünf Strecken für verschiedene Ansprüche und mit abgestuften Schwierigkeitsgraden werden bis Mai 2023 geschaffen, um insbesondere das illegale Fahren in sensiblen Waldbereichen zu unterbinden. Betreiber der Anlage ist der Naturpark Habichtswald. Um die Mountainbiker wieder zum Startpunkt am Hohen Gras zu bringen, wird auch der Skilift genutzt, der für diesen Zweck von einem neuen Betreiber gekauft wurde.

Bereits vor sieben Jahren gab es einen Anlauf, ein solches Angebot für Mountainbiker auf den Weg zu bringen. Damals wollte der PSV Grün-Weiß Kassel eine Downhill-Strecke bauen. Wegen Einschränkungen der Unteren Naturschutzbehörde war das Projekt gescheitert.

Mit einem neuen Konzept geht der Naturpark Habichtswald an den Start. Er setzt auf eine Kooperation mit Hessen-Forst als Waldeigentümer und MTB-Experte Patric Dreher, der im Harz bereits einen ähnlichen Park betreibt. Dreher hat den Lift inklusive Pistenbully und Schneekanone von der Familie Bröffel gekauft. Er hat sich verpflichtet, den Lift auch weiter im Winter für Skifahrer zu betreiben. Der Lift hat Tüv, aber noch steht eine Betriebserlaubnis vom Regierungspräsidium aus. Erst wenn diese vorliege und die Witterung es zulasse, könne mit dem Liftbetrieb für die Skifahrer begonnen werden, so Dreher. Er hofft, dass dies bereits in dieser Saison gelingt.

Hohes Gras bei Kassel: Trail-Park kann jeden Tag kostenlos genutzt werden

Im Frühjahr sollen die Mountainbiker starten. Der Lift läuft für sie am Wochenende und an einem Tag unter der Woche. Der Trail-Park kann aber unabhängig davon jeden Tag kostenfrei genutzt werden. Nicht alle Strecken enden an der Talstation des Liftes. Eine führt zum Parkplatz Ziegenkopf. Der neue Mountainbike-Trailpark kostet 170 000 Euro. 60 000 Euro trägt die Stadt Kassel, 40 000 der Kreis Kassel und 18 000 Euro der Schwalm-Eder-Kreis. Bis zu 50 000 Euro werden vom Land Hessen erwartet.

Hessen-Forst hat sein Einverständnis zunächst für fünf Jahre gegeben. „Für uns ist das ein Naturschutzprojekt. Wir hoffen, dass die Szene das Angebot annimmt und keine weiteren illegalen Strecken in den besonders sensiblen Bereichen an den Hängen zur Stadt Kassel anlegt“, sagt Matthias Schnücker von Hessen-Forst.

Zunächst wird sich das Netz aus fünf Strecken für Mountainbiker (Trails) auf insgesamt 3,5 Kilometer beschränken. Es werde aber eine hohe Attraktivät geboten, so MTB-Experte Patric Dreher, der die Strecken auch baut. In einer zweiten Ausbaustufe – so die Planung – sollen einige Strecken bis zur Endhaltestelle Druseltal erweitert werden. Gespräche mit der KVG über einen Bus-Shuttleverkehr mit Fahrradanhäger vom Druseltal zum Hohen Gras sollen noch geführt werden.

Gemeinsam engagiert für den MTB-Trailpark: Im Vordergrund sind mit Rädern von links Thorsten Juraschka, Vorsitzender der Deutschen Initiative Mountainbike (Dimb) zu sehen, daneben Konrad Renkenberger, im Vordergrund Matthis Riechmann und rechts Aurel Zummersch.
Gemeinsam engagiert für den MTB-Trailpark: Im Vordergrund sind mit Rädern von links Thorsten Juraschka, Vorsitzender der Deutschen Initiative Mountainbike (Dimb) zu sehen, daneben Konrad Renkenberger, im Vordergrund Matthis Riechmann und rechts Aurel Zummersch. © Bastian Ludwig

Trail-Park am Hohen Gras bei Kassel ist ein Naturschutzprojekt

Kassel – Es klingt erst mal merkwürdig: Ein Mountainbike-Park soll dem Naturschutz im Habichtswald dienen. Doch genau so ist es. Denn bislang sorgten viele Mountainbiker dafür, dass Tier- und Pflanzenwelt im Wald gestört und geschädigt würden, so Matthias Schnücker von Hessen-Forst. Um die illegalen Sportaktivitäten zu unterbinden, unterstütze Hessen-Forst die Schaffung eines attraktiven und legalen Angebots. Es sei das erste Projekt dieser Art in einem Staatswald.

Schnücker macht klar, dass der Rückenwind von Hessen-Forst nur so lange anhält, wie die Mountainbiker auch das neue Angebot annehmen würden. „Das ist erst mal ein Versuch auf fünf Jahre. Wir werden in dieser Zeit genau beobachten, was sich auf den illegalen Strecken tut“, sagt der Forstwirt. Wenn die Belastung in den sensiblen Bereichen nicht merklich nachlasse, werde das Projekt wieder beendet. Ziel sei es, die Aktivitäten der Mountainbiker von den besonders schützenswerten Hängen im Bereich des Bergparkes und zur Stadt Kassel hin umzulenken.

MTB-Trail-Park
Diese Strecken entstehen: Ein Plan mit allen Trails am Hohen Gras © HNA

Damit der legale Mountainbike-Park ein Erfolg wird, hat Patric Dreher viel Zeit und Herzblut investiert. Aktuell ist er mit Baggern am Hohen Gras unterwegs, um die Strecken anzulegen. Die Arbeiten werden naturschutzfachlich begleitet. Im Winter werden die Arbeiten pausieren. Dreher hat bereits im Oberharz den Racepark Schulenberg geschaffen und betreibt diesen. Am Hohen Gras sollen ab Mai fünf Trails zur Verfügung stehen. Darunter sind ein leichter und ein schwerer Singletrail. Singletrails sind schmale „Pfade“, auf denen nicht nebeneinander gefahren werden kann. Zudem gibt es eine Downhill-Strecke und eine Jumpline, auf der Sprünge möglich sind. Hinzu kommt ein 1,8 Kilometer langer Flowtrail, der auch für Anfänger geeignet ist.

Kassel: Naturpark investiert jährlich 40.000 Euro in den Trail-Park

Vier der Strecken enden am Einstieg zum Lift. Teilweise münden diese unterwegs ineinander. Eine weitere führt in Richtung Parkplatz Ziegenkopf.

Die Tarife für die Liftbenutzung stehen noch nicht fest. Die Radfahrer befestigen den Ankerlift an der Sattelstütze und lassen sich so – auf dem Fahrrad sitzend – den Berg hochziehen. Patric Dreher plant aber bereits, bald auf ein komfortableres System für Radfahrer (Easy-Loop) umzurüsten. Neben dem Wochenende soll der Lift auch an einem Wochentag laufen, der aber noch nicht festgelegt ist.

Jürgen Depenbrock, Geschäftsführer des Zweckverbandes Naturpark Habichtswald, freut sich, dass das Projekt trotz aller Hindernisse nun realisiert werden kann. Hessen-Forst, Umwelt- und Gartenamt, Sportamt und die örtliche Mountainbiker-Gemeinschaft hätten letztlich an einem Strang gezogen. 40 000 Euro werde der Naturpark jährlich investieren, um den Trailpark zu pflegen und zu unterhalten.

Sportdezernent Dirk Stochla (SPD) verweist auf die Auflage für den Liftbetreiber, dass der Lift auch weiter dem Skibetrieb dienen müsse. Stadtbaurat und Umweltdezernent Christoph Nolda (Grüne), der zudem im Vorstand des Zweckverbandes Naturpark Habichtswald sitzt, spricht vom „aufwendigsten Projekt in der Naturparkgeschichte“. Wenn es gut laufe, könne es in den nächsten Jahren ausgebaut werden. (Bastian Ludwig)

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