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OB-Wahl in Kassel: Linken-Kandidatin will radikal sozial sein

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Von: Matthias Lohr

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Kalt war es gestern vor dem Rathaus: Dafür schenkte die Linken-Oberbürgermeisterkandidatin Violetta Bock zum Wahlkampfauftakt heißen Kaffee aus.
Kalt war es gestern vor dem Rathaus: Dafür schenkte die Linken-Oberbürgermeisterkandidatin Violetta Bock zum Wahlkampfauftakt heißen Kaffee aus. © Dieter Schachtschneider

Die Oberbürgermeisterkandidatin der Linken, Violetta Bock, will im Wahlkampf mit dem Motto „radikal sozial“ punkten. Zum Auftakt wurden Unterschriften für ein 0-Euro-Ticket gesammelt.

Kassel – Für eine Radikale strahlt Violetta Bock an diesem kalten Januarnachmittag viel Wärme aus. Die Oberbürgermeisterkandidatin der Kasseler Linken hat zu ihrem offiziellen Wahlkampfauftakt vor dem Kasseler Rathaus geladen. Auf Plakaten prangt das Motto ihrer Kampagne: „Radikal sozial.“

PR-Agenturen hätten ihr den Slogan wohl sofort ausgeredet, denn das Wort „radikal“ schreckt viele Wähler erfahrungsgemäß ab. Die Linken haben sich nach langer Diskussion trotzdem dafür entschieden. „Radikal ist die Antwort, die wir jetzt brauchen“, sagt Bock. Bei ihren Schwerpunktthemen Klimagerechtigkeit und Soziales gehe es darum, radikal an die Wurzeln zu gehen.

Zwei Stunden lang schenkt sie mit ihren Mitstreitern „heißen Kaffee gegen die soziale Kälte“ aus, während der Wind unangenehm weht. Auch ein roter Teppich wird symbolisch ausgerollt. Er ist nicht für Promis gedacht, sondern für alle Kasseler. „Very important persons sind die Einwohner der Stadt“, sagt Bock. Sie meint es ernst mit dem „radikal sozial“.

Die gebürtige Passauerin kam einst wegen ihrer Masterarbeit im Fach „Global Political Economy“ nach Kassel. Seit 2016 hat sie sich im Stadtparlament einen Namen als rhetorisch versierte Rednerin gemacht. 2018 trat sie als Direktkandidatin zur Landtagswahl an. Nun will die Mitarbeiterin im Linken-Fraktionsbüro Oberbürgermeisterin werden. Wie die anderen Kandidaten legt sie sich ins Zeug. Eine Wahl im März bedeutet Wahlkampf im Winter. Im Dezember stand Bock mit ihren Genossen bei minus zehn Grad auf der Straße. So viel heißen Kaffee kann man gar nicht trinken, dass einem warm wird.

Viele Menschen lockte sie vor dem Rathaus nicht an. Interessierte konnten Fotos machen, indem sie ihren Kopf durch einen Rahmen steckten, auf dem stand: „Vio wählen, weil wir Bock auf ... in Kassel haben.“ An die Stelle mit den Pünktchen konnten sie Zettel mit Begriffen halten wie Gerechtigkeit.

Aus Südhessen war eigens die Landesvorsitzende Christiane Böhm angereist. Die Landtagsabgeordnete ist sich sicher, dass Bock bei der Wahl am 12. März gut abschneidet: „Der Kasseler Erfolg wird uns für die Landtagswahl beflügeln.“ Bundesweit können die Linken, die durch interne Streitigkeiten und schlechte Umfragewerte gebeutelt sind, jeden Erfolg gebrauchen.

In Kassel kam die Linke bei der Kommunalwahl 2021 immerhin auf 11,2 Prozent. Die ehemalige Bundestagsabgeordnete und Kasseler Fraktionsvorsitzende Sabine Leidig traut ihrer Kollegin daher „auf jeden Fall die Stichwahl“ zu.

Bock sagte gestern auch Sätze wie: „An allen Problemen ist der Kapitalismus schuld.“ Das klingt kaum mehrheitsfähig. Zugleich startete die Linke gestern eine Unterschriftenkampagne für ein 0-Euro-Ticket. Transferempfänger sollen kostenlos Bus und Bahn nutzen können. Auch das ist radikal sozial.

Grazer KPÖ als Vorbild

Auf ihrer Internetseite geht es weniger um Violetta Bock selbst als um ihre Inhalte wie eine soziale und klimagerechte Stadt. Zudem finden sich auf violetta-bock.de Termine wie die Linken-Veranstaltung am 4. Februar im Café Buch-Oase. Dort will Bock mit zwei Kommunalpolitikern der österreichischen KPÖ erklären, wie die Kommunistin Elke Kahrs 2021 sensationell Bürgermeisterin in Graz werden konnte. (Matthias Lohr)

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