Schulamtsleiterin kritisiert Debatte

Streit um Corona in Schulen: In Kassel gibt es keine mobilen Luftfilter

Fluch oder Segen? Mobile Luftfilter wie hier an einer Schule im bayerischen Neubiberg sind umstritten.
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Fluch oder Segen? Mobile Luftfilter wie hier an einer Schule im bayerischen Neubiberg sind umstritten.

Viele Eltern hatten gehofft, dass es auch in Kassel mobile Luftfilter gibt, die vor Corona schützen. Doch die Dezernentin ist dagegen. Auch die Schulamtsleiterin konnte sie nicht umstimmen.

In den Kasseler Schulen soll es weiterhin keine mobilen Luftfilter geben, von denen sich viele Eltern einen Schutz vor Corona für ihre Kinder erhoffen. Einen entsprechenden Antrag der Linken, der von der CDU mitgetragen wurde, lehnte die Koalition aus Grünen und SPD am Montagabend im Stadtparlament ab. Auch die beiden Stadtverordneten der Freien Wähler und einer der AfD waren gegen die Anschaffung.

Vorangegangen war eine hitzige Debatte, in deren Mittelpunkt die Schuldezernentin Ulrike Gote (Grüne) und die Schulamtsleiterin Annette Knieling standen. Die Lehrerin sitzt für die CDU im Stadtparlament und hatte für die Anschaffung der Geräte geworben: „Sie tragen nachweislich zum Infektionsschutz bei, wo viele Leute auf engen Räumen zusammenkommen.“ Dabei verwies Knieling unter anderem auf den Landkreis Kassel, der für 1,7 Millionen Euro 567 mobile Luftfilter anschafft.

Für Dezernentin Gote hingegen sind mobile Luftfilter problematisch. Darum habe man über 140 dezentrale Lüftungsanlagen eingebaut, die „state of the art“ seien. Zusätzliche mobile Geräte würden vom Umweltbundesamt nur empfohlen, wenn Räume nicht gelüftet werden könnten. Solche Klassenräume gebe es in Kassel nicht. „Lüften ist und bleibt die sinnvollste Maßnahme. Ich kann nichts dafür, dass das kein Geld kostet“, sagte Gote.

Die Grünen-Stadtverordnete Katharina Griesel erklärte, es gebe keine Studie, „in der dargestellt wird, ob sich das tatsächliche Infektionsgeschehen in Schulen mit und ohne mobile Luftfilter überhaupt unterscheidet“. Linken-Fraktionschef Lutz Getzschmann fragte sich, wieso dann aber mobile Luftfilter für Ministerien und Verwaltungsgebäude angeschafft wurden.

Im Landkreis hat man mit mobilen Luftfiltern gute Erfahrungen gemacht, wie Sprecher Harald Kühlborn auf Anfrage mitteilt. Lehrer berichteten etwa von einer besseren Luftqualität. Allerdings habe man die Entscheidung getroffen, ohne umfassende wissenschaftliche Studien abzuwarten: „Es ging darum, Eltern und Lehrern zu zeigen: Wir tun etwas und gestalten den Unterricht erträglicher.“ Für die ablehnende Haltung der Stadt hat Kühlborn Verständnis.

Als Annette Knieling am Montag um 21 Uhr in der Sitzung des Stadtparlaments zum zweiten Mal ans Mikro geht, erwarten viele ein Duell. Die Schulamtsleiterin, die seit der Kommunalwahl auch CDU-Stadtverordnete ist, hat für die Anschaffung von mobilen Luftfiltern geworben, um den Schutz vor Corona an Schulen zu erhöhen. Doch Schuldezernentin Ulrike Gote (Grüne) ist nicht erst seit diesem Abend dagegen.

Am Mikro erklärt Knieling, dass „der Showdown“ zwischen ihr und der Dezernentin, den alle erwarten würden, nicht komme. Und dann sagt sie einen Satz, der sich doch sehr gut für einen Showdown eignet. Die Christdemokratin kritisiert, dass in der Debatte „teilweise in sehr belehrender Art und Weise Argumente vom Tisch gefegt“ worden seien, „die nicht einmal angehört wurden“. Zuvor hatte die SPD-Stadtverordnete Anke Bergmann sinngemäß gesagt, dass die Lehrerin und Amtsleiterin Knieling doch eigentlich besser wissen müsste, wie das Verfahren der Stadt mit Luftfiltern in Schulen ist.

Dass die Stadtverordneten in der letzten Sitzung des Jahres beim Thema mobile Luftfilter uneinig waren, überraschte nicht. Selbst Fachleute sind ja oft unterschiedlicher Meinung. Es war auch zu erwarten, dass der Antrag der Linken abgelehnt wurde, die Geräte anzuschaffen. Doch es gab dann noch mehr Unstimmigkeiten an diesem Abend.

So kritisierte Knieling, im Rathaus habe man „offenbar ohne Beteiligung der ausgewählten Schulen entschieden, dass rund 120 Räume mit stationären Anlagen ausgerüstet werden sollen“. Dem widersprach Baudezernent Christof Nolda (Grüne): Eine Abstimmung habe sehr wohl stattgefunden. Knieling indes blieb bei ihrer Meinung. So habe sie an der Valentin-Traut-Schule nur zufällig davon erfahren.

Einig waren sich alle immerhin, dass sie nur das Beste wollten. Und Gote, die nächste Woche Senatorin in Berlin werden soll, versicherte in ihrer letzten Stadtverordnetensitzung: „Ich verstehe sehr gut, dass Eltern verunsichert sind.“ Im Rathaus sei man aber „nicht technikfeindlich“, wie manche Kritiker meinten, „sondern kenntnisreich“.

Einer, der Streitthemen sonst gern zur Chefsache macht, blieb bei dem Tagesordnungspunkt übrigens still: Zu Luftfiltern sagte Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD) kein Wort.  mal

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