Jede WC-Nutzung kostet im Schnitt acht Euro

Ein "Stilles Örtchen" ist teuer: Gang auf Toilette kostet Stadt Kassel bis zu 25 Euro

Kassel. Ihre Zahl im Stadtgebiet ist überschaubar, hingegen sind ihre Kosten für die Stadt hoch: Eine Summe von 262.600 Euro musste im vergangenen Jahr für die elf öffentlichen Toilettenanlagen der Stadt Kassel aufgebracht werden.

Im Schnitt fällt laut Statistik für jede WC-Nutzung ein städtischer Kostenbetrag von acht Euro an. Die Kosten pro Toilettengang errechnen sich nach Anzahl der Nutzer und sind daher für die einzelnen Anlagen sehr unterschiedlich: Sie reichen von unter fünf Euro bei der meistgenutzten Anlage am Ottoneum/Staatstheater (rund 8000 Nutzer pro Jahr) bis zu mehr als 25 Euro am Standort Buga-Parkplatz 3 (keine 1000 Nutzer pro Jahr).

Von den elf öffentlichen Toilettenanlagen der Stadt sind sechs ganzjährig und fünf saisonal (von Mai bis September) geöffnet. Acht entgeltpflichtige (50 Cent pro Nutzung) und barrierefreie Anlagen seien 2007 eingerichtet worden. Drei weitere kostenfreie habe es früher schon gegeben, berichtete Stadtbaurat Christof Nolda (Grüne) im Stadtentwicklungsausschuss.

Den Anlass für den Überblick zu Zustand, Pflege, Kosten und Verteilung der städtischen WC-Anlagen gab ein Stadtverordnetenbeschluss. Weil der 2007 abgeschlossene Leasingvertrag 2016 ausgelaufen ist, hat die Stadt für 2017 und Folgejahre eine neue Kostenrechnung erstellt. Danach geht sie künftig von knapp 184 000 Euro an jährlichen Kosten für die Anlagen aus. 20 000 Euro wurden für die Beseitigung von Vandalismusschäden vorgesehen, die früher von der Betreiberfirma beseitigt worden waren. Ob diese Summe ausreiche, bleibe abzuwarten, sagte ein Mitarbeiter der Bauverwaltung.

Zum auch von Ortsbeiräten geäußerten Wunsch nach weiteren WC-Anlagen (etwa Nordstadt und Harleshausen) erklärte Nolda, dies sei eine politische Entscheidung. Für eine neue Anlage sei mit 120.000 Euro Investitionskosten zu rechnen. 

Ein „Stilles Örtchen“ ist teuer

Kassel. Ob für den Nordstadtpark, für die Straßenbahn-Endstation im Druseltal oder für den Harleshäuser Ortskern: In Kassel gibt es so einige Bereiche, für die sich Bewohner, Besucher und Ortsbeiräte bereits die Einrichtung einer öffentlichen Toilettenanlage der Stadt gewünscht haben. Nach dem am Dienstabend im Stadtentwicklungsausschuss vorgelegten Bericht über den erheblichen Aufwand, den bereits die elf bisherigen Anlagen für die Stadt bedeuten, wurden von den Fraktionen aber keinerlei Wünsche geäußert oder gar Anträge für weitere neue Anlagen gestellt.

Kosten in Höhe von 262 600 Euro sind der Stadt Kassel im Jahr 2016 für die elf bisherigen Anlagen entstanden. Drei davon sind für die Nutzer kostenfrei, bei den anderen acht Anlagen sind jeweils 50 Cent pro Toilettengang zu zahlen. Klar ist: Der Wunsch nach weiteren WC-Anlagen würde die Stadt teuer kommen. Denn nach Angaben des Bauverwaltungsamtes ist pro Anlage allein mit Investitionskosten von rund 120 000 Euro zu rechnen. Natürlich seien die Kosten abhängig von der Größe und Ausstattung, betonte Stadtbaurat Christof Nolda (Grüne). Hinzu kommen die Kosten für die Pflege und Wartung, die im vergangenen Jahr rund 164 000 Euro ausmachten.

Stadtbaurat Nolda räumte im Ausschuss ein, dass die öffentlichen WC-Anlagen der Stadt im Stadtgebiet ungleich verteilt sind (siehe Grafik). Die bisherigen elf Anlagen befinden sich vorwiegend in der Innenstadt und in Grünanlagen wie Fuldaaue/Bugasee und der Goetheanlage.

Vielerorts kein Angebot

WC-Anlagen etwas außerhalb finden sich an der Straßenbahn-Wendeschleife an der Ihringshäuser Straße, Hegelsberg und am Leipziger Platz. In vielen anderen Stadtteilen und in weiten Bereichen des Stadtgebiets gibt es gar keine öffentlichen Toiletten. Zumindest keine, die von der Stadt angeboten werden.

Während in den Stadtteilen die Suche eher schwierig ist, gibt es in der Innenstadt Alternativen: Unter anderem in Bahnhöfen, Kaufhäusern und Gastronomiebetrieben besteht die Möglichkeit, eine Toilette aufzusuchen. Meist gegen Entgelt, aber 50 Cent kostet auch die Nutzung der meisten städtischen Anlagen.

Als „eine nicht ganz unerhebliche und wichtige Infrastruktur“ bezeichnete Nolda die elf öffentlichen Toilettenanlagen in Regie der Stadt. Derzeit gebe es keine Pläne, dieses städtische Angebot auszubauen, betonte der Stadtbaurat auf Anfrage des SPD-Stadtverordneten Patrick Hartmann. Wenn die Einrichtung einer neuen Toilettenanlage in Kassel gewünscht werde, dann müsse darüber eine politische Entscheidung getroffen werden.

Da die Kosten die Einnahmen ohnehin deutlich übersteigen, wollte Eva Koch (Grüne) wissen, ob man die WC-Nutzung nicht generell kostenfrei anbieten sollte. Dazu erklärte Nolda, das Nutzerentgelt von 50 Cent stelle „eine Art Schutzgebühr“ dar, die den Einlass regele – und die andere Personen aus den Anlagen heraushalte.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.