Er fiebert auch für England mit

Ein unterhaltsamer Waliser: Ex-Baunataler Wayne Thomas über die EM und England

Wayne Thomas.
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Gibt auch hier eine gute Figur ab: Wayne Thomas während der Kicker-EM unserer Zeitung 2020.

Wayne Thomas fragt sich derzeit, ob er wohl der einzige Waliser in ganz Deutschland ist. „Mich rufen Zeitungen und Portale an, mit denen ich noch nie etwas zu tun hatte. Der Sportbuzzer, die 11 Freunde. Das Telefon klingelt dauerhaft“, erzählt er.

Kassel – Der einzige Waliser in ganz Deutschland ist der 62-Jährige sicherlich nicht. Aber bestimmt einer der unterhaltsamsten. Ein Telefonat mit dem ehemaligen Mittelfeldspieler des KSV Baunatal, der mit dem KFC Uerdingen 1985 den DFB-Pokal im Endspiel gegen die großen Bayern gewann und mit Hannover 96 1987 in die Bundesliga aufstieg, ist niemals langweilig. Und es nimmt mit der Zeit so richtig Fahrt auf.

Thomas, der in Kirchheim lebt, erzählt dann von seiner Arbeit für eine Hausverwaltung, dass er dauerhaft am Telefon sei, weil irgendwo immer der Wasserhahn tropfe oder es andere Beschwerden gebe. „Und dann noch die ganzen Journalisten“, sagt er und lacht. Die Journalisten melden sich aber vor allem, wenn ein großes Fußball-Turnier ansteht. EM oder WM. Und natürlich wenn Wales dabei ist.

Wobei: nicht nur Wales. Denn Thomas wurde in Coventry in England geboren, sein Vater ist aber Waliser. Die Großeltern waren wegen der Arbeit nach England übergesiedelt. In seiner Brust schlagen zwei Herzen. Eines ist weiß mit einem roten Kreuz in der Mitte. Das andere ist grün und weiß und wird von einem Drachen beschützt. Auch deswegen sagt der 62-Jährige, der auf dem Fußballplatz für seine resolute Zweikampfführung bekannt war: „Sollten beide Mannschaften bei der EM aufeinandertreffen, wäre ich nicht böse, wenn es ein Unentschieden wird.“ Blöd nur, dass es das Duell England gegen Wales erst in der K.o-Runde geben könnte. Unentschieden ausgeschlossen.

Zwar legten beide Länder einen guten Start hin, Wales spielte 1:1 gegen die Schweiz, England siegte 1:0 gegen Kroatien, so richtig zufrieden war Thomas aber dennoch nicht: „Von den Walisern war das bescheiden, sehr, sehr dünn. Sie hatten Glück, dass die Schweizer vor dem Tor versagt haben.“ Und: „Die Engländer waren gegen Kroatien überlegen, nach dem Tor haben sie sich aber zurückgezogen. Das war ein Riesenfehler.“ Die EM verfolgt Thomas, wann immer er kann. Und wenn er nicht kann, dann schaut er die Spiele nach. Während des Telefonats schildert er ein Tor, das etwa anderthalb Stunden vorher gefallen ist – klar, er macht es unterhaltsamer als der Kommentator im Fernsehen.

Der 62-Jährige erwartet seine Waliser dieses Mal zwar nicht so erfolgreich wie vor fünf Jahren, als sie in Frankreich bis ins Halbfinale vorstießen. Er fordert aber: „Heute gegen die Türkei müssen drei Punkte her.“ England könne dagegen mindestens das Halbfinale erreichen. „Heimvorteil, immer englisches Wetter und dauerhaft Fish and Chips – was willst du mehr? Da gibt es keine Ausreden“, sagt Thomas. Und überhaupt: Sein Kühlschrank sei immer voll, die Tür stehe für alle offen. Es dauert, bis das Telefonat sein Ende findet. Was soll’s. Unterhaltsam war es. (Maximilian Bülau)

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