Haftbefehl gegen früheren MEG-Chef existiert aber nach wie vor

Ein Verfahren gegen Mehmet Göker eingestellt

Hier will er nicht mehr sitzen: Dieses Foto entstand vor zehn Jahren, als sich Mehmet Göker auf der Anklagebank des Kasseler Amtsgerichts verantworten musste. Foto:Uwe Zucchi/dpa

Gegen Mehmet Göker (41), den früheren Chef des Versicherungsvermittlers MEG, ist ein Verfahren wegen „Vereitelung der Zwangsvollstreckung“ jetzt vor dem Kasseler Landgericht eingestellt worden.

Wegen Verjährung, erklärt Prof. Michael Nagel, der Anwalt Gökers, auf Anfrage. Allerdings gibt es noch ein weiteres Verfahren gegen Göker, wegen Verrats von Geschäftsgeheimnissen. Dieses wird wohl spätestens im Frühjahr 2021 verjähren. Dann wäre der Haftbefehl, der laut Robert Winter, Sprecher des Landgerichts, nach wie vor gegen Göker existiert, hinfällig. Dann könnte er wieder nach Deutschland einreisen, ohne sich vor der Justiz verantworten zu müssen.

Nach dem Zusammenbruch seines Unternehmens im Jahr 2009 war Göker, der in Kassel geboren wurde und einen türkischen Pass besitzt, in die Türkei geflohen. Dort lebt er seitdem und ist vor einer Auslieferung nach Deutschland sicher. Die Türkei hat kein Auslieferungsabkommen mit Deutschland.

In dem Verfahren, das jetzt per Beschluss von der Dritten Strafkammer des Landgerichts eingestellt worden ist, ging es um zwölf Ferienhäuser, die Göker in der Türkei hatte bauen lassen. Nach der Pleite seiner Firma hatte Göker im September 2009 anerkannt, der MEG einen Betrag von 3,4 Millionen Euro zu schulden. Der Kasseler Insolvenzverwalter Dr. Fritz Westhelle versuchte damals, an Gökers Vermögen im Interesse der Gläubiger zu kommen. Dazu sollten auch Gökers Ferienhäuser in der Türkei dienen, die einen Wert von 1,1 Millionen Euro darstellten.

Doch diese Häuser wollte Göker offensichtlich nicht herausrücken. Dem Vernehmen nach griff er damals zu einem illegalen Trick: Er konstruierte zum Schein Forderungen, dass er einem anderen Türken knapp eine Million Euro schulde. Dafür habe dieser eine Grundschuld auf die Ferienhäuser eingetragen bekommen, die er wiederum an einen weiteren Türken abgetreten habe. Auf dessen Namen wurde eine Grundschuld von über einer Million Euro eingetragen. Ein von einem türkischen Anwalt aufgesetzter zusätzliche Vertrag besagte aber, dass Göker in Wirklichkeit den Männern nichts schulde. Deshalb hatte die Staatsanwaltschaft ein Verfahren gegen ihn ins Rollen gebracht.

Dass dieses Verfahren gegen ihn jetzt eingestellt worden ist, habe er am Mittwoch erfahren, erklärte Göker am Donnerstag am Telefon. Er gehe davon aus, dass das andere Verfahren gegen ihn auch noch im Laufe dieses Jahres wegen Verjährung eingestellt wird und er dann wieder nach Kassel kommen kann. Aber nur, um Freunde zu besuchen. Er werde weiterhin in der Türkei leben, so Göker. Er kündigt aber auch an: „Ich komme auf den Weihnachtsmarkt in Kassel in diesem Jahr.“

Gesundheitlich gehe es ihm den Umständen entsprechend gut, sagt der 41-Jährige, bei dem im Herbst vergangenen Jahr Krebs („sechs Tumore im Lymphsystem“) diagnostiziert worden war. Er werde mit Medikamenten behandelt. Beruflich laufe es bei ihm derzeit hervorragend. „14, 15-Stunden-Tage sind normal.“ Er berate nach wie vor Unternehmen. „Das, was ich seit 20 Jahren mache.“ Von der Coronakrise sei sein Geschäft nicht beeinflusst worden. Im Gegenteil. Da viele Firmen jetzt auf Telefonvertrieb umgestiegen sind, sei sein Coaching für Telefonakquise sehr gefragt. „Ich darf leider von dieser Krise profitieren.“

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