Demo gegen Polizei in Kassel

Streit zwischen Frau und Mann: Ein Vorfall, zwei Sichtweisen

Mehr als 50 Teilnehmer bei Demo auf dem Rainer-Dierichs-Platz: Rednerin Alwa erklärte gestern, was ihrer Freundin bei einem Polizeieinsatz passiert sei.
+
Mehr als 50 Teilnehmer bei Demo auf dem Rainer-Dierichs-Platz: Rednerin Alwa erklärte gestern, was ihrer Freundin bei einem Polizeieinsatz passiert sei.

Der Streit zwischen einer 25-jährigen Frau und einem 66-jährigen Mann hat am Dienstag einen Polizeieinsatz am Auedamm verursacht. So viel steht fest. Ansonsten gibt es zwei verschiedene Darstellungen über den Vorfall, der seit Mittwoch im Internet hohe Wellen schlägt und sogar in einer Demonstration „gegen Polizeigewalt“ auf dem Rainer-Dierichs-Platz – neben dem Polizeipräsidium Nordhessen – mit mehr als 50 Teilnehmern gemündet ist.

Kassel - Während die Polizei gestern in einer Presseerklärung mitteilte, dass die Frau zwei Beamte bei dem Einsatz am Auedamm leicht verletzt hat, sprachen die Unterstützer der Frau von Polizeigewalt.

Darstellung der Unterstützer der 25-Jährigen: Am Dienstagabend sei es zu „einem unnötig gewaltvollen Ausschreiten der Polizei“ gegen eine junge Frau gekommen, schreibt Deyi Chen, der auch Versammlungsleiter bei der Demonstration gestern war, in einer Pressemitteilung. Die Frau sei beim Baden in der Fulda mit ihren Freunden von einem älteren fremden Mann unerlaubt fotografiert worden. Die Gruppe habe den Mann gebeten, dies zu unterlassen, woraufhin er in der Auseinandersetzung die Polizei rief.

„Die vier männlichen Polizeikräfte, welche ohne nachvollziehbaren Grund daraufhin die Personalien der Gruppe aufnehmen wollten, fixierten eine junge Frau und nahmen sie in Handschellen mit auf die Wache, als diese ihre Daten nicht herausgeben wollte.“ Diese Vorgänge seien von einer Freundin gefilmt worden, woraufhin ihr das Handy mit den Beweisen abgenommen worden sei. Ein Beschlagnahmungsprotokoll gebe es dafür nicht, so Deyi Chen, der gegenüber der HNA gestern angab, dass er selbst bei dem Vorfall nicht dabei gewesen ist.

Auf der Demo sprach gestern Alwa, eine Freundin der 25-Jährigen. Sie berichtete den Teilnehmern, dass bei dem Vorfall am Auedamm eine „astreine Täter-Opfer-Umkehr“ stattgefunden habe. Der Mann habe ihre Freundin und deren Begleiterinnen gefilmt. Anstatt sich um den Mann zu kümmern, hätten sich die Polizisten ihre Freundin vorgeknöpft. Das sei wohl auch darauf zurückzuführen, dass der Mann ein Ex-Polizist sei und seine Verbindungen ins Präsidium ausgenutzt habe, so Alwa. Ihre Freundin sei im Streifenwagen von den Beamten zudem „sexistisch beleidigt“ worden. Sexuelle Beleidigungen bei Festnahmen seien mittlerweile Standard. Die Rednerin forderte, dass die Anzeige gegen ihre Freundin fallengelassen wird.

Darstellung der Polizei: Nach Angaben der Polizei hatte der 66-jährige Spaziergänger die Polizei gerufen, da er nach seinen Angaben im Bereich der Brücke am Auebad mit jungen Frauen in Streit geraten war und von ihnen als „Spanner“ beleidigt worden sei. Bereits am Telefon habe der Mann mitgeteilt, dass er ein ehemaliger Kollege sei.

Nach Eintreffen der Streife hätte sich eine der Frauen äußerst aufgebracht gezeigt und trotz mehrfacher Aufforderung die Angabe ihrer Personalien verweigert. Zwei andere Frauen hätten hingegen ihre Personalien angegeben. Die Aufnahme der Personalien sei erforderlich gewesen, da der 66-Jährige sich vorbehalten habe, eine Strafanzeige wegen Beleidigung gegen die Frauen zu stellen.

Die Beamten hätten auch die Kamera des 66-Jährigen vor Ort überprüft, dort aber keine Aufnahme von den Frauen gefunden, so ein Polizeisprecher. Als die 25-Jährige schließlich zur Feststellung ihrer Identität mit auf das Revier genommen werden sollte, soll sie sich erheblich zur Wehr gesetzt und einen Beamten in den Schritt getreten haben.

Laut Polizei verfolgten den Einsatz mehrere Personen, die sich durch verbale Äußerungen mit der 25-Jährigen solidarisierten und die Geschehnisse mit ihren Handys filmten. Es werde nun geprüft, ob gegen sie Anzeigen wegen „Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes“ vorgelegt werden. (use)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.