Die meisten Fälle passieren tagsüber

Einbrecher haben es in der dunklen Jahreszeit leichter

So wird jede Tür sicherer: Polizeioberkommissar Volker Schulz vom Polizeiladen in der Wilhelmsstraße demonstriert ein Riegelschloss mit Sperrbügel. Foto: Rudolph

Kassel. Mit der dunklen Jahreszeit beginnt die Hauptsaison für Einbrecher. Wo nach der früh einsetzenden Dämmerung kein Licht brennt, winkt ihnen leichte Beute: Im Schutz der Dunkelheit können sie oftmals ungestört in die verlassenen Häuser einsteigen.

Seit vergangenem Wochenende gab es in Stadt und Landkreis Kassel nach Angaben der Polizei 23 Einbrüche. Bislang sei die Zahl der Wohnungseinbrüche im Vergleich zum Vorjahr aber leicht rückläufig.

„Wir können nicht verhindern, dass auch im bestgesicherten Haus ein Einbruchsversuch unternommen wird“, sagt Polizeihauptkommissar Horst Reuter, Fachberater für Einbruchsschutz am Polizeipräsidium Nordhessen. „Aber jeder Haus- und Wohnungsinhaber kann es den Tätern so schwer wie möglich machen.“

Einbrechern gehe es vor allem darum, schnell und geräuschlos in das Haus oder die Wohnung zu kommen, erklärt Reuter. Denn sie könnten jeden Moment entdeckt werden und mit Lärm Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Weil gerade Fenster und Türen oftmals Schwachstellen seien, gelte es, diese so zu sichern, dass sie dem Einbrecher einige Minuten standhalten - zum Beispiel mit speziellen Aufhebelsperren und Sicherheitsglas oder einer aufklebbaren Sicherheitsfolie. „Wenn sich der schnelle Erfolg nicht einstellt, geben die Täter meist auf“, sagt Reuter.

In Sachen Einbruchsprävention gebe es noch viel Nachholbedarf, sagt der Polizeibeamte. Drei Viertel der Häuser in Nordhessen seien vor 1980 gebaut und hätten auch noch den Sicherheitsstandard aus dieser Zeit. „In die energetische Nachrüstung des Eigenheims wird viel investiert, an die Sicherheit wird aber oftmals nicht gedacht“, gibt der Experte für Einbruchsprävention zu bedenken.

Würden noch mehr Menschen auch in die bessere Sicherung ihres Eigentums investieren, könne den Einbrechern noch öfter das Handwerk gelegt werden: Derzeit scheitern immerhin schon 40 Prozent der Taten im Versuchsstadium.

Wo die Einbrecher ihr Ziel erreichen, sei neben dem materiellen Schaden für die Opfer vor allem die Verletzung ihrer Privatsphäre belastend, weiß Horst Reuter. Viele fühlten sich nach einem Einbruch in den eigenen vier Wänden nicht mehr wohl und litten noch jahrelang unter Ängsten.

Tipps: So schieben Sie Tätern den Riegel vor

• Fenster, Balkon- und Terrassentüren auch bei kurzer Abwesenheit schließen. Niemals gekippt lassen. Gekippte Fenster sind für Einbrecher offene Fenster.

• Haus- und Wohnungstür immer verschließen. Nicht nur ins Schloss fallen lassen, sondern am besten zweifach abschließen. Auch Kellertüren gut sichern.

• Am besten Fenster und Türen mit Aufhebelsperren und abschließbaren Griffen ausrüsten.

• Haus oder Wohnung sollten nie unbewohnt aussehen. Um Anwesenheit vorzutäuschen, ab Einbruch der Dunkelheit über Zeitschaltuhren Beleuchtung einschalten. Am besten nicht nur in einem Zimmer, sondern zeitlich versetzt in verschieden Räumen - als wenn ein Bewohner sich im Haus bewegt.

• Bei längerer Abwesenheit Briefkasten leeren, Laub oder Schnee vor dem Haus von Bekannten räumen lassen - sonst ist auf den ersten Blick erkennbar, dass niemand zu Hause ist.

• Gute Außenbeleuchtung um das Haus anbringen, am besten mit Bewegungsmeldern, die nicht auf Katzen oder Waschbären anspringen.

• Rollläden bei Abwesenheit im seitlichen oder hinteren Bereich herunterlassen. Dort erschweren sie dem Einbrecher den Einstieg. Wenn die Rollläden an gut einsehbaren Fenstern unten sind, signalisiert es hingegen auf den ersten Blick: keiner da.

• Eine Alarmanlage dient der Überwachung, nicht dem Schutz. Fehlalarme unbedingt vermeiden, sonst setzt für Nachbarn Gewöhnung ein.

• Größere Geldbeträge und Wertgegenstände nicht in der Wohnung herumliegen lassen.

Kostenlose Beratung gibt es im Polizeiladen an der Wolfsschlucht (Tel. 0561/17 171, Montag bis Freitag 10 bis 17 Uhr). Auch auf der Herbst-Ausstellung hat die Polizei einen Infostand (Halle 12, Stand 1204).

Von Katja Rudolph

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