Tatort Bebelplatz

Einbruch in Brillengeschäft: 600 Brillen über Nacht weg

Gähnende Leere: Die Täter haben alle Regale ausgeräumt und 600 Brillen mitgenommen.

Kassel. Im Schaufenster des Brillengeschäfts am Bebelplatz liegen nur noch die Preisschildchen und Dekomaterial, in den Regalen herrscht gähnende Leere. Optikermeister Andreas Grün hat nur ein Wort: „Vollkatastrophe.“

In der Nacht zu Sonntag ist der Laden von Einbrechern komplett geplündert worden. 600 Brillen im Verkaufswert von 120.000 Euro sind weg. Der Fall am Bebelplatz war einer von zwei Einbrüch in Optikergeschäfte am Wochenende.

In der Nacht zu Montag haben Täter zudem in einem Brillengeschäft im Dez in Niederzwehren gewütet. Se schlugen die Scheibe einer Tur ein und brachen in den Laden mit brachialer Gewalt einen Schrank auf und nahmen das Wechselgeld mit. Brillen nahmen sie in diesem Fall nach Angaben der Polizei nicht mit.

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Optiker am Bebelplatz ausgeräumt

Zurück zum Tatort Bebelplatz: Hier waren die Täter in der Nacht zu Sonntag über den Hinterhof und den rückwärtigen Eingang in das Brillengeschäft eingedrungen. Dazu hebelten sie eine massive Metalltür auf. Offenbar aus Angst vor einer Alarmanlage haben die Einbrecher als erstes die Sicherungen umgeklappt und dann im Schutz der Dunkelheit die Regale komplett ausgeräumt. In diesem Fall vermutet die Polizei, dass überörtliche Täter am Werk waren, die es gezielt auf Brillen abgesehen haben. Er sei geschockt gewesen, als er am Sonntag nach dem Anruf der Polizei in den leeren Laden kam, sagt Andreas Grün: „Man fühlt sich wie ohnmächtig.“

Mit ihrem Geschäft Brilliant Optik haben sich Andreas Grün (33) und Julien Tedja (34) den Traum der Selbstständigkeit erfüllt. Erst vor zwei Monaten hatten die beiden Jungunternehmer eröffnet. „Wir haben mit allem gerechnet, aber nicht damit“, sagt Grün. Sein Kollege Julien Tedja hatte zunächst noch Schlimmeres befürchtet: „Ich hatte Angst, dass sie auch unsere ganzen Geräte mitgenommen haben. Die Brillen kann man relativ zügig nachbestellen, die Maschinen hätten wir nicht so schnell wiederbeschaffen können.“ Und ohne sie kann ein Optiker nicht arbeiten. Klar ist für die beiden Optikermeister, dass es weitergeht. „Wir lassen uns davon nicht unterkriegen“, sagt Tedja, „wir haben schließlich schon so viel Herzblut hier reingesteckt.“ Die erlösende Nachricht, dass die Versicherung für den Schaden aufkommt, bekamen die Inhaber gestern Vormittag. Jetzt bestellen sie die gestohlenen Brillengestelle nach und sind zuversichtlich, dass sich ab nächster Woche die Regale wieder füllen.

Aktualisiert um 18.15 Uhr

Zwischen den beiden Einbrüchen am Wochenende besteht nach erster Einschätzung der Polizei kein Zusammenhang. In dem Fall von Bebelplatz gehe man von überörtlichen Tätern aus, die es gezielt auf Optikerwaren abgesehen haben, sagte Polizeisprecher Torsten Werner. Vermutlich stecke organisierte Kriminalität dahinter. Es gab bereits mehrere ähnlich spektakuläre Fälle in der Region: So wurden Ende Januar 2012 bei einem Einbruch in ein Brillengeschäft in Fritzlar sämtliche Gestelle gestohlen. In Hann. Münden war im März und im Mai 2012 eine Optiker-Filiale gleich zweimal innerhalb weniger Wochen leergeräumt worden. Allein im ersten Fall nahmen sie 2000 Brillen mit. Auch in Westfalen waren in den vergangenen Jahren schon mehrere Optiker betroffen. (rud)

Von Katja Rudolph

Video: Brillengeschäft am Bebelplatz leergeräumt

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