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Die Kurt-Schumacher-Straße: Eine breite Schneise, die trennt

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Von: Thomas Siemon

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Enge Bebauung links und rechts der Martinskirche: So sah die Kasseler Altstadt vor der Zerstörung aus.
Enge Bebauung links und rechts der Martinskirche: So sah die Kasseler Altstadt vor der Zerstörung aus. © Stadtmuseum/nh

Bis zum Krieg war die Kasseler Innenstadt sehr viel weiter ausgedehnt als heute. Die Entwicklung des Quartiers Pferdemarkt ermöglicht jetzt Korrekturen an Entwicklungen im Wiederaufbau.

Kassel – Wer heute zu Fuß an der Kurt-Schumacher-Straße unterwegs ist, macht das bestimmt nicht aus Vergnügen. Dafür ist die Straße viel zu sehr als breite Schneise für den Autoverkehr angelegt worden. Das sah vor dem Zweiten Weltkrieg noch ganz anders aus. Früher gab es eine Kasseler Altstadt, die zwischen Martinskirche und Pferdemarkt, vom Steinweg über den Altmarkt bis zur Vogtschen Mühle an der Fulda eine Einheit war. Mit deutlich schmaleren Straßen und Wegeverbindungen in alle Richtungen.

Erst beim Wiederaufbau nach dem Krieg wurden breite Schneisen für den zunehmenden Autoverkehr angelegt. Das galt vor 60 Jahren als modern. Aus heutiger Sicht wirkt eine Trasse wie die Kurt-Schumacher-Straße aus der Zeit gefallen. Sie trennt Wohnquartiere, bietet kaum Aufenthaltsqualität, hat viel zu wenig Grün und ist als Straßenzug einfach überdimensioniert.

Da stellt sich die Frage, ob das so bleiben muss. Vor einigen Jahren gab es schon einmal eine Initiative, die die getrennten Teile der Innenstadt wieder näher zusammenführen wollte. Die HNA hat darüber berichtet, doch seitdem ist auf den ersten Blick kaum etwas geschehen. Sind die Überlegungen vom Tisch?

Ähnliche Perspektive von heute: Die überdimensionierte Kurt-Schumacher-Straße trennt die Quartiere.
Ähnliche Perspektive von heute: Die überdimensionierte Kurt-Schumacher-Straße trennt die Quartiere. © Dieter Schachtschneider

„Nein“, sagt Kassels Baudezernent Christof Nolda. Stadtplanung funktioniere nun mal nicht von heute auf morgen. Dennoch habe man an der Grundidee weiter gearbeitet. Er nennt die Entwicklung des Pferdemarktes, die bereits Fahrt aufgenommen habe. Mehr Grün, weniger asphaltierte Flächen zum Parken, mehr Treffpunkte für die Menschen, Radwege und neue Wohnungen sind die Stichworte. Zudem habe der Probelauf mit einer Sperrung der Unteren Königsstraße zwischen Stern und Holländischem Platz für den Autoverkehr aus seiner Sicht positive Effekte gehabt. Das solle bei der weiteren Planung genauso berücksichtigt werden wie das Ergebnis weiterer Untersuchungen.

Dabei werde es darum gehen, wie viele Fahrspuren auf der Kurt-Schumacher-Straße wirklich nötig seien. Hier gebe es vermutlich Potenzial dafür, heutige Verkehrsflächen anders zu nutzen. Eine konkrete Verbesserung soll ein neuer Fußweg in Höhe der Martinskiche und der Mittelgasse über die Kurt-Schumacher-Straße bringen.

Dicht an dicht: So sah der Pferdemarkt an der Ecke zur Gasse Graben früher einmal aus.
Dicht an dicht: So sah der Pferdemarkt an der Ecke zur Gasse Graben früher einmal aus. © Archiv Hans Germandi

Bei diesen Überlegungen spielen auch die Pläne privater Investoren eine Rolle. So will die New Space AG aus Kassel als neuer Eigentümer des Hansa-Haus-Komplexes viel Geld für eine Modernisierung in die Hand nehmen. Ein mehrgeschossiger Neubau könnte ähnlich wie in der Unterneustadt ab dem zweiten Geschoss ein ganzes Stück in den Straßenraum hineinragen und lediglich unten Platz zum Durchfahren lassen. Mehr Grün in den Randbereichen, Radwege und weitere Querungsmöglichkeiten könnten das Quartier attraktiver machen. Und warum sollen hier nicht auch neue Wohnmöglichkeiten entstehen? Mit Schlafzimmern Richtung Pferdemarkt und dicken schallschluckenden Fensterscheiben zur Kurt-Schumacher-Straße hin.

Ein Fachwerk-Quartier so wie einst wird dieser Bereich wohl nie mehr werden. Zumindest die Chance, dass Kassel zwischen Pferdemarkt, Altmarkt und Martinskirche wieder deutlich attraktiver als heute wird, ist aber gegeben. (Thomas Siemon)

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