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Mit Gepäckwagen aus Harry Potter durch die Wand: Ausstellung zur Kasseler Film- und Kinogeschichte eröffnet

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Von: Bastian Ludwig

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Rückblick: Glorreiche Kasseler Kinogeschichte wird im Stadtmuseum anschaulich gemacht.
Rückblick: Glorreiche Kasseler Kinogeschichte wird im Stadtmuseum anschaulich gemacht. © Andreas Fischer

Eine mit viel Liebe zum Detail konzipierte Sonderausstellung zur Kasseler Film- und Kinogeschichte ist ab Samstag im Stadtmuseum zu sehen.

Kassel - Unter dem Titel „Kassel filmreif! Von Popcorn, Stars und Kamerafahrten“ können die Besucher nicht nur die Bandbreite filmischen Schaffens in Kassel erleben, sondern auch in die glorreichen Kino-Jahrzehnte eintauchen.

200 Objekte, darunter originale Requisiten, historische Fotos, Plakate und Filmausschnitte sind zu erleben. An vielen Stationen darf der Besucher selbst aktiv werden, um sich etwa sein Lieblingskinomenü zusammenzustellen oder mit dem Gepäckwagen aus Kasseler Produktion in Harry-Potter-Manier durch die nachgebaute Wand des Londoner Bahnhofes King’s Cross zu spazieren. Kinder können sich in Schauspieler verwandeln und sich vor einem Spiegel bewundern.

Kasseler Gepäckwagen war als Requisit in Harry-Potter-Filmen zu sehen: Ein Gepäckwagen der Firma Expresso steht auch im Stadtmuseum. Hier wird er von Mitarbeiterin Christina Reich bedient.
Kasseler Gepäckwagen war als Requisit in Harry-Potter-Filmen zu sehen: Ein Gepäckwagen der Firma Expresso steht auch im Stadtmuseum. Hier wird er von Mitarbeiterin Christina Reich bedient. © Andreas Fischer

Die vier Etagen des Sonderausstellungsbereiches des Stadtmuseums sind unterschiedlichen Facetten der lokalen Film- und Kinogeschichte gewidmet: Es beginnt mit der Kasseler Kinolandschaft, die ab 1906 mit dem ersten Kino an der Königsstraße entstanden ist und in den Vor- und Nachkriegsjahren ihre Glanzzeiten feierte. Insgesamt 43 Kinos gab es über die Jahrzehnte in Kassel. An einem Multimedia-Tisch können diese anhand einer digitalen Karte und Fotografien nachvollzogen werden.

Zudem werden unter anderem die originale Kinobestuhlung und ein Teil der Balustrade aus dem Kaskade-Kino gezeigt. Der Bogen wird bis in die Gegenwart zu den heutigen Lichtspielhäusern geschlagen, von denen das Capitol die längste Geschichte hat.

Im zweiten Stock geht es um Kassel als Filmstadt. In einem kleinen Kino werden 18 alte und neue Filme gezeigt, für die auch in Kassel Dreharbeiten stattfanden. Darunter sind längst nicht nur bekannte Streifen wie der Heinz-Erhardt-Film „Natürlich die Autofahrer“. Auf einem großen Bild sind 14 Filmschaffende aus Kassel als Zeichnung verewigt. Der Betrachter darf rätseln, um wen es sich handelt.

Den Oscarpreisträgern Thomas Stellmach (1997) sowie Christoph und Wolfgang Lauenstein (1990) ist ein extra Bereich gewidmet. Ebenso den Fernsehstudios vom Offenen Kanal und vom Hessischen Rundfunk. Dort sind auch die Kamera und das Richtmikrofon zu sehen, die 1988 beim Grubenunglück von Stolzenbach im Borkener Braunkohlerevier zum Einsatz kamen. Mithilfe des hr-Mikrofons war seinerzeit der Kontakt zu den 57 verschütteten Bergleuten hergestellt worden.

Denkmal für Kasseler Film-Shop: Museumsmitarbeiter Maximilian Kaiser mit Teilen des Inventars der weltweit ältesten Videothek.
Denkmal für Kasseler Film-Shop: Museumsmitarbeiter Maximilian Kaiser mit Teilen des Inventars der weltweit ältesten Videothek. © Andreas Fischer

Im dritten Stock geht es um die „Filmverrückten“ aus Kassel, wie Museumsleiter Kai Füldner sagt. Mit einem Nachbau der ältesten Videothek der Welt, dem Film-Shop an der Erzbergerstraße, wurde dem ehemaligen Eigentümer Eckhard Baum ein Denkmal gesetzt. Neben originalem Inventar ist die Urkunde des Guinness Buches der Rekorde zu sehen. In diesem Ausstellungsbereich werden zudem die Filmfestivals beleuchtet, die Kassel hervorgebracht hat. Neben dem traditionellen Dokumentarfilm- und Videofest sind das auch jüngere Formate wie das „Randfilmfest“ und „Der phantastische Trashfilm“. Auch das Open-Air-Kino wurde bedacht.

In der obersten Etage kann das erste Selfie-Video der Welt bestaunt werden, das der damalige Kasseler Student und heutige Filmemacher Adolf Winkelmann 1967 auf der Königsstraße drehte. Gleich daneben zeigen heutige Filmstudenten der Kunsthochschule ihr Schaffen.

Einführung in die Ausstellung: Kasseler Trickfilmer Filip Dippel schuf kurzen Film für die Sonderausstellung.
Einführung in die Ausstellung: Kasseler Trickfilmer Filip Dippel schuf kurzen Film für die Sonderausstellung. © Andreas Fischer

Bei der Vorstellung der Ausstellung äußerten Kulturdezernentin Susanne Völker und Museumsleiter Füldner die Hoffnung, dass die Ausstellung Lust auf Kino und Film macht. Sie sagten dies mit Blick auf die Krise der Kasseler Kinos, die nach wie vor auf die Rückkehr des Publikums nach der Corona-Krise warteten. Tatsächlich leistet die Sonderschau genau das: Sie macht Lust auf Kino. (Bastian Ludwig)

Öffnungszeiten: Die Sonderausstellung ist bis 3. September 2023 zu sehen. Di, Do-So 10-17 Uhr, Mi 10-20 Uhr. Eintritt 4 Euro, ermäßigt 3 Euro. Kinder bis 18 Jahren sind frei.

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