Unternehmensberater sollen Kunden um eine Million Euro geprellt haben

Kassel. Die Liste wirkt ewig lang. Eine halbe Stunde lang verliest Staatsanwalt Fabian Ruhnau am Dienstag Namen um Namen von Kunden, die 2007 und 2008 auf die Versprechen einer damals von Fuldabrück aus tätigen Unternehmensberatungsgesellschaft hereingefallen sein sollen.

Zwei Männer, die für diese Firma gehandelt haben sollen, müssen sich wegen gewerbsmäßigen Betrugs vor dem Landgericht verantworten – und mit ihnen eine Frau, die als Buchhalterin in dem Unternehmen beschäftigt war.

Weit über 200 Geschädigte soll die Fuldabrücker Firma mit ihrem Angebot geködert haben: Je 60.000 Euro aus dem Europäischen Sozialfonds könnten Existenzgründer und andere Gewerbetreibende erhalten, soll ihnen gesagt worden sein. Voraussetzung sei ein Beratungsvertrag. Der – so habe es etwa bei einer Präsentation in einem Vier-Sterne-Hotel in Starnberg geheißen – könne mit der fraglichen Beraterfirma geschlossen werden. Diese werde gegen Vorkasse von 3000 oder 4000 Euro einen Business- und Kostenplan erstellen und die nötigen Anträge einreichen.

Tatsächlich aber, so die Anklage, sei kein einziger Antrag an die zuständigen Behörden weitergeleitet worden. Dies sei auch nie die Absicht des mittlerweile 44-jährigen Angeklagten aus Fuldabrück und des mittlerweile 45-jährigen Angeklagten aus Staufenberg gewesen. Sie hätten eingenommenes Geld für sich verbraucht.

Fast eine Million Euro – 935.010,50 Euro -– sollen sie vereinnahmt haben. Die Verträge mit den Kunden seien teils unter Einschaltung gut gläubiger Vermittler zustande gekommen. Die beiden Angeklagten schwiegen gestern zu allen Vorwürfen.

Der 52-jährigen angeklagten Buchhalterin legt die Staatsanwaltshaft zu Last, sie habe bald nach Beginn ihrer Tätigkeit von den Machenschaften gewusst – vielleicht sogar von Anfang an. Profitiert habe sie über ihren Lohn und eine Einmalzahlung. Die Frau, die mittlerweile in München lebt, ließ ihren Verteidiger Bernd Pfläging am Dienstag eine knappe Erklärung abgeben: „Die Vorwürfe aus der Anklage sind unzutreffend.“

Der 44-jährige Fuldabrücker muss sich nicht nur wegen Betrugs, sondern auch wegen Verdachts auf Steuerhinterziehung und auf Insolvenzverschleppung verantworten.

Der Prozess soll heute mit ersten Zeugenvernehmungen weitergehen. Weiter Termine sind bis Anfang Dezember angesetzt. Rund 160 Zeugen sollen gehört werden.

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