Neben Handwerk und Technik auch Kurioses und Kitsch

Die Hessentagsstraße: Eine Meile wie ein Basar

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Hatten Spaß: Hans Eberl (von links), Andrea Lengemann und Thorsten Niehaus sind von den Handspieltieren auf dem Kunsthandwerkermarkt fasziniert.

Kassel. Dunkle Knopfaugen, weiches Fell: Am Stand von Mandy Haugwitz auf dem Kunsthandwerkermarkt am Rand des Friedrichsplatzes werden selbst Männer schwach.

Thorsten Niehaus aus Kassel ist ganz angetan von dem schwarzen Kätzchen, das er zum Leben erweckt. Kuschelige Hasen, Waschbären, Hunde, Katzen - bei den drolligen Handspieltieren fällt die Entscheidung schwer.

Der Kunsthandwerkermarkt ist Teil der Hessentagsstraße, die sich vom Kulturbahnhof bis in die Karlsaue zieht. Doch nicht alles, was dort angeboten wird, ist handwerklich hergestellt. Man muss schon genau hinschauen, um zwischen Sonnenbrillen, T-Shirts und anderer Massenware Kunsthandwerkliches zu entdecken. Überhaupt ist es nicht leicht, sich auf der weit verzweigten Hessentagsmeile zurechtzufinden.

Ein gutes Auge haben muss auch Peter Ziegner, der am Stand der Stuckateur-, Verputzer- und Trockenputzverleger-Innung neben der Handwerkskammer kleine Herkules-Figuren aus Gips anfertigt. Die gibt’s für fünf Euro zum Mitnehmen. Kinder können sich über Herzen, Käfer und Schmetterlinge freuen, die sie vor Ort nach Herzenslust bemalen und als Geschenk mit nach Hause nehmen dürfen. 40 bis 50 Gips-Herkulesse gießt der erfahrene Stuckateur mit Kollegen täglich für die Hessentagsbesucher. Und er beantwortet Fragen zum Handwerk. „Die jungen Leute wissen doch nichts mehr mit Stuck anzufangen“, sagt der 63-Jährige.

Am Scheidemannplatz präsentieren sich auch andere Innungen. Die Bäcker und Konditoren zum Beispiel sind mit einem kleinen Café vertreten, Kuchen gibt’s um die Ecke an einem eigenen Stand. Die Fleischer haben nordhessische Spezialitäten wie Dürre Runde, aber auch Curry-Wurst mit Pommes Frites im Angebot. Die Resonanz der Besucher sei gut, sagt der stellvertretende Landesinnungsmeister Rudi Döring aus Naumburg.

Während am Ständeplatz und auf der Klimameile in der Wilhelmsstraße noch Leben herrscht, ist es in der Wolfsschlucht und der Theaterstraße ruhig. Nur wenige Hessentagsbesucher schlendern dort entlang, sie drängeln sich stattdessen auf der Königsstraße. Das ist auch den Organisatoren nicht verborgen geblieben. Die Standbetreiber nehmen nichts ein, sie sollen deshalb an andere Standorte umziehen können. „Wenn schon, dann dahin, wo der Lauf ist“, sagt Ricarda Neubauer aus Helsa („Süße Ecke“), die auf ihren gebrannten Mandeln und Schokofrüchten sitzen geblieben ist. „Es ist der falsche Platz“, sagt auch Recep Keskin vom Bowle-Paradies. „Hauptsache Richtung Königsstraße. Aber nicht hier.“

Von Ellen Schwaab

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