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„Eine Modellbahnanlage wird nie fertig“: Einblicke beim Modell-Bahn-Club Kassel

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Von: Barbara Will

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Die Züge der Anlage, an der Daniel Heine hier steht, lassen sich digital steuern.
Einblicke in die Miniaturwelt: Die Züge der Anlage, an der Daniel Heine hier steht, lassen sich sogar digital steuern. © Andreas Fischer

Bauen, Tüfteln, Züge rangieren: Der Modell-Bahn-Club Kassel hat am Wochenende gezeigt, was seine Arbeit ausmacht.

Kassel – Geboren wurde die Idee an Heiligabend 1965, erzählt Werner Pötsch. Nebenbei erledigte er damals Reparaturen in einem Spielzeuggeschäft, als ein Kunde mit einer nicht funktionierenden Modell-Lok vor ihm stand. Pötsch rettete das Weihnachtsgeschenk. Ob es denn keinen Modelleisenbahnclub in der Stadt gebe, fragte der Kunde. Im November 1966 war der Modell-Bahn-Club Kassel ins Leben gerufen – der Vorgängerverein hatte sich Jahre zuvor aufgelöst.

Pötsch, Mitgründer des Clubs ist heute mit 88 Jahren noch immer dabei und bei Weitem nicht der einzige, der sich für die Miniaturwelt von Zügen, Landschaften und Bahnhöfen begeistert. Am Tag der offenen Tür des Vereins am Sonntag, dem ersten seit der Corona-Pandemie, wurde es eng in dessen Quartier in der Grundschule Königstor in Kassel.

Bei früheren derartigen Veranstaltungen seien 50 bis 200 Besucher gekommen, sagt der Vereinsvorsitzende Dirk Federau, bei der „Langen Nacht der Modellbahnen“ standen die Menschen zeitweise sogar Schlange.

Zwei große Komplexe beherrschen die beiden Räume im Untergeschoss des Schulgebäudes: Auf einer Spurweite von neun Millimetern einer sogenannten N-Anlage umkurven die Züge den Nachbau des damals wichtigen Bahnknotenpunkts Malsfeld und seines Ortsteils Beiseförth im Schwalm-Eder-Kreis.

Modellbau-Fans Werner Pötsch (links) und Anlagenbeauftragter Björn Vogt mit Loks.
Modellbau-Fans: Vereinsmitgründer Werner Pötsch (links) und Anlagenbeauftragter Björn Vogt mit Loks unterschiedlicher Spurweiten. © Andreas Fischer

Einen Teil der Modelle im Maßstab 1:160 hatte ein Clubmitglied beigesteuert, die Ergänzungen entstanden mit viel Liebe zum Detail. Die Modellbahnfreunde waren ausgeschwärmt, um die Häuser zu fotografieren. All das entstand um 1968 und hat bereits dokumentarischen Wert: Einige Gebäude gibt es heute in der Realität nicht mehr.

Auf der zweiten Anlage, Größe H0 (Halb-Null) fahren die Züge durch eine Fantasielandschaft in dem im Modelleisenbahnbau weit verbreiteten Maßstab 1:87. Die Loks haben eine Spurweite von 16,5 Millimetern.

Zu entdecken gibt es umso mehr, je genauer man hinschaut. Er interessiere sich vor allem für die Landschaften, sagt Hans-Jürgen Werner, einer der Besucher. Thomas Holzhauer wiederum, der ebenfalls den Tag der offenen Tür nutzt, war schon öfter beim Modell-Bahn-Club. Seine eigene Anlage musste er aus Platzmangel abbauen, erzählt er, „aber es ist alles noch an Bord.“

„Eine Modellbahnanlage wird nie fertig, es fällt einem immer etwas Neues ein“, sagt Björn Vogt, Schriftführer und Anlagenbeauftragter des Modell-Bahn-Clubs. Zwar gibt es vieles fertig zu kaufen, doch selber machen ist ebenso Spaß wie Ehrensache, und so greifen die Modellbahn-Fans zu Holz, Pappmache, Plastik und Keramik und nutzen auch 3D-Drucker. Die beiden Steuerpulte für die Anlagen sind ebenfalls selbst gebaut – an der Schaltstelle für die H0-Anlage haben sie zwei Wochen lang gearbeitet, täglich sechs bis sieben Stunden, erzählt Vogt.

456 Adern für den Energiefluss durchziehen die Miniaturbahnlandschaft. Der Club hat 92 Mitglieder, darunter 20 Aktive. Der Großteil der Arbeit fällt nicht in der Königstor-Schule an, sondern bei der Steinertseebahn. In dem Kaufunger Naherholungsgebiet ziehen die gewichtigeren Geschwister der Kasseler Minis in Anhängern Kinder und Erwachsene durch das Parkgelände.

Jugendliche gewinne man meistens über die Steinertseebahn, sagt der Vereinsvorsitzende Federau. Sie kann der Club mit Digitalisierung locken: Die Züge der H0-Anlage lassen sich per Smartphone-App ansteuern.

Die nächste „Lange Nacht der Modellbahnen“ findet am 18. Februar 2023 ab 16 Uhr in der Schule am Königstor statt. Ende offen.

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