Hugenottenhaus

„Große Überraschung“ – Wertvolles Wandgemälde in Kassel entdeckt

Wandgemälde von Arnold Bode sind sichtbar geworden: „Das war eine große Überraschung“, sagt Lutz Freyer. Mit seiner Frau Silvia Freyer ist er für die Ausstellungsorganisation im Hugenottenhaus verantwortlich.
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Wandgemälde von Arnold Bode sind sichtbar geworden: „Das war eine große Überraschung“, sagt Lutz Freyer. Mit seiner Frau Silvia Freyer ist er für die Ausstellungsorganisation im Hugenottenhaus verantwortlich.

Große Überraschung im Hugenottenhaus in Kassel: Plötzlich kommen bei Sanierungsarbeiten Wandmalereien von documenta-Gründer Arnold Bode zum Vorschein.

Kassel – Das, was seit Jahrzehnten verborgen lag, sind markante Sgrafitti im Stil der 1950er-Jahre, hauptsächlich geometrische und amorphe Gebilde in dem für Arnold Bode typischen Taubenblau, das im Kontrast zu schwarzen Flächen mit eingeritzten Linien steht.

Entdeckt hat die kleine Sensation Marén Freyer, die in dem geschichtsträchtigen Haus an der Friedrichstraße 25 in Kassel seit einem Jahr zusammen mit David Sigwart eine Café-Bar betreibt und sich gerade auf die Wiedereröffnung am 2. Juli vorbereitet.

Bei Renovierungsarbeiten im Hugenottenhaus hat die Kunsthistorikerin Marén Freyer eine kleine Sensation entdeckt: Unter abgehängten Decken kamen Wandgemälde des documenta-Gründers Arnold Bode zum Vorschein.

Hugenottenhaus in Kassel – Original Wandgemälde von Paul Bode wiederentdeckt

Mit den Bode-Gemälden ausgeschmückt waren einst Decken und Wände einer kleinen Bar mit Namen „Perle“, die zuletzt an den ehemaligen Saal des benachbarten Hotels Hessenland angrenzte. Dieser Ball- oder auch Frühstückssaal ist in Kassel als Bode-Saal bekannt, weil Arnold Bode ihn ausgestaltet hatte. Das Design mit abgerundeten Winkeln ist noch sichtbar. Das Hotel hatte sein Bruder, der Architekt Paul Bode, nach der Kriegszestörung der Innenstadt 1953 neu errichtet. Arnold Bode und seine Schüler der Kasseler Werkakademie waren unter anderem damit beauftragt, die Hotelzimmer mit Gemälden auszustatten.

Natürlich wusste Marén Freyer von der Bar und deren Geschichte, weshalb sie ja den Namen „Perle“ als Reminiszenz weiterführt. Dass aber in den Räumen noch Originalarbeiten von Bode erhalten sind, war für sie und alle anderen neu.

Die „Perle“ im Hugenottenhaus in Kassel: Marén Freyer will Historie des Hauses wahren

Jetzt ist zu Marén Freyers Konzept der Innengestaltung (ein großzügiger Bartresen mit Mauerdurchbruch für einen Ausblick in den Garten ist zuletzt entstanden) außerdem die Verantwortung für die Bode-Bilder hinzugekommen. Denn für Marén Freyer steht außer Frage, dass sie den Perle-Gästen die Neuentdeckungen nicht nur präsentieren, sondern auch besonders ans Herz legen will. Eine „reflektierte Wertschätzung des Hauses und Wahrung seiner Historie“ waren für die 26-jährige Kunsthistorikerin von Anfang an ihr Anspruch.

Großflächige Wandbemalung: So sah die ehemalige von Arnold Bode ausgestaltete Bar „Perle“ aus.

Vor zwei Jahren war Marén Freyer zusammen mit ihren Eltern, dem Künstlerpaar Lutz und Silvia Freyer, sowie dem Investor und Kunstfreund Udo Wendland in das Abenteuer Hugenottenhaus gestartet. Ziel war es, ein historisch bedeutendes Haus zu neuem Leben zu erwecken, es mit Kunst und Kultur zu füllen und zum Treffpunkt zu machen. Wie gut das funktionieren kann, hat der Sommer 2012 gezeigt, als das Hugenottenhaus in Kassel Standort der documenta 13 war.

Seitdem sind in Tausenden Stunden Arbeitseinsatz im wahrsten Sinne des Wortes Berge versetzt worden. Schicht für Schicht kommen die Freyers und ihre Freunde der Jahrhunderte alten Geschichte des Hauses auf die Spur. Direkt neben den Bode-Arbeiten sind jetzt Lehm-Stroh-Decken sichtbar, die aus den Baujahren 1824/25 stammen.

Kassel: Kunstausstellungen im Hugenottenhaus trotz Corona – Perle öffnet im Juli

Corona zum Trotz haben im Hugenotttenhaus zwei aufsehenerregende, von Silvia Freyer kuratierte Kunstausstellungen stattgefunden. Am 16. Juli wird hier zum Abschluss der Trilogie die Schau „Doppelzimmer“ eröffnet.

Vielseitig: Professor Arnold Bode 1955 auf der ersten documenta mit Theodor Heuss vor einem Gemälde von Picasso.

Mit Kunst, nämlich mit der Ausstellung „neue enden“, die die Freyers 2015 für ihren kurz zuvor verstorbenen Kunstprofessor Fritz Schwegler organisiert hatten, nahm alles seinen Anfang. Es entstand die Verbindung zu dem Kunstsammler Udo Wendland und die Idee, in Kassel ein offenes Haus für Kultur zu gründen. Die findet jetzt auch im Außenbereich, einem verwunschenen Garten, der „Kunstzone“, statt. Dort gibt es bald wieder Konzerte, Lesungen und Performance. (Christina Hein)

Das Hugenottenhaus in Kassel

1953 ist in Nachbarschaft zum 1824/25 erbauten Hugenottenhaus das im Krieg zerstörte Hotel Hessenland neu eröffnet worden. Architekt war Paul Bode. Sein Bruder Arnold übernahm die Innengestaltung, auch die der Hotelbar „Perle“. Aber schon sehr viel früher gab es dort – mit Eingang zur Königsstraße – eine Kunstbühne mit Namen Perle. Dazu schreibt der Historiker Christian Presche: „1936 wurden die Räumlichkeiten der ,Perle’ durch die Architekten Paul und Theo Bode sowie den Künstler Arnold Bode umgestaltet. Es war einer der ersten Aufträge des Architekturbüros Bode und ein Frühwerk des späteren documenta-Begründers Arnold Bode.“

Die „Perle“ öffnet wieder

Die „Perle“ öffnet Freitag, 2. Juli, 18 Uhr; danach Di-Do 12-22 Uhr, Fr -So 12-1 Uhr.

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