Rund 80 Kilometer pro Tag

Eine Reise voller Begegnungen: Mit dem Rad von Athen nach Kassel

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Kälteeinbruch auf dem Weg durch Albanien: Leon Groß und Vincent Keller kämpften sich auf ihrer Reise mit dem Rad durch schlechtes Wetter und über steile Berge. 

Kassel. Vincent Keller und Leon Groß sind zum Beginn der documenta in Athen am 8. April in der griechischen Hauptstadt gestartet und mit dem Fahrrad nach Kassel gefahren.

Vincent Keller

„Das war nicht ganz einfach, alles so zu planen, dass wir pünktlich am 10. Juni in Kassel ankommen. Aber es hat geklappt“, sagt Vincent. Sie hatten die Route bereits Ende des vergangenen Jahres vorgeplant. „Wir haben dann immer vor Ort entschieden, wo es sich gut fahren lässt und auch Tipps angenommen“, erzählen die beiden Kasseler.

Geschlafen haben sie in ihren Zelten oder bei gastfreundlichen Menschen. Die haben sie unter anderem über das Portal „Warmshowers“ gefunden, das Radreisende an Gastgeber vermittelt, die ihnen eine Schlafmöglichkeit bieten. „Von Griechenland bis Serbien hat das nicht immer funktioniert, aber von Belgrad bis Kassel haben wir nur einmal für die Unterkunft zahlen müssen“, sagen die jungen Männer. 

„Manche Leute haben uns sogar von selbst eingeladen, in ihren Gärten zu zelten.“ Besonders im Balkan seien die Menschen gastfreundlich gewesen: „In den Bergen hat es geregnet, und ein Mann hat uns in seiner Bretterbude auf einen Kaffee eingeladen.“ Vincent und Leon haben fast nur postitive Erfahrungen gemacht. Nur manche Grenzbeamten haben unfreundlich reagiert, wenn sie an Grenzschildern ein Foto machen wollten.

LeonGroß

14 Länder haben die beiden durchreist und sind durchschnittlich 70 bis 90 Kilometern pro Tag geradelt. Hat man da nicht auch mal genug vom anderen? „Das ist das Gute am Radreisen: Man kann mit Abstand fahren. Zum Glück sind wir nicht mit dem Tandem gereist“, meinen die beiden. Leon und Vincent sind vor allem die Begegnungen mit den unterschiedlichen Menschen in Erinnerung geblieben. „In Slowenien haben wir einen 73-jährigen Amerikaner getroffen, der seit vier Jahren mit dem Liegerad in Europa unterwegs ist. Seine Geschichte war beeindruckend.“

Den letzten Abend ihrer Reise haben sie auf Gut Kragenhof bei Staufenberg verbracht. „Unsere Freunde und Familien haben uns abgeholt und wir sind die letzten 15 Kilometer gemeinsam gefahren“, erzählen die 20-Jährigen. Auf dem Friedrichsplatz haben sie „Das Tagebuch der Anne Frank“ für den Parthenon gespendet – allerdings nicht das Exemplar, das sie auf der Reise dabei hatten. „Da haben viele Menschen in ihrer Sprache reingeschrieben.“

Vincent arbeitet derzeit bei der documenta und will im Herbst mit dem Studium beginnen – genau wie Leon, der noch durch Deutschland reist, um Freunde und Familienmitglieder zu besuchen. Vom Radfahren haben die beiden aber noch lange nicht genug. 

Hintergrund: Strecke per GPS aufgezeichnet

Mithilfe von GPS-Geräten haben Vincent Keller und Leon Groß ihre Strecke verfolgen können. Sie haben Tracks angelegt, also eine Liste von Punkten mit Koordinaten, die die Strecke beschreiben. Über Handy und Tablet haben die jungen Männer den Internet-Blog bedient, auf dem ihre Reise dokumentiert ist. „Außerdem wollen wir einen Film zusammenschneiden.“ Die geplante Strecke im Vergleich zur gefahrenen, Erfahrungsberichte und weitere Infos gibt es unter doclink-trip.com und www.facebook.com/aka.zwei.rad

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