Premiere im Habichtswald - Fachleute aus Bayern arbeiten an Steilhängen

Eine Seilbahn für Bäume

Baumstämme schweben durch den Wald: Mit einer Seilbahn kann man das Holz auch aus Steilhängen holen. Fotos:  Herzog

Kassel. Am Steilhang zwischen Herkules und Krähhahn kreischen die Motorsägen. Normalerweise ist das Gelände für die Forstarbeiter kaum zugänglich. Doch Technik aus den Alpen ermöglicht in diesen Tagen einen Großeinsatz. Zum ersten Mal steht im Habichtswald eine Seilbahn für Bäume.

Über sie werden die Stämme aus dem Hang 200 Meter nach oben transportiert. Die Seilkrananlage der Firma Hubert Forst aus Aying bei München kann mit einem Schlag bis zu einem Festmeter (eine Tonne) Holz durch die Luft schweben lassen. „Mit dieser Methode schonen wir die Wege und den Waldboden“, sagt Theo Arend, der stellvertretende Leiter des für Kassel zuständigen Forstamtes Wolfhagen. Für die Pflege des übrigen Baumbestandes sei es wichtig, auch in schwierigem Gelände den Wald zu durchforsten.

An dem Hang unterhalb des Herkules wäre das mit wesentlich mehr Aufwand auch ohne den Seilkran möglich. Den Ausschlag für die Zusammenarbeit mit der Privatfirma - sie hat sich bei einer Ausschreibung durchgesetzt - gaben Hinterlassenschaften aus dem Mittelalter. In der Nähe des Herbsthäuschens wurde im Mittelalter weißer Ton abgebaut. Reste der Gruben und Gänge sind noch zu sehen. Sie sind seit einigen Jahren als Bodendenkmal geschützt. Mit schwerem Gerät kann der Forst hier nicht arbeiten, die Zeugnisse aus dem Mittelalter würden sonst zerstört. Auch Ringwälle von jahrhundertealten Befestigungsanlagen im Habichtswald stehen unter Schutz.

Revierförster Wolfgang Schmidt hat lange nach einer Möglichkeit gesucht, wie man hier behutsam eingreifen kann. Teilweise stehen die Fichten, Douglasien und Weißtannen so dicht, dass andere Bäume zu wenig Licht bekommen. „Wir wollen auch selteneren Arten wie Elsbeeren und Wildkirschen eine Chance geben“, sagt Theo Arend.

Bis zum März wird die Seilkrananlage an verschiedenen Stellen im Habichtswald zu sehen sein. „Nach dem Orkan Kyrill haben wir uns von Süddeutschland immer weiter Richtung Norden gearbeitet“, sagt Steffen Conrad von der Firma Hubert. Die Profis aus Bayern kommen überall dort zum Einsatz, wo Spezialgerät nötig ist.

Auftraggeber Hessen-Forst ist mit der Zusammenarbeit sehr zufrieden. Durch den großen Aufwand beim Transport könne man mit dem Holz zwar nicht viel Geld verdienen, sagt Theo Arend. Trotzdem lohne sich der Aufwand. „Dem Wald tut das gut, wir werden hier bald kräftige, junge Bäume haben.“

Ein Video über die Arbeiten im Habichtswald gibt es auf www.hna.de/video

Von Thomas Siemon

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