Rollend durch den Bergpark: Forscher der Uni Kassel entwickeln E-Fahrzeug

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Visionär: An der Uni Kassel wird ein neuartiges Elektrofahrzeug für Parkanlagen entwickelt.

Kassel. Elektromobilität ist derzeit in aller Munde. Kaum ein Automobilhersteller denkt nicht darüber nach, Spritfresser durch batteriebetriebene Modelle zu ersetzen. Forscher der Uni Kassel denken schon einen Schritt weiter. Sie entwickeln ein Elektrofahrzeug, das selbst im autofreien Bergpark Wilhelmshöhe fahren darf.

Das Fahrzeug hat GPS-Steuerung und nur eine Radachse. Ein Prototyp des Zweisitzers soll 2013 fertig sein.

„Wir haben den Anspruch, ein behindertengerechtes Fahrzeug für Parkanlagen und Schlosslandschaften zu bauen, das so attraktiv ist, dass auch fitte Menschen es nutzen wollen“, sagt Professor Ludwig Brabetz, Leiter des Fachgebiets Fahrzeugsysteme und Grundlagen der Elektrotechnik. In touristischen Bereichen wie dem Kasseler Bergpark dürften zwar bislang keine herkömmlichen Straßenfahrzeuge fahren. „Allerdings ist es wünschenswert, dass sich gerade ältere und bewegungseingeschränkte Menschen in diesen Gebieten bewegen können“, sagt der 54-Jährige, der das vom Bund mit 2,91 Millionen Euro geförderte Forschungsprojekt „Elektromobilitätskonzept mit teilautonomen Fahrzeugen“ an der Uni Kassel koordiniert. Mit vier weiteren Fachgebieten sowie sechs Unternehmen entwickelt er jetzt ein umweltfreundliches Fahrzeug, das ohne zusätzliche Infrastruktur künftig an der Wilhelmshöhe Touristen bewegen könnte.

Klein und wendig

Der äußerlich an eine Gondelkabine erinnernde Zweisitzer ist nahezu geräuschlos, verursacht keine Abgase und ist aufgrund nur einer Radachse extrem kompakt und wendig. „Kleiner kann man ein Fahrzeug nicht bauen“, sagt der Wissenschaftler. Obwohl das Elektromobil lediglich zwei Räder hat, hält es dank intelligenter Technik stets das Gleichgewicht.

Prototypen ab 2013

Die Forscher haben die Höchstgeschwindigkeit auf zwölf Stundenkilometer begrenzt - schließlich soll der Bergpark in Schrittgeschwindigkeit erkundet werden. „Deshalb sind Batterien mit kleiner Kapazität ausreichend. Das sorgt für wenig Gewicht und hohe Energieeffizienz“, erklärt Brabetz.

Auch wenn die Insassen das Elektromobil mit einem Steuerhebel selbst lenken können – gesteuert wird es über Satellit. „Es weiß somit immer, wo es sich befindet, wohin es fahren darf und wohin nicht“, sagt der Professor. Dank GPS und Umfeld-Sensoren erkennt das Fahrzeug, wenn es unerlaubt über eine Wiese fährt oder aus Versehen ans Ufer eines Sees steuert - und hält automatisch an. Die Forscher planen zudem, ein ebenfalls satellitengesteuertes Informationssystem einzubauen, über das je nach Position Wissenswertes über den Bergpark abgerufen werden kann.

Die Museumslandschaft Hessen Kassel verfolgt das Forschungsprojekt laut Brabetz mit großem Interesse. Wenn alles klappt, sollen 2013 die ersten Prototypen durch den Bergpark rollen. Foto: Schaffner

Von Sebastian Schaffner

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