Der städtische Eigenbetrieb Kasselwasser lässt seit 2009 die Zuleitungskanäle privater Haushalte in Kassel durchleuchten

Mit einer Kamera auf der Lecksuche

Untersuchung im Auefeld: Die Kanalinspekteure Bernd Vallbrach (links) und André Florian setzen die Kamera in einen öffentlichen Kanal ein. Von dort aus werden die privaten Zuleitungskanäle auf Schäden durchleuchtet. Fotos: Koch

Kassel. „Wenn Zuleitungskanäle oberirdisch verlaufen würden und ein Leck hätten, dann würde es nicht lange dauern, bis es Beschwerden über Fäkalaustritte gibt“, sagt Ingenieur Tobias Rottmann. Da die Leitungen, über die die Privathaushalte ihr Abwasser entsorgen, unter der Erde liegen und die angerichteten Schäden zunächst nicht sichtbar werden, müsse man die Menschen für diese Thematik erst sensibilisieren, so der Leiter des Sachgebiets Grundstücksentwässerung bei Kasselwasser.

Der städtische Eigenbetrieb (bis 31. März 2012 Kasseler Entwässerungsbetrieb) hat im Jahr 2009 in Bettenhausen damit begonnen, die privaten Abwasserkanäle in Kassel auf Schäden zu untersuchen. Mittlerweile sind auch Zuleitungen von Grundstücken in Kirchditmold vom öffentlichen Kanal aus mit einer abbiegefähigen Kamera durchleuchtet worden. Aktuell werden Leitungen im Auefeld und demnächst am Brasselsberg untersucht. Die kostenlose Überprüfung finde statt, ohne dass die Kanalinspekteure die Grundstücke betreten müssten, sagt Rottmann. Alle Eigentümer würden aber rechtzeitig über die Kontrolle informiert.

Rechtzeitige Information

Das ist auch sinnvoll. Denn die bisherigen Untersuchungen hätten ergeben (darunter Altbauten und Häuser aus den 50er-Jahren), dass 75 Prozent der Zuleitungskanäle in Kassel defekt sind. Den Grundstückseigentümern, die schriftlich über den Schaden informiert werden, werde eine Frist von einem Jahr gesetzt, um die Rohre flicken zu lassen. Im Durchschnitt koste solch eine Sanierung 2000 bis 2500 Euro, sagt Rottmann (siehe Hintergrund). „Wir wollen den Kunden die Angst nehmen, dass etwas auf sie zukommt, dass sie nicht mehr überschauen können“, sagt Pressesprecher Karsten Köhler.

Deshalb biete Kasselwasser bei Bedarf auch Hilfe an. Einerseits durch eine Beratung von Ort, anderseits sei es möglich, die Sanierung in die Hände von Kasselwasser zu legen. Der Eigenbetrieb mache eine Ausschreibung für einen Rahmenvertrag. Wenn eine Firma beauftragt werde, 500 Leitungen zu sanieren, dann sei das für den Kunden günstiger, als wenn ein einzelner Privatkunde ein Unternehmen engagiere. Kasselwasser verdiene daran nichts, der Kunde spare schätzungsweise 20 Prozent, sagt Köhler. „Die Bürger haben aber die freie Entscheidung, ein Unternehmen ihrer Wahl zu beauftragen.“ Wenn der Zuleitungskanal saniert ist, bekomme der Grundstückseigentümer den Kasseler Entwässerungspass. Dieses Dokument sei auch von Vorteil, wenn man eine Immobilie verkaufen wolle.

Defekte Rohre könnten nicht nur dazu führen, dass das Grundwasser mit Fäkalien und Medikamentenresten verunreinigt wird, sondern auch zu unangenehmen Vorfällen im Haushalt in Form von einer Verstopfung.

Informationen unter http://www.ks-keb.de/index.html

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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