Raubüberfälle auf Taxifahrer: Landgericht schickt Drogenabhängigen hinter Gitter

Kassel. Das Taxi rollte noch, da öffnete der Fahrer die Tür und sprang auf die Straße. Denn gerade eben hatte ihm der Fahrgast auf der Rückbank eine Klinge an den Hals gehalten und Geld gefordert. „Ich hab gedacht, dass ich jeden Moment das Messer im Rücken habe“, erinnerte sich der 52-Jährige vor dem Kasseler Landgericht.

Zwar blieb er unverletzt, doch die Lust an seinem nächtlichen Nebenjob als Taxichauffeur hat er verloren. „Ich fahre nur noch ganz selten“, sagte er. „Wenn’s dunkel wird, habe ich ein mulmiges Gefühl.“

Die beiden Männer, die ihm kurz vor Weihnachten 2013 das erschütternde Erlebnis bescherten, müssen jetzt hinter Gitter: Den 37-jährigen Haupttäter verurteilte das Kasseler Landgericht zu fünfeinhalb Jahren Haft. Und es ordnete die Unterbringung des drogensüchtigen Mannes in einer Entziehungsanstalt an. Seinen 46 Jahre alten Mittäter, ebenfalls drogenabhängig, schickte die Strafkammer für drei Jahre und drei Monate ins Gefängnis.

An jenem Dezemberabend hatten sich die Angeklagten per Minicar vom Weinbergkrug zum Elisabeth-Krankenhaus fahren lassen - weil sie Geld für Kokain beschaffen wollten. Am Ziel angekommen, bedrohte der 37-Jährige den Fahrer deshalb mit einer rostigen Tapezierschere und presste ihm so mindestens 60 Euro ab.

Drei Stunden später gingen die Männer erneut auf Raubzug. Am Kulturbahnhof stiegen sie in das Taxi des 52-jährigen Zeugen und fuhren in die Wilhelmshöher Allee. Wo ihr Opfer die Schere für ein Messer hielt und sich mit dem beherzten Sprung aus dem Wagen rettete. Die Räuber türmten daraufhin mit seinem Portemonnaie, wurden aber wenig später am Rathaus von einer Polizeistreife festgenommen. Ihre Beute von gut 160 Euro hatten sie da noch bei sich.

Vor Gericht gaben die Angeklagten die Überfälle nach anfänglichem Zögern offen zu. Eigentlich, erzählte der 37-Jährige, habe er mit seinen Eltern in Rotenburg Weihnachten feiern wollen. Doch dann sei es zum Streit gekommen und er nach Kassel abgehauen. Wo er am Lutherplatz den 46-Jährigen kennenlernte, sich mit ihm für sein letztes Geld Kokain spritzte - und danach immer noch mehr wollte. „Ich hab überlegt, wie ich an Geld kommen kann“, sagte er. „Da bin ich auf Taxifahrer gekommen.“

Und sein neuer Kumpel machte mit. Ohne allzu sehr nachzudenken, wie er beteuerte. Obwohl beide Männer schon reichlich Vorstrafen angehäuft haben, hielt das Gericht den Älteren für weniger gefährlich - trotz mehr als 20 Jahren Drogenabhängigkeit hatte er bis dato noch keinen einzigen Raub begangen.

„Von sich aus machen Sie so was offenbar nicht“, befand Richter Jürgen Stanoschek schließlich. Und ohne den 37-Jährigen als „Katalysator“ wäre es wohl auch diesmal nicht passiert.

Von Joachim F. Tornau

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