Spohr-Museum: Führungen in leichter Sprache für Menschen mit Lernproblemen

Einfach in die Musikwelt

So erklingt das Instrument: Tina Dorschner (rechts) führte eine Gruppe durch Teile des Spohr-Museums. Hier zeigt sie Anette Bourdon, wie man die Geige zum Klingen bringt. Mit dabei: Ursula Le Grand (links) von der Baunataler Diakonie Kassel. Fotos: Malmus

Kassel. Im Alltag zieht Tina Dorschner Kerzen in der Werkstatt der Baunataler Diakonie. Nun führt die 23-Jährige eine Gruppe durchs Spohr-Museum. In leicht verständlicher Sprache bringt sie den Besuchern das Leben des berühmten Komponisten und Geigers nahe. Mit Fremdwörtern steht sie auf Kriegsfuß. „Damit komme ich nicht klar“, sagt die junge Frau.

Sie gehört zu elf neuen Führern des Spohr-Museums im Südflügel des Kulturbahnhofs, die künftig Rundgänge in leicht verständlicher Sprache anbieten. Der Fachbereich berufliche Integration der Baunataler Diakonie Kassel hat sie vermittelt. Drei Monate lang wurden die Männer und Frauen, die selbst Lernschwierigkeiten haben, auf diese Aufgabe vorbereitet. „Es waren intensive Schulungen“, sagte Museumspädagogin Ulrike Städtler am Samstag bei der Präsentation des Projekts, das das Spohr-Museum gemeinsam mit dem Verein „Menschen zuerst“entwickelte. Neben einer grundlegenden Einführung in das Museum und das Leben Louis Spohrs als Musiker, Komponist und Mensch standen Übungen mit dem Taktstock, ein Besuch beim Orchester des Staatstheaters und ein Stadtrundgang auf dem Programm, um in die Zeit Spohrs einzutauchen.

Zu den Kosten von 12 000 Euro steuerte der Rotary Club Kassel 6000 Euro bei, die andere Hälfte übernahm der Hessische Museumsverband. „Wir fanden die Idee sehr gut, in einem Museum diese Art von Hindernis zu überwinden“, sagte Rotarier Dr. Friedrich Waitz von Eschen. „Für das Spohr-Museum hat sich das Projekt schon jetzt gelohnt“, erklärte Städtler. „Wir haben einen anderen Blick auf die Objekte bekommen.“ Die Führer sollen regelmäßig eingesetzt und auch bezahlt werden. Einen konkreten Einsatzplan gibt es noch nicht. Museumsleiter Dr. Karl Traugott Goldbach verwies auf das gesellschaftliche Ziel der Teilhabe und die Probleme mancher Schulen, Schüler mit Behinderungen aufzunehmen. „Wir wollten das Museum auch für Menschen mit Lernschwierigkeiten zugänglich machen.“

Spohr-Museum, Franz-Ulrich-Straße 6 (Südflügel des Kulturbahnhofs); geöffnet Samstag und Sonntag 10 bis 16 Uhr sowie nach Vereinbarung.

Von Ellen Schwaab

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