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Kasseler Hotels kämpfen mit Energiekosten: Das sollten Gäste jetzt wissen

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Von: Bastian Ludwig

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Sie haben im Schlosshotel zwischen den Jahren alle Hände voll zu tun: Die stellvertretende Empfangsleiterin Anna Keller (von links), Rezeptionist Pierre Maurice Krüger und die Mitarbeiterinnen Annamaria Wiesmayr und Anna-Theres Großwiele in der Lobby des Hotels in Bad Wilhelmshöhe.
Sie haben im Schlosshotel zwischen den Jahren alle Hände voll zu tun: Die stellvertretende Empfangsleiterin Anna Keller (von links), Rezeptionist Pierre Maurice Krüger und die Mitarbeiterinnen Annamaria Wiesmayr und Anna-Theres Großwiele in der Lobby des Hotels in Bad Wilhelmshöhe. © Bastian Ludwig

Während sich die Übernachtungszahlen wieder schrittweise erholen, kämpfen die Kasseler Hotels inzwischen verstärkt mit den hohen Energie- und Einkaufskosten für Lebensmittel und Dienstleistungen. Einen Teil der zusätzlichen Ausgaben geben die Hoteliers an ihre Gäste weiter. Doch nicht alle Zuschläge sind zulässig.

Kassel – Viele Kasseler Hotels haben sich von der Talsohle der zurückliegenden beiden Corona-Jahre weitestgehend erholt. Eine wichtige Rolle spielte dabei die documenta. Auf HNA-Anfrage blickten die meisten Hoteliers zufrieden auf das Jahr 2022 und zeigten sich für das kommende Jahr optimistisch. Sorgen bereiten ihnen aber die gestiegenen Energiepreise sowie die höheren Einkaufspreise für Lebensmittel, Handwerker und sonstige Dienstleistungen. Zwar haben die meisten Häuser ihre Zimmerpreise um bis zu zehn Prozent erhöht, aber damit würden längst nicht alle gestiegenen Kosten an die Kunden weitergegeben.

„Die Energiekosten im Schlosshotel betrugen in den letzten Jahren fünf Prozent vom Umsatz. Aufgrund der Ankündigungen der Energieversorger müssen wir mit einer Verdoppelung dieser Kosten im nächsten Jahr rechnen“, so Gerhard Jochinger, Geschäftsführer von Schlosshotel und Hotel Schweizer Hof. Längerfristige Verträge mit den Versorgern bewahrten viele Häuser bislang noch vor großen Preissprüngen bei der Energie. „Inwieweit Gas- und Strompreisbremsen eine Entlastung bringen, bleibt abzuwarten“, so Jochinger.

Weil neben der Energie auch anderen Einkaufspreise und Dienstleistungen um 20 bis 30 Prozent teurer geworden seien, habe man die Zimmerpreise anpassen müssen, so Jochinger. So werde seit Kurzem eine Energiekostenumlage von fünf Euro pro Übernachtung verlangt.

Auch im Hotel Gude wurden die Zimmerpreise um vier bis fünf Prozent erhöht. „Eine stärkere Erhöhung hätten unsere Stammkunden nicht verziehen. Andere Häuser langen teils richtig zu“, so Hoteldirektor Jörg Redecker. Das Hotel Gude profitiere aktuell von einem Zwei-Jahres-Festvertrag bei der Fernwärme. Allerdings würden sich die um 15 Prozent gestiegenen Lebensmittelkosten bemerkbar machen.

Im Design-Konferenzhotel Steinernes Schweinchen seien die Preise auch um etwa fünf bis zehn Prozent erhöht worden, so Hotelmitarbeiterin Karina Beneddine. Die Buchungen hätten sich zuletzt positiv entwickelt – auch wenn das Vor-Corona-Niveau noch nicht erreicht sei.

Dies wird von den anderen befragten Hotelbetreibern so bestätigt. So blickt Felix Franke vom Hotel Elfbuchen optimistisch nach vorne. Zwar habe sich der Preis des für das Hotel benötigten Heizöls fast verdreifacht, aber die documenta und die steigende Nachfrage nach Feiern und Veranstaltungen wirkten dem entgegen.

Die Buchungen

Fast alle von der HNA befragten Hotels in Kassel sprechen von einer positiven Entwicklung. „Die Lage normalisiert sich wieder. Wir sind zufrieden“, sagt Jörg Redecker, Hoteldirektor im Hotel Gude. Ein Vergleich mit dem Vor-Corona-Jahr 2019 sei nicht zielführend. „Das war ein außergewöhnliches und gutes Jahr für die Branche. Das kann kein Maßstab sein“, sagt Redecker.

Felix Franke vom Hotel Elfbuchen im Habichtswald hatte noch Anfang 2022 Sorgen, wie sich das Geschäft entwickeln würde. Inzwischen ist er erleichtert. „2022 war ein gutes Jahr. Die documenta hat uns geholfen.“ Aber auch Feiern und Veranstaltungen seien verstärkt angefragt worden. Die Reservierungen für 2023 seien gut.

„Das Buchungsverhalten, hat sich gegenüber dem Vorjahr sehr positiv entwickelt, wir sind erfreut, dass wir wieder auf Vor-Corona-Niveau angelangt sind“, sagt Gerhard Jochinger, der das Schlosshotel und den Schweizer Hof betreibt.

Während man auch im Hotel Steinernes Schweinchen am Brasselsberg zufrieden ist, hat das Palmenbad Boutiquehotel einen Gästerückgang verzeichnet. „Im Vergleich zu November/Dezember 2021 haben wir 2022 einen Rückgang der Belegung um etwa 15 Prozent“, sagt Betreiber Daniel Pahl.

Seit Kurzem als neuer Hoteldirektor in Kassel aktiv: Jörg Redecker im Hotel Gude.
Seit Kurzem als neuer Hoteldirektor in Kassel aktiv: Jörg Redecker im Hotel Gude. © Bastian Ludwig

Die Energiekosten

Die stark gestiegenen Energiekosten machen sich beim Betrieb der Hotels deutlich bemerkbar. Im Hotel Palmenbad machen diese inzwischen fast zehn Prozent des Umsatzes aus. Im vergangenen Jahr seien es keine vier Prozent gewesen, sagt Pahl. Auch wegen der Energiepreise habe man die Zimmerpreise um zehn Prozent erhöhen müssen.

Hotelbetreiber Gerhard Jochinger weist darauf hin, dass Hotels mit Wellness-Bereichen und großen Küchen – wie etwa das Schlosshotel Bad Wilhelmshöhe – in besonderem Maße von den hohen Energiekosten betroffen seien. Dies zeige sich etwa im Vergleich mit seinem zweiten Hotel, dem Schweizer Hof, wo es kein Schwimmbad gebe.

Im Hotel Elfbuchen haben dreifach so hohe Heizölkosten und um 25 Prozent gestiegene Stromkosten Felix Franke zu Sparmaßnahmen veranlasst. „Wir haben die Außenbeleuchtung zurückgefahren und strahlen auch nicht mehr den Elfbuchenturm an“, sagt der Betreiber. Dies mache sich bemerkbar. Für Franke ist klar, dass er die gestiegenen Kosten nicht einfach 1:1 an die Kunden weitergeben könne. Letztlich sorge dies für eine niedrigere Marge.

Der Verbraucherschutz

Nach Auskunft der Verbraucherzentrale Hessen sind Energiezuschläge der Hotelbetreiber nur zulässig, wenn diese bei Vertragsabschluss dem Kunden bekannt sind. Es reiche nicht aus, wenn erst in der Buchungsbestätigung auf einen Zuschlag hingewiesen werde, so Peter Lassek, Anwalt der Verbraucherzentrale.

Bei der Buchung müsse der gesamte Übernachtungspreis inklusive aller Zuschläge ausgewiesen sein. Alles andere müsse der Kunde auch nicht bezahlen.

Diesbezüglich gebe es nur ganz wenige Ausnahmen, wie etwa kommunale Gebühren wie die Kurtaxe, die nicht zum Übernachtungspreis des Hotels zählen. Diese seien zu bezahlen, wenn der Hotelier darauf hingewiesen hat.

Bei Preisänderungsklauseln im Kleingedruckten handele es sich in den allermeisten Fällen um überraschende und ungewöhnliche Klauseln, die letztlich dem Transparenzgebot (Paragraf 307 BGB) zuwiderliefen.

„Der unbefangene Kunde muss nicht damit rechnen, dass neben dem ausgewiesenen Übernachtungspreis weitere, versteckte Kosten anfallen. Auch der einfache Zusatz „Änderungen vorbehalten“ könne in aller Regel ignoriert werden. Das sei zu allgemein und pauschal, sagt Lassek.

Pauschalurlauber seien anders als Individualtouristen nicht generell vor Preissteigerungen sicher. Veranstalter können sich in ihren AGBs Preiserhöhungen vorbehalten, beispielsweise um überraschend gestiegene Kraftstoffpreise oder Flughafengebühren durchzureichen. (Bastian Ludwig)

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