Prozess um Schadensersatz für Feuerwerksschäden endet mit Vergleich

Prozess um Schadensersatz für Feuerwerksschäden: Einigung im Böllerstreit

Kassel. Wenn das Thermometer langsam auf die 40-Grad-Marke zusteuert, dürfte kaum ein Gedanke ferner liegen als der an Winter und Silvesterfeuerwerk. Dennoch musste sich das Kasseler Landgericht am Freitag mit Jahresendzeitböllern beschäftigen.

Und das nicht zum ersten Mal: Wieder einmal ging es um den seit Jahren schwelenden Konflikt zwischen dem Inhaber eines Modehauses an der Wilhelmsstraße und den feuerwerksfreudigen Gastronomen in seiner Nachbarschaft.

„Es ist wie im Krieg“, hatte der Mann nach der Jahreswende 2008/2009 zu Protokoll gegeben. Damals waren auf der Wilhelmsstraße mehrere schwere Raketenbatterien mit jeweils 150 Schuss abgefeuert worden, die ein Gastwirt in Belgien erworben hatte - und die in Deutschland verboten waren. Wegen dieses Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz war der Gastronom später per Strafbefehl zu einer Geldstrafe von 4800 Euro verdonnert worden. Die er auch akzeptierte und bezahlte.

Mehr als viereinhalb Jahre nach jener explosiven Silvesternacht stand nun die zivilrechtliche Auseinandersetzung auf dem Programm: Die Gebäudeversicherung des Textilkaufmanns wollte den Kneipier in Regress nehmen für die Schäden, die die Raketen an Fenstern und Fassade des Modehauses angerichtet hatten - und die nicht eben geringfügig gewesen sein sollen: Mehr als 10.000 Euro hat die Versicherung dafür berappt.

Rund 70 Prozent dieser Summe verlangte sie jetzt von dem Gastwirt zurück. Und ihre Chancen standen, wie Richterin Veronika Kuschel-Kircher erklärte, nicht schlecht: „Die bisher vorliegenden Beweismittel deuten auf eine Haftung des Beklagten hin.“ Wegen der illegalen Böller.

Dennoch wäre vor einem Urteil wahrscheinlich noch ein teures Sachverständigengutachten einzuholen, gab die Richterin zu bedenken - und riet den Beteiligten deshalb „dringend“ zu einem Vergleich. Eine Reduzierung der Forderung um 20 Prozent schlug Kuschel-Kircher vor:

„So etwas in dem Dreh wäre angemessen.“ Worauf sich Beklagtenanwalt Elias Hofmeister mit seinem Gegenüber auf eine Summe von 5600 Euro verständigte – vorbehaltlich eines Widerrufs innerhalb von zwei Wochen allerdings. „Es kommt darauf an, was die Haftpflichtversicherung meines Mandanten dazu sagt.“ Wenn die nicht einspringen wolle, müsse man die Sache wohl doch bis zum Ende durchfechten.

Von Joachim F. Tornau

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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