Im Kulturzentrum Karoshi in der Nordstadt öffnete ein Umsonstmarkt seine Pforten

Einkaufen ganz ohne Geld

Alles da: Auch Eishockeyfans konnten im Umsonstladen fündig werden. Karl und Rita Lohfink bestaunen mit Nadine Schomburg und Maja Krauß (von links) einen Schläger für den Sport. Foto: Koch

kassel. Nach Herzenslust einkaufen und nichts dafür bezahlen müssen: Im Kulturzentrum Karoshi an der Gießbergstraße in der Nordstadt war dies am Samstag möglich. Dort bot die Initiative „Umsonstladen Kassel“ Spielsachen, Bücher und Weihnachtsschmuck an. Ein vorerst einmaliges Angebot, das aber zu einer festen Einrichtung werden soll. Die Initiative sucht dafür noch Räume.

Cornelia Heichel wurde in dem ungewöhnlichen Markt schnell fündig. Die 45-Jährige, die als Ein-Euro-Jobberin in der Nachbarschaftshilfe tätig ist, entdeckte eine graue Kapuzenjacke und freute sich darüber. Die Mutter von drei erwachsenen Kindern war hellauf begeistert. „Eine tolle Sache, dass es nicht immer um den schnöden Mammon geht“, sagte sie und lobte die freundliche und angenehme Atmosphäre. Für die Besucher gab es warme Getränke und Weihnachtsplätzchen. Und es entspann sich so manches Gespräch über den ungewöhnlichen Laden, in dem Geld keine Rolle spielt.

Vorbild Hamburg

Die Idee für den Umsonstladen hatte die in der Anti-Atomkraftbewegung engagierte Nadine Schomburg aus Hamburg mitgebracht, wo sie einige Jahre lebte. „In Hamburg gibt’s schon den zweiten Umsonstladen, und der dritte ist in Planung“, berichtete die 34-Jährige. Die zurzeit arbeitslose Umweltwissenschaftlerin und Gärtnerin weiß, was es heißt, mit wenig Geld auskommen zu müssen. Mit dem Vorschlag, in Kassel ebenfalls einen Umsonstladen zu etablieren, war sie bei ihren Mitstreitern Alex Löhr (31) und Martina Heuckeroth-Hartmann (46) auf offene Ohren gestoßen. Der freie Künstler und die Sozialarbeiterin waren sofort davon angetan.

„Die Idee ist spitze“, fand auch Rita Lohfink aus dem Stadtteil Jungfernkopf, die sich am Nachmittag mit ihrem Sohn Karl in dem Umsonstladen umschaute. „Ich kannte das überhaupt nicht und auch diese Ecke nicht“, sagte sie. Über die Medien hatte sie von dem Umsonstladen erfahren. Sie bedauerte nur, dass sie nichts mitgebracht hatte. „Wenn ich das gewusst hätte“, sagte sie. „Wir haben noch etliches zu Hause.“

Ihrem Sohn Karl gefiel der ungewöhnliche Laden ebenfalls. So könnten auch Kinder aus ärmeren Familien öfter in den Genuss neuer Spiele kommen. Etwas von großem Wert wie zum Beispiel einen Computer mitzunehmen, würde er sich aber nicht trauen, sagte der 16-Jährige. Am Ende entdeckte der Jean-Paul-Schüler ein beliebtes Computerspiel, das er mit nach Hause nahm.

Computer selbst waren nicht im Angebot. Dafür Bücher, Kartenspiele, Kuscheltiere, Schlittschuhe und vieles mehr. Wer noch etwas Weihnachtliches suchte, der konnte unter anderem zwischen Kerzen, Sternen und roten Weihnachtskugeln wählen.

Allzu vieles wechselte aber nicht den Besitzer. „Es wurde mehr gespendet als mitgenommen“, bilanzierte Axel Löhr. Das könnte sich ändern, wenn das Angebot zu einer festen Einrichtung wird.

Kontakt: Alex Löhr, Telefon 01 76/61 57 38 83, E-Mail: umsonstladen-kassel@arcor.de Spenden zur Finanzierung weiterer Aktionen sind willkommen.

Von Ellen Schwaab

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.