Wenn einfach die Luft wegbleibt

Einmalig in Hessen: Das Luftnot-Zentrum am Kasseler Marienkrankenhaus

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Das Atmen fiel schwer: Silvia Schwarzbach kam mit akuter Luftnot ins Marienkrankenhaus. Am Lungenfunktionsgerät testet Dr. Andreas Bastian ihre Lunge. Das Gerät ist eines von vielen aus verschiedenen fachärztlichen Bereichen, die das Luftnot-Zentrum für die Diagnose nutzen.

Kassel. „Jetzt stirbst du“ - dieses Gefühl hatte Silvia Schwarzbach vor einigen Nächten. Geschwächt von einer Grippe und einer Lungenentzündung, fiel ihr das Atmen schwer.

„Die Luftnot wurde immer schlimmer, so etwas hatte ich noch nie erlebt“, erzählt die Krankenschwester aus Körle. Am Mittwochmorgen kam sie ins Marienkrankenhaus Kassel und ist dort eine der ersten Patientinnen, die im neu eröffneten Luftnot-Zentrum behandelt werden.

Das Besondere an der neuen Einrichtung für Notfälle ist die fachübergreifende Zusammenarbeit. Bei Diagnose und Therapie arbeiten Beatmungsmediziner, Pneumologen, Kardiologen, Allergologen, Labormediziner und Atmungstherapeuten Hand in Hand. Aufgenommen werden Patienten, die an akuter Luftnot leiden. Für sie stehen vier Betten bereit.

Das Luftnot-Zentrum ist an die Medizinische Klinik des Marienkrankenhauses angegliedert und wird geleitet von Privatdozent Dr. Andreas Bastian, Chefarzt der Pneumologie am Marienkrankenhaus, und Dr. Martin Konermann, Chefarzt der Medizinischen Klinik. Größere Investitionen waren nicht erforderlich, da das Zentrum nach Aussage von Michael Schmidt, Geschäftsführer des Marienkrankenhauses, auf vorhandene Fachkräfte und Apparaturen zurückgreifen kann.

Dr. Martin Konermann

„Luftnot wird von den meisten Betroffenen als äußerst beängstigend oder sogar lebensbedrohlich empfunden. Sie kann ganz verschiedene Gründe haben“, sagte Dr. Bastian am Freitagvormittag anlässlich der Eröffnung des Zentrums. Die Ursachen reichen von Lungen- über akute Herzerkrankungen bis hin zu Allergien, Infektionen oder Blutarmut. Zudem können auch psychische Zustände wie Angst und Panik das Symptom auslösen.

„An diesem Spektrum wird deutlich, warum die Ursachen von Luftnot nur interdisziplinär diagnostiziert und therapiert werden können“, erklärte Prof. Konermann. Obwohl Luftnot zu den häufigsten Beschwerden gehöre, die Patienten beim Arztbesuch schildern, wird das Symptom nach Aussage von Dr. Bastian oft nicht ernst genommen. Das war auch bei Stefanie Bock so. Vor zwei Jahren hatte die heute 35-Jährige plötzlich Schwierigkeiten, tief einzuatmen. „Als Luftnot habe ich das gar nicht empfunden“, erinnert sie sich. Erst als nach vier Tagen ein stechender Schmerz beim Atmen dazukam, ging sie zum Arzt. Die Diagnose: Lungenembolie, ausgelöst durch eine Beckenvenen-Thrombose. „Das war ein Schock. Damit hatte ich nicht gerechnet“, sagt die sportliche Frau. Seitdem achtet sie bewusster auf ihre Atmung.

Auch Dr. Bastian plädiert dafür, „niederschwellige Symptome sehr ernst zu nehmen. Sie könnten der Anfang von etwas Schlimmerem sein.“

Laut Marienkrankenhaus ist das Luftnot-Zentrum das erste in Hessen. Auch aus anderen Bundesländern ist Prof. Konermann nichts Vergleichbares bekannt. „Wir sind Pioniere in diesem Bereich. Das Symptom Luftnot wird immer wieder unterschätzt.“

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