Einnahme derzeit unnötig: Experten warnen vor Jodtabletten

Karin Müller

Kassel. Vor der Einnahme von Jodtabletten wegen der Atomkatastrophe in Japan warnt das Gesundheitsamt der Region Kassel.

Es gebe keinen Grund, wegen der dramatischen Situation in den japanischen Kernkraftwerken und dem Austritt von Radioaktivität bei uns in Deutschland Jodtabletten einzunehmen, erklärt die Leiterin des Gesundheitsamtes, Dr. Karin Müller. Aufgrund der Nebenwirkungen sei die Einnahme dieser Tabletten nicht nur unnötig, sondern definitiv als schädlich anzusehen.

Auch bei ungünstigster Entwicklung in den japanischen Anlagen sei aufgrund der großen Entfernung zu Deutschland nicht mit relevanten radiologischen Auswirkungen zu rechnen und auch nicht mit Strahlenbelastungswerten, die die Einnahme von Jodtabletten rechtfertigen würden, begründet Karin Müller die Warnung des Gesundheitsamtes.

Keine erhöhte Nachfrage

Bisher wird in den Apotheken in der Region noch keine steigende Nachfrage nach Jodtabletten beobachtet. „Vermutlich aufgrund der großen Entfernung sind die Kunden nicht sonderlich aufgeregt“, berichtet Dr. Edmar Seebach, Inhaber der Söhre-Apotheke in Lohfelden und Sprecher der Apotheker in Stadt und Kreis Kassel.

Die Warnung vor der Einnahme von Jodtabletten hält der Pharmazeut für angemessen: „Es hat keinen Sinn, jetzt Tabletten zu nehmen.“

Weil eine mit Jod gesättigte Schilddrüse kein radioaktives Jod mehr aufnimmt, wird bei Atomunfällen wie derzeit in Japan und hoher radioaktiver Belastung der Umwelt die vorbeugende Einnahme von Jod empfohlen. Radioaktives Jod wird vom Körper über Atemluft, Nahrung, Getränke und über die Haut aufgenommen. Es reichert sich in der Schilddrüse an und kann dort zu Organschäden führen. Zwar kann durch die Einnahme von Jodtabletten die gefährliche Speicherung von radioaktivem Jod im Körper verhindert werden, die Tabletten schützen aber nicht vor radioaktiven Stoffen.

Höhere Dosen schaden

Ärzte warnen immer wieder davor, auf eigene Faust Jod in höheren Dosen einzunehmen. Bei manchen Menschen können Jodgaben das Risiko für Erkrankungen der Schilddrüse erhöhen. Deshalb ist auch die generelle Verwendung von Jodsalz in Nahrungsmitteln umstritten.

Laut Bundesamt für Strahlenschutz ist in Europa nur mit geringfügigen Auswirkungen der radioaktiven Wolken über Japan zu rechnen. Die in Europa auftretende Strahlenbelastung werde voraussichtlich keine Höhe erreichen, die gesundheitlich von Bedeutung sei. Deshalb seien Strahlenschutzmaßnahmen nicht erforderlich. (ach)

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