Tapfer präsentierten sich am Samstag Parteien und Oberbürgermeister-Kandidaten auf der Oberen Königsstraße

Einsames Wähler-Werben im Schnee

Kalte Finger: Die CDU mit ihrem OB-Kandidaten Ernst Wegener (Zweiter von links). Außerdem auf dem Foto (von links): Alexander Reingardt, Dr. Norbert Wett und Eva Kühne-Hörmann.

Kassel. Wahlkampf - kein einfaches Geschäft dieser Tage. Wenn es schneit, windet und Kalte-Füße-Wetter herrscht, kommen die Politiker auf der Straße nur schwer ins Gespräch mit ihren Wählern. Niemand bleibt gerne am Stand stehen, wenn’s kalt und nass ist.

Passanten hasten vorbei: Die Wetterbedingungen machten es den Wahlkämpfern am Samstag nicht leicht, ihre Informationen an den Wähler zu bringen. Hier müht sich im Schneegestöber Renate Meischke vom Kreisvorstand der Linken ab.

Trotz deprimierender Wetterbedingungen war die Stimmung an den Ständen entlang der Oberen Königsstraße am Samstag blendend. „Ob’s stürmt oder schneit, wir sind bereit“, dichtet Norbert Sprafke gut gelaunt und verteilt mit einem halben Dutzend Genossen durchnässte Broschüren für den SPD-Kandidaten, Oberbürgermeister Bertram Hilgen. „Haben Sie auch Kugelschreiber?“, fragt eine ältere Frau. Na klar. An Infos ist an diesem Morgen kaum einer interessiert. „Trotzdem ist es wichtig, hier zu sein“, sagt Anke Bergmann: „Die Leute erwarten, dass wir ansprechbar sind.“ „Es ist auch nicht anstrengend: Wir wechseln uns ja im Straßenwahlkampf ab“, sagt Sprafke. „Ich kenne das, seit ich sechs bin“, sagt Christian Geselle. Schon als Kind habe er seinen Opa auf Wähler-Tour begleitet.

Nichtwähler überzeugt

Volker Berkhout am Stand der Piratenpartei kämpft mit Sonnenschirm und nassem Schnee. 

Dicke Schneeflocken klatschen gegen die Passanten, die mit gesenkten Köpfen vorbeihasten. Es herrscht kaum Betrieb. Um 11.30 Uhr trifft Kunstministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) am Café Alex eine pragmatische Entscheidung: „Das schneit sich jetzt ein. Wir packen zusammen.“ Schließlich seien die Christdemokraten vor drei Wochen neben der Piratenpartei die Ersten gewesen im Straßenwahlkampf auf der Königsstraße. Die kalten Füße haben sich aber auch heute gelohnt, meint Ernst Wegener und strahlt. Er habe sogar einen Kasseler, der sich als Nichtwähler bezeichnete, davon überzeugt zu wählen: und zwar ihn, den Oberbürgermeister-Kandidaten der CDU.

Zugeschneites Plakat vom OB: Leicht durchnässte Broschüren verteilten die Genossen am SPD-Stand. Vorn von links: Sarah Schumacher und Christian Geselle.

Je weiter man sich dem inzwischen eingeschneiten Königsplatz nähert, desto mehr steigt die Stimmung - trotz wetterbedingten Desinteresses potenzieller Wähler. Die Kasseler Linke hat gleich an die 20 Helfer aller Altersstufen aufgefahren, darunter die Musiker der Live-Band Bluebardix. Sie trotzten der Kälte und spielten unter einem Zelt unverdrossen Rockiges von Eric Clapton und Co. „So kennen wir die Politiker: Immer die Hände in den Hosentaschen“, ruft ein hämischer Passant den frierenden Linken und ihrem OB-Kandidaten Kai Boeddinghaus zu. Die aber haben nur ein Grinsen und Schulterzucken für solche Äußerungen übrig. „Wetter und Widerstände sind uns egal, wir sind hartnäckig“, sagt Linken-Stadtverordneter Axel Selbert: „Ich bleibe hier bis eins.“

Als schließlich alle durchgefroren abgezogen sind, wagt sich auch die Piratenpartei mit ihrem OB-Kandidaten Olaf Petersen in den Schnee - im Kampf um die Gunst der vorbeiziehenden Wähler.

Von Christina Hein

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