Warum der Kasseler Frank Schröder das Bundesverdienstkreuz bekam

Einsatz für Deutsche Schule in Schanghai

 Ingrid Schröder (links) und ihre Eltern Ursula und Frank Schröder vor der Skyline von Schanghai. Dort hatte sich Frank Schröder besonders für Ingrids Schule engagiert.
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Nach 30 Jahren zurück in Kassel: Ingrid Schröder (links) und ihre Eltern Ursula und Frank Schröder vor der Skyline von Schanghai. Dort hatte sich Frank Schröder besonders für Ingrids Schule engagiert.

Für sein Engagement in China bekam der Kasseler Frank Schröder das Bundesverdienstkreuz verliehen.

Kassel. Dass er mal fast 30 Jahre seines Lebens in Fernost und Ozeanien – in China, Indonesien und Südkorea – verbringen, dort eine Familie gründen und sich in Schanghai im Schulverein seiner Tochter engagieren würde, das hätte sich der frischgebackene Elektrotechnik-Ingenieur aus Heckershausen im Jahr 1995 niemals träumen lassen.

Seine Mutter, die den Sohn nur schweren Herzens gehen ließ, tröstete er damals: Ist doch nur für drei Jahre. Solange sollte er nämlich laut Vertrag für den TÜV Rheinland in Hongkong tätig sein. Den Freunden, die ihn bewunderten, sagte er: Ist doch nichts dabei.

Bevor er abreiste, gab ihm seine Schwester die Adresse einer entfernt bekannten Familie aus Kassel, die seit 1956 in Hongkong lebte. „Meld dich doch mal bei denen, wenn du Heimweh hast“, riet sie dem Bruder. Es war ein Schicksalswink, denn Schröder verliebte sich in Ursula, die Tochter der Ex-Kasseler. Später wurde die junge Krankenschwester seine Frau.

Jetzt – eigentlich schon im Dezember – ist Familie Schröder nach Kassel zurückgekehrt. Frank Schröder möchte sich in der alten Heimat beruflich neu ausrichten.

Quasi zur Begrüßung erhielt er für sein „weltoffenes Engagement und seinen außergewöhnlichen Einsatz“ in China aus den Händen von Oberbürgermeister Christian Geselle das vom Bundespräsidenten verliehene Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

Die Initiative hierfür war vom Generalkonsulat in Schanghai und der deutschen Botschaft in Peking ausgegangen. Eigentlich sollte die Ehrung in China vollzogen werden. Aber Corona brachte auch diese Pläne durcheinander. Die Auszeichnung hat der 56-Jährige in erster Linie für sein Engagement im Förderverein der Deutschen Schule in Schanghai erworben. Tochter Ingrid hatte dort 2015 Abitur gemacht. Der Traditionsverein ist in Schanghai Träger von zwei Schulen, dem Deutschen und dem Französischen Gymnasium. „Ohne das Engagement aus der Elternschaft würde da nichts laufen“, sagt Frank Schröder. Im Zentrum seiner Arbeit im Vereinsvorstand standen große Bauprojekte. Unter anderem entstand für die jeweils eigenständigen Schulen ein gemeinsamer Euro-Campus mit einer Infrastruktur wie Kantine, Theater und Sportanlagen. Schröder betont: „Alles im Sinne des Europa-Gedankens.“

Von Anfang an war der Nordhesse Schröder beteiligt: an der Grundstückssuche, an der Planung und an der Bauausführung. Ab 2015 war er Mitglied im deutsch-französischen Bauausschuss.

Die Deutsche Schule Schanhai ist mit 1250 Schülern die größte Auslandsschule mit deutschsprachigem Abschluss weltweit. Sie ist kultureller Mittelpunkt und Standortfaktor für die ansässigen deutschen Firmen und Organisationen.

Frank Schröder, der an der Kasseler Max-Eyth-Schule Abitur gemacht hat, war nach seiner Tätigkeit für den TÜV Rheinland für das deutsche Handelshaus sowie deutsche Firmen unter anderem in der Textilmaschinenbranche in China, Südkorea und Indonesien beschäftigt.

Chinesisch spreche er nur leidlich, gibt er zu. „Ich habe leider nicht das Ohr für die chinesischen Töne.“ Aber Englisch sei auch in China eine Sprache, mit der man im Berufsleben problemlos zurechtkomme.

Sicher, räumt Schröder ein, es gebe auch negative Aspekte des Lebens in einer 26-Millionen-Einwohner-Stadt wie Schanghai: etwa die Luftverschmutzung und der Moloch Verkehr. Altwerden wollte er dort nicht. Auch die neuerliche chinesische Abschottungspolitik gefalle ihm nicht. Aber das Arbeiten habe ihm immer Freude gemacht. „Es gibt in China viel weniger Bedenkenträger. Wenn man etwas wagen möchte, heißt es: Das machen wir.“

Gerne blickt Frank Schröder zurück und befindet: „Ich habe dort ein ganz normales Leben geführt.“ (Christina Hein)

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