Kundgebung

Warnstreik in Kassel: Landesbeschäftigte fordern fünf Prozent mehr Lohn

Protest mit der Kettensäge: Beschäftigte des Landesbetriebs Hessen Forst auf der Kundgebung in Kassel.
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Protest mit der Kettensäge: Beschäftigte des Landesbetriebs Hessen Forst auf der Kundgebung in Kassel.

Mit einem Warnstreik in Kassel haben am Dienstag knapp 400 Landesbedienstete aus ganz Nordhessen mehr Lohn und die Entfristung von Arbeitsverträgen gefordert.

Kassel – Mitarbeiter von Hessen Forst ließen auf dem Königsplatz ihre Kettensägen aufheulen, Mitglieder der Polizeigewerkschaft schlugen für ihre Forderung nach fünf Prozent mehr Lohn die Trommel: Mit einem Warnstreik machten die Gewerkschaften am Dienstagvormittag in Kassel für ganz Nordhessen den ersten großen öffentlichen Aufschlag in der aktuellen Tarif- und Besoldungsrunde für die Landesbeschäftigten. Zur Kundgebung in Kassel, Aktionen fanden gestern auch in Wiesbaden, Darmstadt und Gießen statt, hatte die Gewerkschaft Verdi aufgerufen.

Nach ihren Angaben nahmen an dem Warnstreik auf dem Königsplatz knapp 400 Mitarbeiter von Dienststellen der Landesverwaltung teil. Unter den Teilnehmern waren Beschäftigte von Hessen Mobil, der Bezügestelle, des Regierungspräsidiums, der Finanzämter, der Amtsgerichte, der Landesfeuerwehrschule, des Versorgungsamtes, Justizvollzugsanstalten in Kassel und Schwalmstadt, der Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK) und der Universität Kassel.

Eineinhalb Jahre hätten die Beschäftigten in der Pandemie mit ihrem Einsatz den Betrieb aufrechterhalten, sagte Verdi-Landesbezirksleiter Jürgen Bothner. Vom Land habe es bislang nur Lob gegeben. Von Lob könnten sich die Beschäftigten aber nichts kaufen, der Einsatz müsse sich endlich auszahlen. Bothner: „Den Worten müssen jetzt auch Taten folgen.“

Noch immer habe das Land zu der Fünf-Prozent-Forderung der Gewerkschaften kein Angebot vorgelegt. Deshalb gelte es, vor der am Donnerstag beginnenden zweiten Verhandlungsrunde die Schlagkraft zu erhöhen und gemeinsam Stärke zu zeigen, so Bothner. Kritik übte der Verdi-Landeschef auch an den massenhaften Befristungen und Zeitverträgen an den hessischen Hochschulen.

Nach betrieblichen Aktionen in der vergangenen Woche wollten die Gewerkschaften mit diesen ersten Warnstreiks an vier Standorten den Druck auf das Land als Arbeitgeber erhöhen. „Da geht noch was. Da muss noch mehr gehen“, sagte Jenny Huschke, Geschäftsführerin des DGB Nordhessen. Mit den Warnstreiks in Hessen würden die Landesbeschäftigten ein Signal setzen. Bundesweit gucken heute die Beschäftigten anderer Länder auf euch“, meinte Huschke in Richtung der Teilnehmer.

Zudem unterstrichen bei der Kundgebung Stefan Rüppel (Gewerkschaft der Polizei), Martin Blackert (Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt), Simon Aulepp (GEW) und Ajla Rizvan, studentische Hilfskraft der Uni Kassel, ihre Forderung nach mehr Lohn und Entfristung von Arbeitsverträgen.

Die Gewerkschaften fordern in der Tarifrunde für die etwa 45 000 Landesbeschäftigten fünf Prozent mehr Geld, mindestens aber 175 Euro. Das Entgelt für die Auszubildenden soll um 100 Euro im Monat erhöht werden. Zudem werden eine Erhöhung der Jahressonderzahlung, die Ausweitung unbefristeter Beschäftigungsverhältnisse im Hochschulbereich sowie Regelungen beim Home-Office/Mobiles Arbeiten erwartet.

Verdi verhandelt mit den Gewerkschaften Erziehung und Wissenschaft GEW, der Industriegewerkschaft Bauen Agrar Umwelt IG BAU, der Gewerkschaft der Polizei GdP und dem dbb Beamtenbund und Tarifunion. Die Verhandlungen werden ab Donnerstag in Dietzenbach fortgesetzt.

(Andreas Hermann)

Verdi-Landeschef Jürgen Bothner: „Wir müssen Druck ausüben wie bei einer Zahnpasta-Tube – bis oben etwas rauskommt.“
Mit Fahnen und Transparenten: Mitarbeiter von Landes-Dienststellen in und um Kassel forderten beim Warnstreik auf dem Kasseler Königsplatz mehr Lohn und die Entfristung ihrer Arbeitsverträge. Das Foto entstand vorab, während der Kundgebung herrschte Maskenpflicht.

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