Mieterbund und DGB warnen vor Verkauf von sozialem Wohnungsbauunternehmen

Einsatz für die Wohnstadt

Beispiel für den Wiederaufbau nach dem Krieg in Kassel: Viele Häuser in der Innenstadt wurden von der Wohnstadt gebaut. Die Aufnahme aus dem Jahr 1954 zeigt die Mittelgasse. Foto:  privat / nh

Kassel. Es geht um 5500 Wohnungen in Kassel, um bezahlbaren Wohnraum und die Zukunft eines sozial engagierten Unternehmens. Gemeinsam warnen der Mieterbund und der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) Nordhessen vor einem Verkauf der Nassauischen Heimstätte /Wohnstadt.

Allein der für viele immer noch ungewohnte Doppelname macht deutlich, dass Bewegung in das Unternehmen gekommen ist. Die alte Wohnstadt mit Sitz in Kassel, die beim Wiederaufbau nach dem Krieg ganze Quartiere am Entenanger, an der Mittelgasse oder dem Pferdemarkt hochgezogen hat, gibt es bereits seit 2005 nicht mehr. Unter dem Dach der Nassauischen Heimstätte /Wohnstadt hat das Unternehmen einen Bestand von 61 000 Wohnungen in ganz Hessen. „Wir befürchten, dass die Verkaufspläne der Landesregierung nach wie vor nicht vom Tisch sind“, sagt der nordhessische DGB-Vorsitzende Michael Rudolph.

Vor möglichen negativen Folgen warnt der Geschäftsführer des Mieterbundes Nordhessen, Ingo Groß. Beim Übergang der Bundesbahn-Wohnungsbaugesellschaft zur Deutschen Annington habe man das beispielhaft beobachten können. „Die Mieten wurden erhöht, die Instandhaltung heruntergefahren und das soziale Quartiersmanagement komplett eingestellt“, sagt Groß.

Unterschriften für Erhalt

Mit einer Unterschriftenaktion wollen DGB und Mieterbund Druck für den Erhalt der Wohnstadt machen. Bisher gebe es bereits 6000 Unterschriften. Jetzt wolle man die Mieter direkt ansprechen und die Aktion zu einem zentralen Thema bei den Aktivitäten zum 1. Mai (Tag der Arbeit) machen.

Mit Quadratmeterpreisen zwischen 3,50 und fünf Euro biete die Wohnstadt bislang günstigen Wohnraum für Menschen, die mit einer geringen Rente, Hartz IV oder Teilzeiteinkünften als Alleinerziehende auskommen müssten, sagt Wolfgang Schödel vom Personalrat des Unternehmens. Sollte das nicht mehr möglich sein, kämen auf die Kommunen höhere Sozialkosten zu.

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Von Thomas Siemon

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