Helge Thiele arbeitet seit 20 Jahren im Rettungsdienst

Sanitäter kritisiert: Patienten verschweigen Rettern nicht selten Corona-Infektion

Ein Rettungssanitäter steht vor einem Rettungswagen.
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Hat nahezu täglich mit Coronafällen zu tun: Helge Thiele aus Ahnatal ist über den Zivildienst vor gut 20 Jahren in den Rettungsdienst gekommen.

Ein Sanitäter aus Kassel kritisiert die derzeitige Corona-Situation. Viele Patienten verschweigen demnach eine Infektion mit dem Coronavirus.

Kassel - Helge Thiele arbeitet seit 20 Jahren im Rettungsdienst. Er sagt, dass es nicht selten vorkommt, dass Patienten den Einsatzkräften verschweigen, wenn sie bereits positiv auf Corona getestet worden sind.

Viel gibt es da nicht mehr, was einen aufregt, beschreibt es der 42-jährige Ahnataler, der beim Deutschen Roten Kreuz Kassel-Wolfhagen tätig ist. Der Transport von Corona-Patienten ist mittlerweile für ihn und seine Kollegen zum Alltag geworden. Etwas gibt es aber doch, über das sich Thiele ärgert: „Wenn Patienten den Einsatzkräften nicht sagen, dass sie bereits positiv auf Covid-19 getestet worden sind“, sagt er. „So lässt man uns ins offene Messer laufen. Die Infektion zu verschweigen, ist unfair.“

Sanitäter aus Kassel: Menschen rufen Rettungsdienst wenn sich die Corona-Symptome verschlimmern

So sei es mehrfach vorgekommen, dass Infizierte, die bemerken, dass sich die Symptome bei ihnen verschlimmern, den Rettungswagen rufen. Das positive Testergebnis erwähnten sie nicht, so Thiele. „Dabei ist die Sorge unbegründet, wir behandeln jeden und sind immer für die Patienten da.“

Durch Verschweigen gefährde man nicht nur die Rettungskräfte, die sich unwissend anstecken können, sondern eben auch andere Patienten. Wer mit Covid-19 infiziert ist, der wird in der Notaufnahme von anderen Patienten getrennt. Wissen das die Rettungskräfte nicht und sind die Symptome nicht typisch für das Virus, ist das nicht automatisch der Fall. „Auch ist es nicht für alle Patienten selbstverständlich, eine Maske zu tragen, wenn die Rettungskräfte eintreffen“, sagt Thiele. „Vorausgesetzt natürlich, dass man dazu körperlich in der Lage ist.“ Auch an diese Selbstverständlichkeit möchte der Notfallsanitäter appellieren.

Kassel: Keine Veränderung der Arbeit durch Corona

Verändert hat sich seine Arbeit durch Corona nicht sonderlich, sagt er. Aber sie ist aufwendiger geworden. Im Einsatz trägt Helge Thiele eine FFP2-Maske, Handschuhe und einen Schutz für die Augen. Wenn er weiß, dass eine Infektionskrankheit vorliegt und die Zeit vorhanden sei, ziehen Thiele und seine Kollegen auch noch einen Schutzanzug an.

Ob er trotzdem Angst hat, sich infizieren zu können? „Nein, eigentlich macht man sich keine Gedanken, weil man gut geschult ist, und weiß, worauf man achten muss und wie man sich schützen kann“, sagt Thiele.

Zu Beginn der Pandemie sei es so gewesen, dass viele Menschen versucht hätten, einen Krankenhausaufenthalt zu vermeiden, weil sie Angst hatten, sich anzustecken, erzählt der Notfallsanitäter. Das sei jetzt nicht mehr so. Mittlerweile sei das Virus aber auch so verbreitet, dass man ohne einen Test nur mutmaßen könne, ob jemand infiziert sei oder nicht.

Santitäter aus Kassel: Tägliche Abwechselung und das Gefühl, Menschen helfen zu können

Was seine Arbeit für ihn auch nach 20 Jahren noch spannend macht, ist die tägliche Abwechslung und das Gefühl, Menschen helfen zu können. „Aber die Einsätze sind mehr geworden“, sagt Thiele. „Die Einsatzzahlen steigen und steigen und es nimmt kein Ende. Man ist ein bisschen der Hausarztersatz.“ Thiele hat den Eindruck, dass die Hausärzte nicht mehr so greifbar sind wie früher: „Man macht Hausbesuche und muss sich dann überlegen, muss der Patient wirklich ins Krankenhaus oder nicht. Viele haben gar keinen Kontakt mehr zu ihren Hausärzten“, sagt er.

Thiele arbeitet als Notfallsanitäter für das Deutsche Rote Kreuz Kassel-Wolfhagen meistens auf der Rettungswache in Vellmar, wenn er den Transport von Intensivpatienten begleitet oder Notärzte zum Einsatz fährt, ist er nicht nur im nördlichen Kassel, sondern in der gesamten Region unterwegs.

Menschen sind auch in Corona-Zeiten dankbar

Hat die Pandemie aus seiner Sicht das Verhältnis zwischen Rettungskräften und Patienten verändert? „Nein, in der Regel ist es schon noch so, dass die Leute dankbar sind, wenn wir ihnen helfen können“, sagt Thiele. Natürlich sei eine gewisse Verunsicherung spürbar. Aber die Rettungskräfte schützten durch die speziellen Masken nicht nur sich selbst, sondern auch die Patienten, sodass die Gefahr einer Ansteckung gering sei. In seinem Job müsse man darauf vertrauen, dass man wisse, was man tut, und es zum Schutz vor Ansteckung entsprechende Möglichkeiten gibt. (Kathrin Meyer)

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