Millionen Haushalte könnten profitieren

Einsparungen von mehreren Hundert Euro: Neue Sparheizung aus Kassel sorgt für Furore

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Moderne Fernwärmeheizung an der Heinrich-Steul-Straße: Sven Krenitz im Keller des Mehrfamilienhauses.

Kassel. Von dieser Erfindung aus Kassel könnten Millionen Mieter in ganz Deutschland profitieren. Die Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft (GWG) hat sie bereits in 1800 ihrer Wohnungen eingebaut.

Es geht darum, die Wärmezufuhr bei älteren Heizungsanlagen deutlich besser als bisher zu steuern. „Wir haben dadurch Einsparungen zwischen 19 und 34 Prozent gemessen, im Durchschnitt waren es 27,2 Prozent“, sagt Peter Ley, der Geschäftsführer der städtischen Wohnungsbaugesellschaft GWG.

Interessant ist die Neuentwicklung in erster Linie für größere Wohnanlagen. Die entstanden in Kassel in den 1960er-Jahre unter anderem in Waldau, am Brückenhof, am Mattenberg, im Forstfeld und im Auefeld. Sie alle verfügen über damals moderne, aber heute problematische sogenannte Einrohrheizsysteme. Durch die läuft selbst dann heißes Wasser, wenn gar nicht oder nur wenig geheizt werden soll. Bundesweit gibt es geschätzt 1,5 Millionen Wohnungen mit diesen Heizungen.

Durch ein Ventil, das automatisch über einen Elektromotor gesteuert werden kann, werden diese Energieschleudern jetzt nachträglich zu Sparheizungen. Jahrelang hat der Leiter der Gebäudetechnik bei der GWG und gelernte Heizungsbauer Heiko Steppan an diesem Ventil getüftelt. Mit Erfolg. Mittlerweile hat es seine Alltagstauglichkeit bewiesen und ist als Patent angemeldet. „Für uns lohnt sich der Einbau dieser Technik und für die Mieter noch mehr“, sagt GWG-Chef Ley. Die Kosten für den Einbau könnten zwar anteilig auf die Miete umgelegt werden. Die Ersparnis sei aber deutlich höher und könne pro Wohnung bei mehreren hundert Euro im Jahr liegen.

Kein Wunder, dass auch andere Städte an dieser Entwicklung interessiert sind. In Bamberg und Braunschweig wurden gerade größere Testläufe abgeschlossen. Die Einsparungen lagen bei bis zu 40 Prozent.

Das Mehrfamilienhaus an der Heinrich-Steul-Straße hat nur noch wenig mit dem Plattenbau früherer Jahre zu tun. Die Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft GWG hat nicht nur die Fassade erneuert, sondern auch die Haustechnik. Im Keller gibt es eine moderne Fernwärmestation, für jede Etage wurde ein neues Energiesparventil eingebaut. „Über Wärmesensoren kann so die Heizung ganz nach Bedarf geregelt werden“, sagt Sven Krenitz von der Technikabteilung der GWG.

Kleiner Eingriff, große Wirkung: So sieht das Ventil aus.

Einer der Vorteile der von der GWG unter dem Namen „indiControl“ patentierten Technik: Bei der Sanierung mussten die Heizungsrohre nicht herausgerissen werden. Ansonsten steht die Energieeinsparung im Mittelpunkt. Die mit einer Automatik ausgestatteten Ventile machen es überhaupt erst möglich, die Wärmezufuhr der Heizung genau zu steuern. Das sorge auch dafür, dass Räume nicht überheizt werden und die Kosten genauer abgerechnet werden können. Bei den alten Einrohrheizungen war das bislang nicht möglich.

Möglicher Exportschlager

Das neue System hat das Zeug zu einem Exportschlager. Derzeit plant die GWG 20 Testanlagen für andere Wohnungsbaugesellschaften in ganz Deutschland.

Anfang Juni wird mit dem bundesweiten Zukunftspreis die begehrteste Auszeichnung der Wohnungswirtschaft vergaben. Die GWG ist mit im Rennen.

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