250 Besucher informierten sich in der Zehntscheune über Geschichte des Waldauer Flughafens

Einstiges Mekka der Fliegerei

Ausstellung: Yannik Xourgias (9, von links), Hannes und Sonja Seeger schauten sich das Flugmodell der Maschine an, die der „Rote Baron“ von Richthofen im ersten Weltkrieg flog (vorn). Foto: Dilling

Waldau. Wie sich die Situation gleicht: Mit dem neuen Flughafen Calden verbindet die Kasseler Region die Hoffnung auf weiteren wirtschaftlichen Aufstieg. Bei seinem Vorgänger, dem Flugplatz Waldau, war das vor beinahe 90 Jahren ähnlich. Und der Start mit sehr überschaubaren Passagierzahlen ist heute wie damals holprig: Calden kämpft mit der Absage von Fluggesellschaften, in Waldau brachte 1926 die erste Linienmaschine der Lufthansa aus Frankfurt gerade mal einen Fluggast mit nach Kassel. Später gab die Stadt auf, weil sie den Zuschuss für die Fluglinie nicht mehr zahlen konnte.

Flughäfen bewegen die Bürger. Das zeigte die große Resonanz von – geschätzt – 250 Besuchern, die sich am Wochenende in der Zehntscheune anhand einer Fülle von historischen Bildern, die der Arbeitskreis Waldauer Geschichte(n) zusammengetragen hat, über die mehr als 40 Jahre währende Geschichte des Flugplatzes informierten. Gerhard Werner und Norbert Dippel vom Arbeitskreis erzählten unterhaltsam und mit vielen Anekdoten die Historie des ehemaligen Militärgeländes, die 1924 mit der Einweihung des Flugplatzes begann und 1967 endgültig zu Ende ging. Heute befindet sich dort das Waldauer Industriegebiet.

Flugzeuge bekamen die Besucher auch zu sehen. Sie wurden von Modellbauern ausgestellt, darunter ein „Fieseler Storch“, Gesellenstück eines Lehrlings aus den früheren Fieseler-Flugzeugwerken, und eine Piper, ein Zweisitziges Flugzeug, das häufig in Waldau landete.

Tausende Schaulustige

Flugpioniere und Kunstfliegerasse gaben sich in den Anfangsjahren der Fliegerei in Waldau die Klinke in die Hand. Gerhard Werner berichtete, wie der berühmte Flieger Hans Grade mit seiner „Libelle“ 1910 über dem Flugplatz schwebte. Als das riesige Luftschiff „Viktoria Luise“ zwei Jahre später nach Waldau kam, liefen tausende Schaulustige auf den Flugplatz. „Das beeindruckte die Kasseler enorm“, sagte Werner.

Die goldenen Zeiten der Kasseler Fliegerei begannen nach dem ersten Weltkrieg in den 1920er-Jahren, als Flugzeuge an der Fulda produziert wurden. Die Dietrich-Gobiet-Flugzeugwerke wurden gegründet. Später begann der Kasseler Kunstflieger Gerhard Fieseler seine Produktion. Als der Testpilot Kurt Katzenstein seine Flugschule eröffnete, bekamen die Waldauer Gaststätten illustre Übernachtungsgäste sogar aus dem Ausland. Die berühmte Fliegerin Hanna Reitsch (gestorben 1979) nächtigte regelmäßig im „Jägerhof“ an der Nürnberger Straße, wie so manche ihrer Kollegen auch. Nach dem zweiten Weltkrieg ging es in Waldau mit der Fliegerei bergab. Die Politik entschied, dass sich der Flugplatz nicht rentiert. (pdi) http://regiowiki.hna.de/ Flugplatz_Kassel-Waldau

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