Abschied nach 32 Jahren: Eis-Café Wagner in neuen Händen

Generationswechsel: Edinei Meira de Faria (links) hat das Eis-Café zum Saisonstart übernommen. Sergio Introvigne greift ihm für einen reibungslosen Übergang noch unter die Arme. Foto: Koch

Kassel. Generationswechsel im Eis-Café Wagner an der Friedrich-Ebert-Straße: Über 30 Jahre haben Sergio und Marita Introvigne ihren Kunden Eisbecher und Espresso serviert, nun ziehen sie sich aus dem Geschäft zurück.

Sie haben es in die Hände eines jungen Paares gegeben, das wie sie damals den Sprung in die Selbstständigkeit wagt. Edinei Meira de Faria und Valeria haben das Eis-Café zum Saisonstart übernommen. Noch greift ihnen der 59-jährige Eis-Konditor gelegentlich unter die Arme, um für einen reibungslosen Übergang zu sorgen.

Schwere Anfangszeit

Sergio Introvigne, der sich fast alles selbst beigebracht hatte, erinnert sich noch gut an die erste Zeit. „Die Anfangsjahre waren schwer“, sagt er. Er habe neue Kunden gewinnen müssen. „Der gute deutsche Name Eis-Wagner ist geblieben.“ Der Zusatz „Boutique del gelato“ sollte den Wechsel nach außen sichtbar machen.

Dass die Übernahme zur Erfolgsgeschichte wurde, führt er auf Qualität, Sauberkeit, Zuverlässigkeit und „die Perle des Ladens“ - seine Frau Marita - zurück, die bediente. „Viele Gäste mussten gar nicht mehr bestellen“, sagt der gebürtige Norditaliener. „Die Frage ,Wie immer?’ reichte schon.“

Die Stammkunden kamen nicht nur aus dem Vorderen Westen, sondern aus der ganzen Stadt und dem Umland. Sergio Introvigne, der meistens an der Eismaschine stand, erzählt all dies mit leuchtenden Augen.

Dass er einen Knochenjob gemacht hat, von Mitte Februar bis Mitte November sieben Tage die Woche von morgens bis spät in die Nacht, ist nicht ohne Folgen geblieben. „Die Gesundheit hat nicht mehr mitgespielt“, sagt er. Ihn plagen Knieprobleme.

„Für uns fängt ein neuer Lebensabschnitt an“, sagt Introvigne. Reisen (auch wenn seine Frau noch andere Vorstellungen habe), Tanz- und Computerkurse besuchen - das hat er sich vorgenommen. Die beiden Töchter („Die sind hinter der Theke groß geworden“) und vier Enkelkinder in Italien besuchen, die Geburtsstätte Jesu ansehen - es gibt vieles, worauf er sich freut.

Seit 1970 lebt er in Deutschland, seinen ersten Arbeitsplatz hatte er in der inzwischen längst geschlossenen Eisdiele am Stern. Nach einem Intermezzo in Oberkaufungen übernahm er das Geschäft von Eis-Wagner an der Friedrich-Ebert-Straße im Vorderen Westen. Die Zutaten für die Eisherstellung habe er immer aufs Gramm abgewogen, sagt er, und viele neue Sorten kreiert. Schmand-Mohn ist einer seiner Lieblingssorten.

„So was vergisst man nicht von heute auf morgen“, sagt er über die vielen Jahre. Die Gäste fehlten ihm, vor allem aber seiner Frau. „Wenn sie Geburtstag hatte, sah es hier drinnen aus wie in einem Blumenladen.“

Von Ellen Schwaab

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