Vortragsthema bei Veranstaltung „Die Region trifft sich“

Eisenbahn sorgt seit 1848 für Fortschritt

Nostalgie in Öl: Dieses Bild zeigt die Henschel-Lokomotive „Drache“, die 1848 erstmals gebaut wurde. Repro : HNA

Kassel. Als Carl Anton Henschel Mitte des 19. Jahrhunderts seine erste Eisenbahn baute, da gab es in Kassel noch nicht einmal einen Bahnhof.

Der Drache – so hieß die legendäre, in Kassel produzierte Lokomotive – war trotzdem der Beginn einer Erfolgsgeschichte.

So sieht das zumindest ein ausgewiesener Kenner der Eisenbahngeschichte. Dr. Klaus-Peter Lorenz (59), hauptberuflich bei der Volkshochschule tätig, wollte Lust auf das am Wochenende erscheinende Buch „Vom Drachen zur Regiotram“ über die heimische Eisenbahngeschichte machen.

Das ist ihm gelungen mit seinem Vortrag bei der wieder bestens besuchten Veranstaltung „Die Region trifft sich – die Region erinnert sich“. Etwa 800 Gäste aus allen Bereichen des öffentlichen Lebens in Stadt und Landkreis hatten sich dazu am Dienstagabend in der Kundenhalle der Kasseler Sparkasse versammelt.

Lediglich die Spurweite sei mit 1435 Millimetern immer gleich geblieben, ansonsten habe sich jede Menge seit dem Drachen (1848) verändert, sagte Lorenz. Teilweise hatte man gestern Abend den Geruch der alten Dampflokomotiven in der Nase. Wenn Lorenz Kindheitserinnerungen beschrieb, wenn er von rußverschmierten Gesichtern der Heizer sprach und davon, wie Eisenbahngeschichte auch immer ein Stück Sozialgeschichte war.

Bahn als sozialer Kosmos

Nur wenig ist von den alten Eisenbahnertraditionen geblieben. „Die Eisenbahner waren Stützen des Gemeinwesens in Parlamenten und Vereinen“, schilderte Lorenz. 1896 wurde der Eisenbahnverein Cassel gegründet, um die Mitglieder bei Krankheit und Dienstunfähigkeit finanziell abzusichern. Lungenheilstätten, Eisenbahner-Erholungsheime ud Kulturangebote seien Bestandteil des sozialen Kosmos Eisenbahn gewesen.

Zur jüngeren Vergangenheit der regionalen Eisenbahngeschichte gehören die Planungen für den Fernbahnhof Wilhelmshöhe. Jede Menge Planungsvarianten seien in den 1970er-Jahren diskutiert worden, darunter die komplette Untertunnellung auf dem Schienenweg durch Kassel. Das Großprojekt musste mit jeder Menge Kritik leben. Lorenz wertet es dennoch ganz klar als Fortschritt für die Region. Positivbeispiele sind für ihn auch das Güterverkehrszentrum, die Straßenbahnen ins Umland und insbesondere die Regiotram.

Impressionen von „Die Region trifft sich“

Trotz einiger Stolpersteine habe die Regiotram die Großstadt Kassel und das Umland nicht nur auf der Schiene, sondern auch im Bewusstsein der Menschen näher zusammen rücken lassen.

Von Thomas Siemon

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