Bei Kälte sind dicke Menschen ausnahmsweise im Vorteil

Sport im Winter: So bleiben Läufer auch bei arktischer Kälte fit

Läuferin im Schnee
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Bloß nicht zu intensiv: Auch für trainierte Läufer bedeuten zweistellige Minusgrade eine besondere Belastung.

So kalt war es lange nicht mehr. Trotzdem wollen auch jetzt viele Sport an der frischen Luft machen. Worauf Läufer jetzt achten sollten.

Kassel – Bislang hat Dr. Sven Joachim Dallmann die Kälte nicht zu schaffen gemacht, sondern nur der Schnee. Hausbesuche bei seinen Patienten konnte der Allgemein- und Sportmediziner aus dem Kasseler Stadtteil Jungfernkopf Anfang der Woche nur erledigen, nachdem er bei seinem Auto die Schneeketten aufgezogen hatte. Mittlerweile kann er wieder ohne fahren, aber die arktischen Temperaturen werden noch eine Weile bleiben.

Für heute sind minus 13 Grad vorausgesagt. Nach all den milden Wintern ist die Kälte für viele ungewohnt. Mit Dallmanns Hilfe geben wir fünf Tipps, wie man auch jetzt draußen aktiv bleiben und Sport treiben kann.

1) Vorsichtig sein

Vor allem für Menschen mit Herzkreislauferkrankungen hat Dallmann einen wichtigen Rat: „Man sollte jetzt langsam machen.“ Das gilt nicht nur für den Sport, sondern auch fürs Schneeschippen bei zweistelligen Minusgraden. „Gefäße verengen sich bei niedrigen Temperaturen“, sagt der 58 Jahre alte Mediziner: „Sie können sich auch dort zusammenziehen, wo schon eine Engstelle ist.“ Das Risiko eines Herzinfarkts steigt. Außerdem kann es zu einem kälteinduzierten Asthma-Leiden kommen.

2) Weniger belasten

Auch für trainierte Sportler sind die derzeitigen Bedingungen eine besondere Belastung, weil die kalte Luft die oberen Atemwege zusätzlich beansprucht. Dallmann empfiehlt, momentan eher nicht zu laufen. Wer dennoch draußen seine Runden drehen will, sollte eine moderate Intensität wählen, möglichst erst nach Sonnenaufgang trainieren und erst gegen den Wind laufen. Andernfalls besteht auf dem Rückweg die Gefahr der Auskühlung, wenn man geschwitzt und geschwächt ist.

3) Richtig essen und trinken

Bei Kälte sind dicke Menschen ausnahmsweise im Vorteil, denn Fettmasse verhindert, dass der Körper Wärme verliert. Ein bisschen Winterspeck kann in diesen Tagen wie eine zusätzliche Isoschicht wirken. Davon könnten eigentlich auch Frauen profitieren, da sie im Schnitt über 10 bis 15 Prozent mehr Fettmasse verfügen. Allerdings haben Männer in der Regel deutlich mehr Muskelmasse, weshalb die meisten Frauen schneller frieren als Männer.

Oft vergessen wird im Winter das Trinken. Aber auch wenn das subjektive Durstgefühl jetzt geringer ist als im Hochsommer, bleibt auch in den kalten Monaten viel Schweiß auf der Strecke. Darum sollten gerade Läufer auch jetzt viel trinken. Oder fährt ein Auto im Winter ohne Sprit?

4) Richtig anziehen

Läufer können von der Zwiebel lernen. Am besten trägt man jetzt mehrere Schichten – wärmende Funktionswäsche, die anders als Baumwolle nicht auf der Haut klebt. Darüber kommen ein oder zwei dünne Laufhemden sowie eine Funktionsjacke, die Wind abweist. Da der Körper die meiste Wärme über den Kopf abgibt, ist eine Mütze unerlässlich.

5) Gelassen bleiben

Patienten von Dallmann, die 80 Jahre oder älter sind, wundern sich bisweilen, wie viel Aufhebens über den Wintereinbruch gemacht wird. „Die lachen sich tot, denn früher war es im Winter jeden Tag so“, sagt Dallmann. Von der Funktionskleidung, die heute fast jeder trägt, hätten unsere Vorfahren geträumt: „Wir sind an den Winter einfach nicht mehr gewöhnt.“ (Matthias Lohr)

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