Protest gegen Umgang mit Ai Weiwei

China-Ausstellung: Eklat und Kritik zur Eröffnung

Kassel. Zu einem Eklat kam es am Dienstag vor der offiziellen Eröffnung der Kasseler Ausstellung „Alles unter dem Himmel gehört allen“ mit chinesischer Kunst im öffentlichen Raum.

Als der Botschafter der Volksrepublik China, Shi Mingde, um 17 Uhr das Kasseler Rathaus verließ, um sich dem Ausstellungsrundgang anzuschließen, sah er sich mit etwa zwei Dutzend Plakaten konfrontiert, auf denen der chinesische Künstler und Dissident Ai Weiwei mit zugeklebtem Mund abgebildet war.

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Der Botschafter fühlte sich durch diese Demonstration „bedrängt und irritiert“, so Prof. Dr. Klaus Siebenhaar, einer der Kuratoren der Ausstellung. Man habe dem Botschafter erklärt, dass in Deutschland Demonstrationsfreiheit herrsche und nichts gegen den Protest Kasseler Bürger unternommen werde. Der Botschafter verzichtete daraufhin auf die Teilnahme am Rundgang.

Zusammen mit dem Kasseler Oberbürgermeister Bertram Hilgen sowie den beiden chinesischen Kuratoren, Prof. Fan Di’An und Prof. Yu Ding, bestieg er ein Auto, um sich einige Stationen der Ausstellung zeigen zu lassen.

Der Protest Kasseler Bürger richtete sich gegen die fortgesetzte Gängelung Ai Weiweis durch den chinesischen Staat. Im April 2011 war der Künstler für zweieinhalb Monate inhaftiert worden, ohne dass etwas über den Verbleib Ai Weiweis und den Grund seiner Inhaftierung mitgeteilt wurde. Seit seiner vorläufigen Freilassung darf Ai Weiwei das Land nicht verlassen. Ihm wurde Steuerhinterziehung vorgeworfen. Der Rechtsstreit dauert an. Am Dienstag entzogen die chinesische Behörden Ai Weiwei Designfirma die Lizenz. Die Firma habe sich nicht neu registrieren lassen, lautet der Vorwurf nach Berichten der BBC. 

Der Rundgang zu den Stationen der Ausstellung fand dennoch statt. Siebenhaar führte die rund 50 Interessierten und erläuterte die Arbeiten. Im Gegensatz zum chinesischen Botschafter fühlten sich einige der anwesenden chinesischen Künstler von der Protestaktion keineswegs gestört. Einige zückten ihre Fotohandys, um die Aktion im Bild festzuhalten.

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Die Ausstellung ist Teil des Jahres der chinesischen Kultur in Deutschland und die bisher größte Schau chinesischer Gegenwartskunst im öffentlichen Raum außerhalb Chinas. Aber es gibt Kritk: Die International Campaign for Tibet (ICT) zeigte sich besorgt über die fehlende kritische Auseinandersetzung der Veranstalter mit dem „Chinesischen Kulturtag in Deutschland“, in dessen Rahmen die Ausstellung stattfindet. „Der chinesische Staat will mit Kunst und Kultur sein Ansehen stärken, um weltweite Kritik an seiner Politik etwa im Menschenrechtsbereich abzuschwächen“, sagte ICT-Geschäftsführer Kai Müller. (W.F.)

Rubriklistenbild: © Schachtschneider

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