Kasseler Waffenbörse in den Messehallen

Messe für Waffenfans: 20.000 Sammler und Schützen treffen sich in Kassel

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Zwei Colts für alle Fälle: Michael Mayer (alias „Socks“, links) und Ingo Standke (alias „Cheyenne Wolf“) sammeln Nachbauten von Waffen, die aus dem Western-Genre bekannt sind.

Alles halbe Jahr wird Kassel zum Eldorado für Waffenfans aus der ganzen Welt. Die internationale Waffenbörse Kassel ist die größte deutsche Verkaufsausstellung. Besonders wegen der dort auch erhältlichen NS-Gegenstände rief sie in der Vergangenheit immer wieder auch Kritiker auf den Plan.

Kassel – Doch viele Aussteller wehren sich gegen die Behauptung, die Schau sei ein Treffpunkt für die rechte Szene. Sie fühlen sich diskriminiert.

Gleich am Eingang hat der Veranstalter ein Zeichen gesetzt: „Kein Ort für Neonazis“ ist dort auf einem Schild zu lesen. „Wir wollen uns nicht in die rechte Ecke drängen lassen“, sagt Veranstalter Wolf Krey. Der Chef der Expo Management GmbH ist kein Überzeugungstäter: „Ich habe keine Ahnung von Waffen und damit auch nichts am Hut. Ich veranstalte auch Kunstmessen“, sagt er.

Berührungsängste hat Krey aber auch nicht. Gleichwohl könne er persönlich nicht nachvollziehen, warum Menschen alte Militäruniformen, NS-Relikte und historische Waffen sammeln. „Das ist im Prinzip eine Leidenschaft wie das Münzensammeln auch“, sagt er.

Eldorado für Waffenfans: Alte Gewehre der Wehrmacht

Unter den 300 Ausstellern sind neben Händlern von Jagd- und Sportwaffen vor allem Anbieter alter Militärausrüstung dominierend: Stahlhelme und Uniformen gibt es ebenso wie historische Waffen. Die meisten der in Kassel vertretenen Händler haben Hakenkreuze, SS-Runen und ähnliche Symbolen auf ihren NS-Devotionalien mit einem roten Punkt abgeklebt. Auf die Frage, wer so etwas kaufe, heißt es meistens: Sammler, Museen und Filmproduktionsfirmen.

Veranstalter: Wolf Frey vor MG 42 aus der Weltkriegszeit. Die Waffen wurden uns chädlich gemacht.

Für Händler Günter Ludwig ist es wichtig, klarzustellen, dass die alten Kriegswaffen alle unschädlich gemacht seien. Dies werde streng überprüft. Er selbst kauft vor allem alte Bundeswehrbestände auf. Am Nachbarstand werden auch Stücke aus der Weltkriegszeit angeboten. Für Wehrmachtswaffen würden weltweit die höchsten Preise erzielt, berichtet ein Händler, der einen deutschen Granatwerfer für 2500 Euro anbietet. Auch jugoslawische Nachbauten des deutschen MG 42 werden für 550 Euro verkauft. „Wer fünf kauft, zahlt vier“, wirbt ein Schild.

Waffenausstellung: „Damit wird zu viel Scheiß gebaut“

Es gibt auch Händler, die das Geschäft mit zerlegten Kriegswaffen kritisch sehen: „Ich distanziere mich davon. Es schadet dem Ruf der Waffenlobby“, sagt Waffenhändler Gerd Scheidt. Auch wenn die Waffen unschädlich gemacht worden seien, gebe es Mittel und Wege, diese Dekowaffen wieder schussfähig zu machen. „Damit wird zu viel Scheiß gebaut“, sagt Scheidt. Er selbst verkauft Jagdwaffen und historische Waffen. Diese sind funktionsfähig, werden aber nur an Käufer mit Waffenbesitzkarte in einem separaten Raum und ohne Munition übergeben.

Pistole von Napoleon III.: Zaida Villegas am Stand von Büchsenmacher Jarzombek mit einem Original.

Der Büchsenmachermeister Claus Jarzombek hat besondere Liebhaberstücke im Angebot: Dazu zählt eine 1854 gefertigte Pistole von Kaiser Napoleon III. „Die kostet ungefähr 20 000 Euro“, sagt Jarzombek.

Unter den 20 000 zumeist männlichen Besuchern tummeln sich auch Cowboys. Sie gehören der Sammlervereinigung „FROCS“ an und widmen sich Repliken von Waffen, die durch das Western-Genre bekannt wurden: vor allem Colts. Die Anhänger tragen Spitznamen wie „Socks“ oder „Cheyenne Wolf. Sie zeigen auch Leihgaben aus dem Karl-May-Museum in Radebeul: darunter Silberbüchse und Bärentöter, die als Requisiten in den 60er-Jahren in den Karl-May-Verfilmungen zu sehen waren. „Wir Western-Fans sind weltweit vernetzt“, sagt Ingo Standke alias Cheyenne Wolf.

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