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Grünen-Politiker aus Kassel stellt elf Forderungen für Fußball-WM 2022 in Katar

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Von: Matthias Lohr

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Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Boris Mijatovic führt zahlreiche Gespräche, um die Menschenrechtslage in Katar zu verbessern.

Berlin/Kassel – Boris Mijatovic fliegt lange vor der deutschen Fußball-Nationalmannschaft nach Katar. In zwei Wochen besucht der Bundestagsabgeordnete der Grünen aus Kassel das Emirat auf der arabischen Halbinsel, in dem ab dem 20. November die Weltmeisterschaft stattfindet.

Dort trifft sich der Sprecher für Menschenrechte und humanitäre Hilfe seiner Fraktion mit der Internationalen Arbeiterorganisation ILO und anderen Gruppen, die sich im Land um Menschenrechte kümmern. Mijatovic will den Dialog, wie er der HNA sagt: „Es geht nicht darum, Druck auszuüben, sondern den Austausch zu fördern.“

Zugleich hat er mit seiner Fraktion gerade ein umfangreiches Papier veröffentlicht, in dem elf Forderungen für die umstrittene WM aufgestellt werden. Unter anderem schlagen die Grünen unter Federführung von Mijatovic einen Entschädigungsfonds für Gastarbeiter vor. Laut Medienberichten sollen seit der WM-Vergabe mindestens 6500 Arbeitsmigranten gestorben sein – und zwar nicht nur beim Bau der Stadien, sondern auch wegen prekärer Arbeitsverhältnisse in dem Wüstenstaat. Die Autorin Samira El Ouassil schrieb sogar: „Für unseren Torjubel starben 15.000 Menschen.“

Sie arbeiteten für die WM: Bauarbeiter auf der Baustelle im Lusail-Stadion in Katar. Laut Medienberichten sollen seit der WM-Vergabe mindestens 6500 Arbeitsmigranten in dem Emirat gestorben sein. Archi
Sie arbeiteten für die WM: Bauarbeiter auf der Baustelle im Lusail-Stadion in Katar. Laut Medienberichten sollen seit der WM-Vergabe mindestens 6500 Arbeitsmigranten in dem Emirat gestorben sein. © Hassan Ammar/AP/dpa

Kasseler Grünen-Politiker Mijatovic fordert unter anderem Entschädigung für Familien der Opfer

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch fordert, dass der Weltfußballverband Fifa mindestens 451 Millionen Euro in einen Entschädigungsfonds zahlt. Genau diese Summe wird an Preisgeld ausgeschüttet – mehr als je zuvor. In dem Grünen-Papier wird keine Summe genannt, aber der Betrag, so formuliert es Mijatovic, „sollte eine angemessene Höhe haben, um die Familien zu entschädigen“.

Weitere zentrale Forderungen lauten: nachhaltige Verbesserungen bei Menschenrechts-, Umwelt- und Arbeitsschutz sowie die Anerkennung der Menschenrechte von Frauen und LGBTQ-Menschen. Laut Mijatovic ist im Vorfeld der WM zwar schon einiges passiert. So habe Katar einen Mindestlohn eingeführt, bei der Umsetzung gebe es aber weiterhin Defizite.

WM in Katar: Frauenrechtslage prekär - Homosexualität unter Strafe

Und die Frauenrechtslage hält der 48-Jährige nach wie vor für prekär: „Mädchen und Frauen sind – trotz einiger Fortschritte in den vergangenen Jahren – gesellschaftlich und rechtlich diskriminiert. Zudem steht Homosexualität weiterhin unter drakonischen Strafen.“ Schwule, Lesben und Transmenschen würden gesellschaftlich stigmatisiert und tabuisiert. Auch weibliche Hausangestellte bräuchten besonderen Schutz, weil sie im privaten Raum in besonderer Gefahr stünden, „Opfer von Willkür und sexueller Belästigung zu werden“, wie Mijatovic sagt.

Ein halbes Jahr hat der ehemalige Fraktionschef im Kasseler Stadtparlament mit drei Parteikollegen an dem Papier zur WM gearbeitet. Dazu haben sie zahlreiche Gespräche geführt. Die Veränderungen sollen nachhaltig sein. „Es kann nicht sein, dass Katar nach der WM vergessen ist“, sagt Mijatovic.

Kassel: Grünen-Forderungen zur WM 2022 in Katar richten sich auch den Fußball-Weltverband FIFA

Zudem richten sich die Forderungen nicht nur an Katar, sondern auch an die Fifa, die endlich demokratische Verfahren wie Transparenz bei der Vergabe umsetzen müsse. Mitautor Philip Krämer regt zudem Selbstkritik hierzulande an: „Viele deutsche Spitzensportverbände haben noch keine eigene Menschenrechtsstrategie erarbeitet. Das muss sich dringend ändern.“

Zur WM wird Mijatovic nicht noch mal nach Katar reisen. Er will die Spiele nicht einmal im Fernsehen verfolgen. „Ich habe für mich entschieden, die WM nicht zu schauen. Es wird die erste seit 1982 sein, die ich verpasse. Die Fifa macht den Fußball kaputt“, sagt der Fan des 1. FC Köln, der jahrelang bei Dynamo Windrad kickte. Einer seiner Mitarbeiter hat jedoch schon gewettet, dass Mijatovic den Boykott nicht durchhält. (Matthias Lohr)

Bereits im Sommer 2021 ließ der KSV Hessen Kassel mit einem symbolischen Boykott gegen die WM in Katar aufhorchen.

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